Wegen Rostfraß: Burglengenfelder Parkhaus wird zum Dauerpatienten

Von Thomas Rieke · 16. Juli 2026 um 05:00

Mit ihren Aussagen, das Parkhaus müsse wieder günstiger werden, hatten Politiker unterschiedlicher Couleur heuer im Wahlkampf um Stimmen geworben. Auch nach seinem großen Sieg ließ der Burglengenfelder (Landkreis Schwandorf) Bürgermeister Martin Antretter (SPD) keinen Zweifel, dass er es mit der Rückkehr zur kostenfreien ersten Stunde ernst meint. Nun aber stellt sich heraus: Die Umsetzung des Versprechens ist so einfach nicht. Außerdem gibt es in Sachen Parkhaus noch ganz andere Probleme.

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Wie berichtet, hatten sich die Stadtwerke (SWB) als Betreiber des Parkhauses 2022 wegen hoher Defizite gezwungen gesehen, die Nutzungsgebühren zu ändern. Die bei den Besuchern der Innenstadt sehr beliebte kostenfreie Anfangsstunde wurde gestrichen. Gratis sind seitdem nur noch 30 Minuten. Wer bis zu einer Stunde bleibt, zahlt einen Euro. Jede weitere angefangene Stunde schlägt mit 1,50 Euro zu Buche.

Unterm Strich soll das Burglengenfelder Parkhaus dadurch zu einem der teuersten in der Region geworden sein. Die Kritik seitens der Gewerbetreibenden ließ nicht lange auf sich warten, und Kommunalpolitiker wie der damalige zweite Bürgermeister Josef Gruber (CSU) räumten wenig später ein, sie hätten die Tragweite der Entscheidung vielleicht unterschätzt. Die Gebühren sollten daher unbedingt noch einmal auf den Prüfstand.

Das Defizit ist nicht kleiner geworden

Auch Bürgermeister Antretter plädierte als Wahlkämpfer dafür. In der Jahresversammlung des Wirtschaftsforums (Wifo) beschrieb er anschaulich, dass er am Parkhaus Modernisierungsbedarf sieht. Das Schrankensystem hält er ebenso für überholt wie die beschränkten Bezahlmöglichkeiten. Insgesamt solle das Gebäude attraktiver werden, so sein Appell. Dazu zähle auch eine benutzerfreundliche Gebührenstruktur.

Die Ausfahrt gestaltet sich umständlich: Erst muss der Autofahrer diesen Automaten ansteuern, um dann einen großen Bogen in Richtung Schranke zu nehmen. - Foto: Thomas Rieke

Ein Argument, das stark für die Rückkehr der kostenlosen ersten Stunde spricht: Der Effekt, den man sich von der umstrittenen Entscheidung aus 2022 erhofft hatte, blieb aus. Weil viele Autofahrer das Parkhaus plötzlich mieden, konnte das Minus im Betriebsergebnis nicht verringert werden. Stadtwerke-Vorstand Johannes Ortner bestätigte kürzlich im MZ-Gespräch, heuer sei von Einnahmen in Höhe von rund 210.000 Euro auszugehen. Fast die Hälfte resultiere aus den Gebühren der Dauerparker. Doch die erwarteten Ausgaben lägen deutlich höher, nämlich bei rund 390.000 Euro. Einen wesentlichen Anteil machten dabei die Pacht sowie Unterhalts- und Energiekosten aus, die kaum zu beeinflussen seien.

SWV-Vorstand fordert „notwendigen Mittelfluss“

Kurzum: Ohne finanzielle Unterstützung durch die Stadt sei ein wirtschaftlicher Betrieb nicht zu bewerkstelligen, brachte es Ortner auf den Punkt. Ohne „notwendigen Mittelzufluss“ sei die nachhaltige Aufgabenerfüllung gefährdet. Dem aktuellen Wirtschaftsbericht ist zu entnehmen, dass die Verwaltung dem angestrebten Verlustausgleich positiv gegenüber steht.

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Erst kürzlich war das Parkhaus daher wieder Thema eines Treffens zwischen Ortner und dem Rathauschef, der sich in einer Zwickmühle befindet. Denn letztlich weiß auch er, dass die Stadt selbst unter Sparzwang steht und sich Großzügigkeiten kaum erlauben kann. Nicht umsonst stärkte er in der Haushaltssitzung Elke Frieser demonstrativ den Rücken, als er betonte, die Kämmerin habe mit ihren mahnenden Worten zur Finanzsituation der Stadt „selbstverständlich recht“.

Gleichwohl ist es nach wie vor Antretters Ziel, die Gebührenstruktur für das Parkhaus „vernünftig anzupassen“ und so die Frequenz zu erhöhen. Die Besucher der Altstadt sollten das Gebäude wieder stärker als sinnvolle Alternative zum Parken im Freien begreifen, wo der Suchverkehr zugenommen hat. Die große Lösung sei nicht gefunden, räumte der Bürgermeister auf Anfrage ein. Dafür sei noch einiges aufzuarbeiten und „neues Denken“ nötig.

Schäden sind laut Ortner konstruktionsbedingt

Die Auslastung des Parkhauses und sein Defizit sind das eine, der bauliche Zustand das andere. Dieser bereitet den Verantwortlichen nicht zum ersten Mal Kopfzerbrechen. Vor Monaten schon musste eine Ausfahrt gesperrt und ein Stahlträger abgestützt werden. Auch mehrerer Parkplätze direkt darüber sind nicht nutzbar. Hauptproblem ist laut Ortner die Korrosion, die an vielen Bauteilen festzustellen ist. Rost sei, konstruktionsbedingt, ein „ewiger Begleiter“. Man solle die Schäden aber nicht dramatisieren. Eine zusätzliche Untersuchung durch ein Ingenieurbüro werde Klarheit für das weitere Vorgehen bringen.

An vielen Stellen sind Spuren von Korrosion zu sehen. Heuer sollen die Schäden wieder eingedämmt werden. Irgendwann wird am Austausch der Träger aber kein Weg vorbeiführen. - Foto: Thomas Rieke

Gerüchten, das Parkhaus sei mittelfristig nicht zu retten und müsse durch einen Neubau ersetzt werden, widerspricht Ortner entschieden. Zwar sei es richtig, dass „jeder Träger irgendwann fällig sein wird“. Aber es reiche aus, wenn man Schritt für Schritt saniere.