Neumarkter Mediziner informiert über Bluthochdruck, den „stillen Mörder“

Von Eva Gaupp · 13. Juli 2026 um 19:00

Wenn ein zu hoher Blutdruck nicht rechtzeitig erkannt wird, kann das lebensgefährlich werden. Was gar nicht so einfach ist, denn Betroffene merken es oft nicht, sagt Chefarzt Dr. Fieras Dahhan vom Klinikum Neumarkt. Er weiß jedoch, was jeder tun kann, damit es erst gar nicht so weit kommt.

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Ab wann spricht man medizinisch von Bluthochdruck?

Dr. Fieras Dahhan: Da gibt es klare Kriterien. Eine Hypertonie ist definiert ab einem Blutdruck von einem oberen Wert von 140 mmHg systolisch und einem unteren Wert von 90 mmHg diastolisch – wenn in einer Arztpraxis gemessen wird. Zuhause gelten bereits Werte ab 135/85 mmHg.

Wie oft oder über welchen Zeitraum muss dieser Wert überschritten werden?

Dahhan: Eine einzelne Messung ist noch nicht aussagekräftig. Auch dafür gibt es Vorgaben. Man sollte bei zwei Besuchen in einer Praxis jeweils zweimal messen. Zusätzlich sollte man den Blutdruck im häuslichen Bereich messen. Besonders aussagekräftig und diagnostisch sicher ist eine Langzeitblutdruckmessung über 24 Stunden.

Ein zu hoher Blutdruck kann die Nieren so schädigen, dass Betroffene an die Dialyse müssen. - Foto: Arno Burgi, dpa (Symbolbild)

Gibt es auch Richtlinien dafür, wie gemessen werden soll?

Dahhan: Wenn ein Patient in eine Praxis kommt, sollte er sich erst einmal in einem separaten Raum hinsetzen und fünf Minuten zur Ruhe kommen – in sitzender Position, beide Füße auf dem Boden, entspannte Haltung. Dann wird eine Oberarmmanschette etwa 2,5 Zentimeter oberhalb des Ellenbogens platziert. Ideal wären drei Messungen – aus den letzten beiden nimmt man den Mittelwert.

Ist es egal, ob man am rechten oder linken Arm Blutdruck misst?

Dahhan: Wenn ein Patient das erste Mal kommt, sollte man auf jeden Fall an beiden Armen messen. Der Seitenvergleich ist wichtig. Man nimmt dann die Seite mit dem höheren Druck.

Sollte man lieber mit einer Oberarmmanschette messen oder klappt es auch mit einem Gerät fürs Handgelenk?

Dahhan: Man sollte grundsätzlich auf Geräte mit einem Prüfsiegel achten. Man kann sich auch auf der Internetseite der Deutschen Hochdruckliga informieren. Die Handgelenksgeräte kann man nehmen, aber verlässlicher sind die Oberarmmanschetten.

Deshalb spricht man bei Bluthochdruck auch von „silent killer“ – dem stillen Mörder.Dr Fieras Dahhan, Chefarzt Nephrologie

Woran spüre ich, dass mein Bluthochdruck zu hoch ist?

Dahhan: Gar nicht. Das ist das Tückische. Deshalb spricht man bei Bluthochdruck auch von „silent killer“ – dem stillen Mörder. Betroffene haben sehr lange keine besonderen Beschwerden. Das können mal Kopfschmerzen sein, ein Druckgefühl auf der Brust, Schwindel, Ohrensausen oder Nasenbluten. Aber das sind sehr unspezifische Symptome. Und oft merken Patienten eben gar nichts.

Wer sein Übergewicht reduziert, kann damit auch den Blutdruck senken helfen. - Foto: Jan Woitas, dpa (Symbolbild)

Warum ist Bluthochdruck so gefährlich?

Dahhan: Es sind vor allem die Folgeerkrankungen auf lange Sicht. Die Hauptgefahren sind Herzinfarkte, Schlaganfälle. Das ganze Herz-Kreislauf-System wird in Mitleidenschaft gezogen. Es können auch Durchblutungsstörungen in den Beinen auftreten, Nierenversagen, die Netzhautgefäße können betroffen sein, so dass Sehstörungen entstehen. Bluthochdruck ist eine generalisierte Erkrankung, die im Prinzip den ganzen Körper betrifft.

Wenn man keine konkreten Symptome spürt – wie kann man dann feststellen, ob man unter Bluthochdruck leidet?

Dahhan: Ab Vollendung der Volljährigkeit sollte jeder einmal eine Basisuntersuchung machen – wenn die Werte unauffällig sind, dann sollte man sie alle fünf Jahre wiederholen. Wenn die Werte erhöht sind, sollte man sie jährlich kontrollieren lassen.

Neumarkter Chefarzt erklärt Ursachen für hohen Blutdruck

Was sind die Ursachen für hohen Blutdruck?

Dahhan: Es sind die klassischen Risikofaktoren: Übergewicht, Vorerkrankungen wie Diabetes, erhöhte Blutfettwerte, erhöhte Cholesterinwerte, Rauchen, ungesunde Ernährung mit viel Salz, hochverarbeiteten Lebensmitteln wie Tiefkühlpizza oder Fastfood, Bewegungsmangel.

Und dann gibt es Faktoren, die nicht beeinflussbar sind, wie zum Beispiel genetische Faktoren, eine familiäre Vorbelastung. Wenn der Vater und Großvater einen hohen Blutdruck oder einen Herzinfarkt hatten, dann ist mein Risiko per se erhöht – auch wenn ich auf meinen Lebensstil achte.

Bewegung und Sport sind wichtig für eine gesunde Lebensweise – das gilt auch als Vorbeugung gegen hohen Blutdruck, sagt der Neumarkter Mediziner Dr. Fieras Dahhan. - Foto: Britta Pedersen, dpa

Stress ist ebenfalls nicht gesund. Da immer mehr Menschen unter Stresssymptomen leiden – nimmt auch die Zahl der Personen mit Bluthochdruck zu?

Dahhan: Bluthochdruck ist die häufigste internistische Erkrankung überhaupt. Sie betrifft ungefähr 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Europa. Das gilt auch für Deutschland. Wir sprechen hier über Millionen von Patienten. Und natürlich spielt der Stresslevel oft eine Rolle. Das zeigt sich auch in Anamnese-Gesprächen. Stress, Schlafmangel, Bewegungsmangel – all diese Dinge, die das moderne Leben ausmachen – findet man oft bei Patienten mit Hypertonie.

Wann kommen Patienten zu Ihnen und werden im jetzt zertifizierten Zentrum behandelt?

Dahhan: Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer essentiellen oder primären sowie einer sekundären Hypertonie. Ungefähr 90 Prozent der Patienten leiden unter einer primären Hypertonie. Das sind Fälle, bei denen man keine definierte Ursache findet. Aber es gibt eben auch die etwa zehn Prozent sekundärer Hypertonieformen. Wenn die Kollegen in den Hausarztpraxen den Verdacht haben, dass eine sekundäre Hypertonie vorliegt, werden die Patienten zu uns geschickt.

Das können sehr junge Patienten mit Bluthochdruck sein. Patienten, die einen ungewöhnlichen Verlauf haben, oder Personen, die schnarchen und Atemaussetzer haben. Dann vermutet man einen konkreten Grund für den Bluthochdruck. Zu uns kommen aber auch Patienten mit Folgeerkrankungen wie einer eingeschränkten Nierenfunktion oder Herzerkrankungen.

Bei leichteren Fällen von Bluthochdruck reicht eine gesunde Lebensweise bereits aus, dass der Blutdruck einen normalen Wert annimmt.Dr. Fieras Dahhan, Facharzt für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Nephrologie (Nierenkrankheiten) und Bluthochdruck

Das heißt, bei den meisten Menschen, die unter Bluthochdruck leiden, findet man keine Ursache?

Dahhan: Ja.

Man kann also nur die Symptome behandeln und möglichst gesund leben?

Dahhan: Ja, das ist ganz wichtig. Diese Basismaßnahmen sollte man nicht unterschätzen. Zum Beispiel der Verzicht auf Rauchen oder ein normales Körpergewicht. Es gibt Untersuchungen, dass der Blutdruck ein bis zwei mmHg pro Kilogramm verlorenem Körpergewicht runtergeht. Wenn man nicht mehr als etwa fünf Gramm Kochsalz pro Tag zu sich nimmt, kann man den Blutdruck um fünf bis zehn mmHg absenken. Und wenn man Stress reduziert, kann man den Wert um bis zu 15 mmHg senken.

Das heißt, man kann durch eine gesunde Lebensweise sehr viel selbst dafür tun, den Blutdruck zu senken oder zu verhindern, dass er überhaupt gefährlich hoch steigt?

Dahhan: Ja, so ist es. Viele unserer Patienten sind unsicher und wissen das nicht. Dabei reicht bei leichteren Fällen von Bluthochdruck eine gesunde Lebensweise bereits aus, dass der Blutdruck einen normalen Wert annimmt.

Falls nicht, kommen Medikamente ins Spiel. In der Regel beginnt man mit einer Kombinationstherapie, man gibt nicht nur eine Substanz, sondern ein Kombinationspräparat.

Klinikum Neumarkt von der Deutschen Hochdruckliga zertifiziert

Müssen diese Patienten die Medikamente ihr Leben lang nehmen?

Dahhan: Ja, in der Regel schon. Aber damit kann man beeindruckende Effekte erzielen. Wenn es gelingt, den Blutdruck auf Normalwerte zu drücken, lässt sich das Risiko für Herzschwäche oder Herzinsuffizienz um 50 Prozent reduzieren, das Risiko für Schlaganfälle um 40 Prozent, für Herzinfarkte um 25 Prozent. Das sind bemerkenswerte Zahlen.

Wer sich gesund ernährt, darf gerne zu Gewürzen greifen – sollte sich aber beim Salz zurückhalten. - Foto: Christin Klose, dpa

Wie sieht eine Behandlung hier im Klinikum aus?

Dahhan: Die Patienten können erwarten, dass wir uns hier ein umfassendes Bild machen. Wir schauen nicht nur auf den Blutdruck, sondern es geht im Prinzip um das gesamte Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken. Wir sehen uns den Fettstoffwechsel, die Cholesterinwerte, den Zuckerstoffwechsel sowie die Medikation an. Wir versuchen, die Zielwerte zu erreichen. Aber von den Behandelten erreichen nur 50 Prozent die Zielwerte.

Darüber hinaus versuchen wir bei den genannten sekundären Formen, mit Spezialuntersuchungen nach den Ursachen zu forschen und dann eine Therapie zu entwickeln. So kann es zum Beispiel durch einen Tumor an der Nebenniere zu Hormonausschüttungen kommen, die den Blutdruck in die Höhe schießen lassen.

Behandeln Sie die Patienten ambulant oder stationär?

Dahhan: Wir versuchen, so viel wie möglich ambulant zu machen. Patienten mit einem unkontrollierten Bluthochdruck oder einem Notfall mit sehr hohen Werten wie 180 zu 110, die schlecht Luft bekommen oder Wassereinlagerungen in der Lunge haben, die muss man natürlich stationär behandeln. Wenn sie wieder entlassen werden, kann man Kontrolltermine im Klinikum vereinbaren, aber wir arbeiten da sehr eng mit den Hausärzten zusammen.

Es ist sicher kein Zufall, dass Sie als Nephrologe Spezialist für Bluthochdruck sind. Wo ist da der Zusammenhang?

Dahhan: Die Nieren regulieren den Salz- und Flüssigkeitshaushalt und spielen deshalb eine zentrale Rolle bei der Regulation des Blutdrucks. Eine eingeschränkte Nierenfunktion geht mit einem erhöhten Blutdruck einher. Bluthochdruck ist das Kerngebiet der Nephrologie.

Das bedeutet, ein zu hoher Blutdruck schädigt auch die Nieren?

Dahhan: Genau. Deshalb ist es so wichtig, dass man sich an die Basismaßnahmen hält, sich salzarm und gesund ernährt und sich ausreichend bewegt. So kann man beispielsweise eine Dialysepflicht oft um einige Jahre hinausschieben. Das ist Lebensqualität, aber das hat auch konkrete Folgen für unser Gesundheitssystem. Wenn man dieses Bewusstsein schärft, kann man viel bewirken.