OB Andreas Feller im Interview: „Fußgängerzone in Schwandorf ist nicht entscheidungsreif“

Von Hubert Heinzl · 6. Juli 2026 um 19:00

H&M, Hunkemöller, Haushaltswaren Schreiner, Denim Lounge und zuletzt noch Leder-Streck: Die Liste der Geschäftsaufgaben in der Schwandorfer Innenstadt ist in den vergangenen Wochen und Monaten immer länger geworden. Und nicht immer gelingt es, eine Nachfolgelösung zu finden. Was also tun gegen Leerstände und für eine Belebung zwischen Markt- und Wendelinplatz? Die MZ befragte OB Andreas Feller (BLS).

Wie dramatisch ist die aktuelle Lage in der Schwandorfer Innenstadt, auch im Vergleich zu anderen Städten?

Andreas Feller: Die Situation in unserer Innenstadt ist herausfordernd. Aber sie ist, wie ich auch bereits in der Vergangenheit immer wieder gesagt habe, keineswegs ein reines Schwandorfer Phänomen. Städte und Gemeinden im ganzen Land stehen derzeit vor denselben Herausforderungen. Der Einzelhandel befindet sich in einem dramatischen Umbruch: Der Onlinehandel wächst, hohe Mieten setzen viele Betriebe unter Druck, Fachpersonal fehlt; und immer häufiger finden Gewerbetreibende keine Nachfolge. Natürlich schmerzt jede einzelne Geschäftsaufgabe. Jeder Leerstand tut weh und trifft unsere Innenstadt. Umso wichtiger ist es, dass wir an diesem Thema dranbleiben.

Was ist aus Ihrer Sicht möglich und erforderlich, um Leerstände wieder zu beseitigen und die Innenstadt zu beleben?

Feller: Entscheidend ist, dass wir den bestehenden und neuen Gewerbetreibenden eine echte Zukunftsperspektive in der Innenstadt bieten. Am Ende sind es die Kundinnen und Kunden, die darüber entscheiden, ob sich ein Geschäft dauerhaft halten kann. Deshalb müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass die Innenstadt attraktiv und lebendig bleibt. Die Stadt unterstützt diesen Prozess durch ein proaktives Stadtmanagement und die Wirtschaftsförderung.

Wir nehmen Interessenten dabei gezielt an die Hand und stellen auch den Kontakt zu Eigentümerinnen und Eigentümern her, um Leerstände wiederzubeleben. Darüber hinaus gibt es verschiedene Programme und Fördermöglichkeiten, die Eigentümer bei Sanierung und Modernisierung unterstützen können. Auch Zwischennutzungen können ein sinnvoller Baustein sein, um Leerstände temporär mit Leben zu füllen.

Muss die Stabsstelle Wirtschaftsförderung dafür personell aufgestockt werden?

Feller: Nein, aus derzeitiger Sicht ist eine personelle Aufstockung der Stabsstelle Wirtschaftsförderung nicht notwendig.

Nach einem Beschluss des Schwandorfer Verkehrsausschusses von 2023 wurden alle Entscheidungen zum Thema Fußgängerzone wegen des Baus der Naabbrücken wieder aufgehoben. Wann ist das Thema entscheidungsreif und rückt wieder auf die Tagesordnung?

Feller: Auch hier hat sich meine Haltung nicht geändert: Ich glaube, dass wir bei diesem Thema einen neuen Ansatz brauchen. Die Frage ist nicht nur, ob die Friedrich-Ebert-Straße für den Durchgangsverkehr geöffnet oder gesperrt wird. Wir müssen uns zuerst darüber verständigen, wie unsere Innenstadt künftig insgesamt funktionieren soll. Dazu gehören Auto-, Fahrrad- und Fußverkehr gleichermaßen. Diesen Prozess müssen wir gemeinsam mit allen Beteiligten und auch mit den Bürgerinnen und Bürgern führen. Erst wenn wir darüber Klarheit haben, ist das Thema für mich wieder entscheidungsreif.