Zwischen Technik, Hygiene und Pommes: Das sind die Menschen hinter dem Schlossbad Neumarkt

Was für ein Genuss, sich bei dieser Hitze im Freibad abzukühlen! Doch damit die Wasserqualität stimmt, die Duschen funktionieren, die Saunen sauber sind und genügend Pommes in der Gefriertruhe liegen, sind Dutzende Mitarbeiter im Neumarkter Schlossbad von früh bis spät im Einsatz. Ein Blick hinter die Kulissen.
Ihr Lachen hört man schon von Weitem: Branka Jaksic, Oksana Sorokos und Monica Nedelcu sind ein eingespieltes Team. Zwischen und in den Umkleidekabinen wirbeln die Drei mit ihren Lappen und Wischmops umher. Sieben Tage die Woche sind Reinigungskräfte in zwei Schichten im gesamten Schlossbad im Einsatz. „Wir haben viel Arbeit“, bestätigt Branka Jaksic. Allerdings hat sie schon für Sauberkeit gesorgt, als das Schlossbad eben erst fertig geworden ist. Da sei viel mehr zu tun gewesen, lacht sie. „Wir haben immer viel Spaß!“, sagt auch Monica Nadelcu. „Da geht die Arbeit viel leichter.“
Auch wenn das ganze Jahr vor der Öffnung ab 6 Uhr sowie nach den letzten Gästen bis gegen 23 Uhr die Reinigungskräfte unterwegs sind – in diesen Tagen wird jeder Quadratzentimeter des Schlossbads desinfiziert, poliert, zerlegt. Drei Wochen lang noch bis 19. Juli haben Sauna und Hallenbad wegen Revision geschlossen.
Schlossbad bildet Fachangestellte für Bäderbetriebe aus
„So ausführliche Reinigungs- und Wartungsarbeiten können wir nicht im laufenden Betrieb durchführen“, sagt der technische Leiter Thomas Blank. Drei Wochen mögen den Gästen lang vorkommen – „die Zeitspanne ist jedoch sportlich“. Während der Betrieb im Freibad ganz normal weiterläuft, werden im Hallen- und Saunabereich alle technischen Anlagen teilweise mit Unterstützung externer Firmen geprüft, gewartet, nachjustiert.

Neben der Grundreinigung aller Möbel und Flächen wird das Wasser aus allen Becken gelassen, um notwendige Reparaturen vorzunehmen und sie in verschiedenen Schritten zu säubern. „Die Mittel müssen einwirken, das allein dauert schon seine Zeit“, sagt Judith Lerzer. „Wir geben drei Wochen Vollgas.“
Neben Thomas Blank ist sie die zweite FAB-Meisterin. Fachangestellte für Bäderbetriebe bilden die Stadtwerke Neumarkt als Träger des Schlossbads selbst aus. Sie kennen sich nicht nur mit der Technik aus, prüfen die Wasserwerte sowie Hygiene im Bad, sondern behalten auch die Becken im Auge, damit nichts passiert und sind für Notfälle in Erster Hilfe geschult. „Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf“, sagt Lerzer.
Tom Winter ist ebenfalls ein Meister: Saunameister. Sein Reich ist das heiße obere Stockwerk. Als gelernter Zweiradmechaniker mit sehr viel Erfahrung als Zimmerer ist er ein idealer Mitarbeiter von Murat Erdogan. „Wir können ganz viele Arbeiten selbst erledigen“, zeigt sich der Leiter der Freizeitanlagen der Stadtwerke stolz auf sein Team. Es gebe einige Quereinsteiger, die handwerkliche Talente mitbrächten.
Tom Winter kam als Rettungsschwimmer zum Schlossbad und hat sich dann zum Saunameister weiterqualifiziert. Wer seinen Worten lauscht, erfährt sehr schnell, dass ein Aufguss sehr viel mehr ist, als ein paar Tropfen duftender Flüssigkeit auf heiße Steine. „Wir verwenden nur reine Kräuter und ätherische Öle“, sagt Winter aus Überzeugung.

Indirekte Aufgüsse zu machen, bedeutet, dass auf den heißen Steinen nur Wasser verdampft wird, um die natürlichen Aromen optimal im Raum zu verteilen. Manche fertigen Aufgüsse enthielten chemische Zusatzstoffe, die Kopfschmerzen auslösen könnten, sagt der Saunameister. Die Saunagänger wüssten dieses Konzept im Schlossbad zu schätzen, manche Stammgäste von weit her kämen teilweise genau deshalb. „Die Leute sind glücklich. Nach jedem Aufguss bedanken sie sich. In welchem Beruf bekommt man so viel Lob und Anerkennung?“
Auch Murat Erdogan weiß diesen Einsatz zu schätzen. „Alle arbeiten hier mit Leidenschaft“, sagt der Chef. Seit der 50-Jährige im Oktober 2024 die Leitung der Freizeitanlagen übernommen hat, hat er die „Du-Kultur“ eingeführt – als Zeichen dafür, dass jeder an seinem Platz wichtig ist. „Wir begegnen uns auf Augenhöhe. Das ist mir wichtig.“
Das Schlossbad ist wie ein Hotel. Man hat viel mit Gästen zu tun, bietet Dienstleistung und Service und erhält schnell Feedback.Murat Erdogan, Leiter der Freizeitanlagen der Stadtwerke und früherer Geschäftsführer eines Hotels
Vorher hat er in der Hotellerie gearbeitet, zehn Jahre lang als Geschäftsführer. Den Beruf hat Erdogan von der Pike auf gelernt und so weiß er, dass die Gäste zwar den Hoteldirektor im feinen Zwirn wahrnehmen, das Zimmermädchen aber oft übersehen. „Ich habe mir vorgenommen, das zu ändern.“ Im Grunde sei so ein Bäderbetrieb wie ein großes Hotel.

Simone Ernstberger-Warda bezeichnet er deshalb als Mitarbeiterin am Empfang. Denn die Besucher des Schlossbads sollen empfangen werden. „Hier geht es nicht nur um Tickets und eine Einlasskontrolle“, sagt Erdogan. Tatsächlich berät Simone Ernstberger-Warda die Besucher über Vergünstigungen sowie Tarife, beantwortet Mails und Anrufe und geht fast jeden Tag auf die Suche nach vergessenen Schlüsseln, Handys, Brotdosen oder Handtüchern. Als gelernte Bäckereifachverkäuferin sei die Leitung des Empfangs Neuland für sie gewesen. „Das Schöne ist, kein Tag ist wie der andere.“
4000 Badegäste, 300 Kilo Pommes und 1000 Eis
Für Manuela Hofmann ist es der erste Arbeitstag. Draußen regnet es, das Hallenbad hat geschlossen. Ein perfekter Tag, um einen ruhigen Neuanfang zu starten. Vor wenigen Tagen noch hatten ihre Kollegen am Empfang bis zu 4000 Badegäste pro Tag zu bewältigen.
„Da haben wir nur geschaut, dass die Schlage nicht länger wird“, lacht Behlul Hajdari. 300 Kilo Pommes, fast vier Fässer Bier, gut dreimal so viele nichtalkoholische Getränke sowie circa 1000 Eis gingen allein am Sonntag über den Tresen, zählt der 27-Jährige auf.









Als stellvertretender Gastro-Leiter hat er derzeit das Sagen. Und die Verantwortung. „Wir sind sehr vom Wetter abhängig. Da ist eine Planung manchmal schwierig.“ Aber mit etwas Erfahrung wisse man schon, wie viel Lebensmittel und Getränke man vorhalten müsse.
Bärbel Weihrich arbeitet eigentlich im Service, in diesen Tagen nimmt sie jedoch mit den Kolleginnen und Kollegen die Küche auseinander und schrubbt jedes Teil. Weil es bereits ihre vierte Revision ist, hatte sie sich im Vorfeld mit Behlul Hajdari zusammengesetzt, um für das Team einen konkreten Putzplan auszuarbeiten. Wie viele Lager, Regale, Schränke und Geräte sich hinter der Gastrotheke verbergen, ahnt der Gast nicht.
Für Thomas Blank bedeuten die drei Wochen Revision Stress pur. Seit 30 Jahren arbeitet er bereits bei den Stadtwerken – erst im Freibad, jetzt im Schlossbad. Treppauf, treppab flitzt er zwischen Staubsaugern, Wischeimern, Schläuchen und anderen Mitarbeitern umher. Zwischen den Sätzen hat er kaum Zeit zum Luftholen. Lohn für die Mühen sind die Gäste, die bis aus Regensburg und dem Raum Nürnberg/Fürth nach Neumarkt kommen. „Was wir hier zu bieten haben, ist etwas Besonderes.“