Nach Sperrmüll-Chaos: Landkreis Schwandorf zieht Konsequenzen – Bürger müssen sich umstellen

Nach der letzten Sperrmüllsammlung im Frühjahr 2025 hatten Müllberge vielerorts im Landkreis Schwandorf für Ärger gesorgt. Von der Aktion ausgenommener Unrat war tagelang am Straßenrand liegengeblieben. Nach der Aktion waren sich Kreisräte und Landkreisverwaltung einig: So kann es nicht weitergehen. Jetzt hat der Ausschuss beschlossen, welchen Weg man in Zukunft einschlagen will.
Es war ein Ärgernis für Landkreisverwaltung, Entsorgungsunternehmen, Recyclinghöfe und Bürger: Verstreuter Müll am Straßenrand, darunter Farbeimer, Reifen, Elektrogeräte oder Altkleider, hatten nach der Sperrmüllsammlung im vergangenen Frühjahr für ein chaotisches Bild gesorgt – in Schwandorf und auch anderswo im Landkreis. Zudem war die Aktion vereinzelt auch für ganze Haushaltsauflösungen missbraucht worden. Am Ende musste der in den Straßen verbliebene ausrangierte Unrat von den kommunalen Bauhöfen entsorgt werden.
Die unschöne Seite der Sperrmüllsammlung war daher bereits im vergangenen Oktober ein Thema im Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz, Touristik, Sport und Kultur (KUTA). Damals wurde die Verwaltung beauftragt, mögliche Varianten für eine Sperrmüllsammlung im Holsystem zu erarbeiten und dem Ausschuss zur Entscheidung vorzulegen.
23 Recyclinghöfe nehmen im Landkreis Schwandorf Sperrmüll an
In der Sitzung des KUTA-Ausschusses am Montag unter dem Vorsitz von Landrat Thomas Ebeling (CSU) galt es nun, eine Entscheidung darüber zu treffen, wie mit der Sperrmüll-Problematik künftig umgegangen werden soll. Im Detail stellte die Verwaltung ein gebührenpflichtiges Abholsystem nach vorheriger Anmeldung vor.
Wie Irene Schiml, Leiterin des Fachbereichs Kommunale Abfallwirtschaft, vor dem Gremium ausführte, gibt es für die Landkreisbewohner auch noch andere Möglichkeiten, ihren sperrigen Unrat loszuwerden. Demnach können Bürger an den 23 Recyclinghöfen im Landkreis Schwandorf kostenlos Sperrmüll bis zu einer Menge von 0,5 m3 täglich anliefern. An den Recyclinghöfen werden laut Sitzungsunterlagen durchschnittlich jährlich rund 3200 Tonnen Sperrmüll angenommen, dessen Entsorgung beim ZMS auf der Grundlage des Entsorgungsentgelts bis 2025 den Gebührenhaushalt mit rund 457.000 Euro jährlich belastet.
Schwandorfer produzieren mehr Sperrmüll als der Durchschnitt
Die Sitzungsunterlagen lieferten darüber hinaus interessante Details zum Sperrmüllaufkommen bei den Landkreisbewohnern: Laut einer Auswertung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt für das Jahr 2024 betrug das Pro-Kopf-Aufkommen von Sperrmüll in Bayern 16,7 Kilogramm pro Einwohner, in der Oberpfalz waren es 14,4 Kilogramm. Im Kreis Schwandorf lag die Zahl deutlich darüber: Ganze 23,0 Kilogramm pro Einwohner Sperrmüll fielen hier 2024 an.
Und dieser Müll muss auch entsorgt werden. Daher galt es zu entscheiden, ob der Landkreis ergänzend zu den kostenfreien Abgabemöglichkeiten an den Recyclinghöfen überhaupt eine Abholung von Sperrmüll anbieten will. Denn, wie in der Beschlussvorlage aufgeführt war, haben die Bürger darüber hinaus auch noch die Möglichkeit, ihren Sperrmüll direkt beim ZMS in Schwandorf anzuliefern oder einen gewerblichen Entsorger zu beauftragen – für beide Möglichkeiten fallen jedoch Kosten an.
Franz Schindler: Wohltaten abzuschaffen, ist schwierig
Der langjährige SPD-Kreisrat Franz Schindler erinnerte im Ausschuss daran, wie die Sperrmüllsammlung vor vielen Jahren im Landkreis eingeführt wurde. Pro- und Contra-Diskussionen hätten den ganzen Landkreis bewegt, erklärte er. Damals habe es jedoch noch nicht so viele Recyclinghöfe wie heute gegeben, gab Schindler zu bedenken. Unterschiedliche System brächten jeweils Vor- und Nachteile mit sich. Einer dieser Nachteile habe sich nach der vergangenen Sammlung gezeigt. „Es ist aber immer schlecht, eine Wohltat abzuschaffen“, so der SPD-Mann. Seine Fraktion könne sich dem Vorschlag, einer Abholung nach Anmeldung daher auch annähern, meinte Schindler.
Ähnlich sahen es auch die anderen Fraktionen. So sprach sich beispielsweise Kreisrat Max Beer im Namen der CSU-Fraktion für eine Abholung auf Abruf aus. Der Abholservice werde somit grundsätzlich beibehalten, erfolge jedoch zielorientiert statt im Gießkannenprinzip, so Beer.
Der Ausschuss sprach sich schließlich einstimmig für eine Einführung einer Sperrmüllsammlung auf Abruf aus. Dazu soll die Verwaltung nun entsprechend ausschreiben. Eingeholt werden nun Angebote für eine Abholung auf Abruf, einmal im Jahr, bei einer Menge von 5 m3. Welche Gebühr letztendlich von den Bürgern verlangt wird, das soll entschieden werden, wenn die Kosten absehbar sind.
Weitere Themen aus dem KUTA-Ausschuss:
Batterieentsorgung: Der Landkreis ist verpflichtet, eine unentgeltliche Annahmemöglichkeit für Gerätebatterien sowie Batterien für leichte Verkehrsmittel (LV-Batterien) einzurichten. Wie nun einstimmig beschlossen wurde, soll dazu eine Vereinbarung mit den drei Entsorgungsunternehmen Hofmann, Lober und Veolia über die Einrichtung und den Betrieb von Annahmestellen für lose Batterien/Akkus aus privaten Haushalten geschlossen werden. Im Haushalt 2026 fallen laut Sitzungsunterlagen dafür noch überplanmäßige Ausgaben in Höhe von 78.000 Euro an.
Lernende Region Schwandorf: Den Verein gibt es seit fast 25 Jahren. In dieser Zeit wurden eine Bildungsmesse geschaffen sowie eine Vereinsschule und Freiwilligenagentur etabliert. Wie nun einstimmig beschlossen wurde, übernimmt der Landkreis ab 2027 die Personalkosten (1,5 Vollzeitstellen) der Lernenden Region Schwandorf (ausgenommen ist das Personal des neuen Technikerlebniszentrums).
Sing- und Musikschule Pfreimd: Einstimmig bewilligt wurde eine finanzielle Unterstützung der Einrichtung in Höhe von rund 11.800 Euro. Entsprechende Mittel sind im Haushalt bereits eingestellt.