Schienenersatzverkehr am Regensburger Hauptbahnhof: In Stoßzeiten wird es chaotisch

Aufgrund der weiteren Sperrung der Strecke zwischen Regensburg und Nürnberg fahren die Buslinien jetzt in zwei Richtungen. Bei Pendlern führt das zu ärgerlichen Verwechslungen. Auch Agilis hat Probleme, weil die Mitarbeiter nicht wie geplant eingesetzt werden können. Dafür will man nun von der Bahn Entschädigung.
Wohin soll die Reise gehen? Das fragen sich derzeit verstärkt die Zugkunden, die im Rahmen der Generalsanierung auf den Schienenersatzverkehr (SEV) umsteigen mussten und müssen. In den vergangenen Wochen hatte sich das System am stark frequentierten Regensburger Hauptbahnhof gut eingespielt. Doch mit der Verzögerung bei der Wiedereröffnung der Bahnstrecke nach Nürnberg und der inzwischen gestarteten Generalsanierung Richtung Passau erleben die Kunden zu Stoßzeiten im Berufs- und Schulverkehr eine Art „Bus-Lotto“ an diesem zentralen Anfangs- und Endpunkt. Denn der RB51 fährt nun in zwei Richtungen, die Expressverbindung RE50 sogar in drei. Eine kleine Unachtsamkeit, und schon mündete die Fahrt am falschen Ort, wie bereits einige Pendler genervt feststellen mussten.
Die dadurch entstehenden Kosten werden wir versuchen beim Verursacher geltend zu machen.Ein Sprecher der Agilis zur verschobenen Wiedereröffnung der Bahnstrecke
Ein Beispiel: Zum Schulschluss um 13.25 Uhr verkehren zeitgleich am SEV-Zustieg Hauptbahnhof der RB51 nach Straubing sowie in die Gegenrichtung nach Neumarkt, der RE50 nach Plattling, der RE50 nach Passau sowie der RE50 nach Nürnberg Hauptbahnhof. Als wäre das noch nicht verwirrend genug, stellen zudem nicht alle Busse ihre Anzeigentafeln scharf. „Da stand nur RB51 und kein Ort“, berichtet eine Schülerin gegenüber der Mediengruppe Bayern, die daraufhin – nicht als einzige in diesem Bus – in Burgweinting statt in Etterzhausen landete. Überhaupt sei es schwierig, die Richtung zu erfragen. „Die Busfahrer können selten weiterhelfen und die Servicekräfte an der Haltestelle sind oft gestresst“, so ihre Beobachtungen. „Wenn SEV-Busse noch verspätet eintreffen oder überraschend entfallen, dann wird es chaotisch“, so das aktuelle Fazit der Schülerin.
Das Agilis-Personal wartet auf seinen Einsatz
Dass die Busfahrer mit Schwierigkeiten kämpfen, zeigte sich in den vergangenen Wochen mehrfach. Manche von ihnen verfuhren sich und blieben etwa mit den Gelenkfahrzeugen in engen Altstadtgassen und auf der Steinernen Brücke stecken. Es kam auch zu Unfällen, bei denen Busse im Straßengraben landeten. Sie verliefen glücklicherweise glimpflich. Auf Nachfrage räumt die Bahn ein, dass „teilweise neue Fahrerinnen und Fahrer im Einsatz sind, die erst noch tiefere Ortskenntnisse erwerben müssen.“ Ins Schlingern gerät nun im zweiten Abschnitt der Generalsanierung allerdings auch die Agilis Verkehrsgesellschaft. „Die Verlängerung der Sperre zwischen Nürnberg und Regensburg stellt uns vor erhebliche Herausforderungen. Vor allem die kurzfristige Ankündigung nur drei Tage vor der geplanten Wiederinbetriebnahme war planerisch kaum zu bewältigen“, stellt ein Agilis-Sprecher auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern fest.
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Das Zugpersonal habe auf die fünfmonatige Sperre mit großer Flexibilität reagiert, weshalb durch die Verlegung von Urlauben, auswärtigen Einsätzen und flexibler Dienstplanung keine Kurzarbeit habe angeordnet werden müssen. „Jetzt sind die Kolleginnen und Kollegen zurück und sollten eigentlich Züge fahren und begleiten. Wir versuchen für alle, die jetzt keine Aufgabe haben, eine tragbare Lösung zu finden. Unter anderem ziehen wir regelmäßige Schulungsmaßnahmen vor und setzen die Betroffenen, wo es möglich ist, an anderer Stelle ein“, so der Sprecher weiter.
Wir planen weiterhin mit einer Streckenöffnung Ende Juli.Eine Sprecherin der Bahn
Agilis kündigte an, die dadurch entstehenden Kosten beim Verursacher geltend machen zu wollen. Dass die Verzögerungen an der Baustelle auch Kunden kosten könnten, bestätigte der Sprecher auf Nachfrage ebenfalls. „Die Gefahr, dass Bahnfahrer nach so langer Sperrzeit dauerhaft eine alternative Beförderung wählen, ist nicht von der Hand zu weisen. Allerdings gehen wir angesichts der attraktiven Fahrzeiten und Verbindungen und nicht zuletzt wegen eines stabileren Verkehrs nach der Sanierung davon aus, dass die große Mehrzahl der Fahrgäste zurückkehren wird.“ Auch eine Umfrage der Mediengruppe Bayern unter den Bahn-Kunden erweckte zunächst den Anschein, dass die Reisenden gelassen mit der Verlängerung des Schienenersatzverkehrs umgehen.
„Und welcher Bus ist jetzt meiner?“
„Es hilft ja nix“, so der Tenor. Die neue Hitzewelle und die fehlenden Unterstellmöglichkeiten auf dem Bahnhofsvorplatz – bei einer wachsenden Reisendenzahl – sorgen nun aber zunehmend für Verärgerung. „Und welcher ist jetzt meiner?“, beschwerte sich am Montag ein sichtlich abgekämpfter Fahrgast, der in der Schlange von Bussen nicht wusste, wo er einsteigen sollte.
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Die Bahn selbst gibt sich weiter zuversichtlich, dass die Sicherheitsprüfung der Stellwerke demnächst abgeschlossen und der Betrieb Ende Juli Richtung Nürnberg aufgenommen werden kann. Und bis dahin wolle man weiterhin den SEV auf Vordermann bringen. „Wir prüfen aktuell Verbesserungen in Regensburg – insbesondere im Hinblick auf die Wegeleitung und Beschilderung“, betont die Bahn-Sprecherin.