Er soll ehemaliges Paar stundenlang in Nabburg gequält haben – Mann schweigt vor Gericht

Von Vanessa Ebert · 3. Juli 2026 um 15:44

Schreckliche Szenen spielten sich im vergangenem Oktober in Nabburg im Landkreis Schwandorf ab. Ein 26-jähriger soll damals seinen Vater und dessen Ex-Freundin mehrere Stunden in einer Wohnung festgehalten und bedroht haben. Jetzt wurde der Prozess gegen den Deutsch-Thailänder eröffnet. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Wäre dem Vater nicht die Flucht gelungen und hätte die Polizei nicht eingegriffen, wäre das ehemalige Paar heute nicht mehr am Leben.

Video ansehen

Die Anklageschrift, die Staatsanwältin Jennifer Jäger am Freitag im Landgericht Amberg verlas, hätte ein Drehbuch für einen Horrorfilm sein können. Im weißen Hemd verfolgte der Angeklagte, dem unter anderem versuchter Totschlag vorgeworfen wird, konzentriert die Ausführungen. Demnach soll der 26-jährige Deutsch-Thailänder, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, seinen Vater und dessen ehemalige Lebensgefährtin vergangenen Herbst über Stunden hinweg drangsaliert und in Angst und Schrecken versetzt haben.

Das Unglück bahnte sich dabei schon am Tag zuvor an, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Da soll der Mann seinem Vater zunächst eine Tasse an den Kopf geschlagen und ihm so eine blutende Schnittwunde zugefügt haben. Am Tag danach habe es an gleichem Ort – in der Nabburger Wohnung der Ex-Lebensgefährtin des Vaters – zur Aussprache kommen sollen. Stattdessen eskalierte die Situation vollständig.

Kurz nach der Tat im Oktober 2025: Hinter diesen Gardinen soll sich das Schreckensszenario abgespielt haben. - Foto: Martin Kellermeier, Archiv

Staatsanwaltschaft: Opfer mussten Crystal Meth schnupfen

Der Mann soll seinen 55-jährigen Vater im Verlauf des Gesprächs unvermittelt geschlagen, den Fernseher von der Wand gerissen und randaliert haben. Dabei soll er ausgesprochen haben, dass der Vater spüren solle, wie es sei, wenn man sich nicht wehren könne – laut Staatsanwaltschaft wollte der Angeklagte darauf anspielen, dass er als Kind geschlagen worden sei.

Mit einem Messer soll der 26-Jährige das ehemalige Paar gezwungen haben, Crystal Meth zu schnupfen. Aber auch danach endete der Horror nicht: Mit einer Wassersprudler-Kartusche wollte der Mann laut Anklageschrift seinem Vater „die Beine brechen“. Später habe der Deutsch-Thailänder seinem Vater befohlen, sich mit einem Messer selbst umzubringen – andernfalls würde er ihm einen Finger abschneiden. Lebend würde der Vater die Wohnung nicht mehr verlassen, soll der Angeklagte gedroht haben.

Angeklagte wollte offenbar Geld für neues Handy

Auch die Konto-PIN soll der Mann von seinem Vater gefordert haben. Er wolle sich ein neues Handy für 1700 Euro kaufen, soll der 26-Jährige erklärt haben. Als der Vater ihm die PIN nicht sagen wollte, habe er zu einer Geflügelschere gegriffen und gedroht, ihm den Finger abzuschneiden. Laut Staatsanwaltschaft konnte der Vater seinen Sohn aber davon überzeugen, dass er ihm die PIN verraten würde, sobald sich dieser beruhigt habe. Dazu sollte es aber nicht kommen.

Stattdessen eskalierte die Gewalt offenbar weiter. Der Mann soll seinen Vater gezwungen haben, seine Ex-Freundin mit einer Flasche Reinigungsalkohol zu übergießen. Dabei soll der Angeklagte gesagt haben, er wolle die Frau anzünden, weil sie eine Hexe sei. Wie es in der Anklageschrift heißt, sei der Bedrohte dem nur zögerlich nachgekommen, woraufhin der Sohn die Flasche selbst über Haare, Kopf und Oberkörper der Frau gegossen habe. Mit einem Feuerzeug habe er versucht, die 54-Jährige anzuzünden, so die Staatsanwaltschaft. Mehrere Feuerzeuge soll er ausprobiert haben, aber eine Flamme sei nicht zustande gekommen.

Opfer rettete sich mit Sprung aus dem Fenster

In einem Moment der Ablenkung schaffte es der Vater schließlich, über das Schlafzimmerfenster zu flüchten – er sprang aus dem ersten Stock ins Freie. Im Oktober 2025 hatte diese Situation auch ein Augenzeuge gegenüber der MZ geschildert. „Der Mann rief nach Hilfe und der Polizei. Und er schrie, dass sie umgebracht werden sollen“, so berichtete der Zeuge damals, der im weiteren Verlauf des Prozesses noch gehört werden soll.

Kurz vor Mitternacht traf die Polizei ein und nahm den Mann fest. Dieser begleitete die Beamten zwar aus der Wohnung heraus ins Freie, beschimpfte, bespuckte, bedrohte die Polizisten aber und trat nach ihnen. Gegen die Blutentnahme sträubte er sich laut Anklageschrift mit aller Kraft – nur mit Fesseln und übergezogener Spuckhaube sei diese letztendlich möglich gewesen. Die Auswertung zeigte schließlich: Der Angeklagte hatte zur Tatzeit Kokain, Crystal Meth und Amphetamin im Blut.

Am Freitag wurde nun der Vater, der laut Staatsanwaltschaft Schürfwunden und Blutergüsse durch die Tat erlitten hat, von Richter Dr. Stefan Täschner in den Zeugenstand gerufen. Der 55-Jährige machte jedoch von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und sagte nicht gegen den eigenen Sohn aus. Die Verhandlung verfolgte er im Anschluss aus dem Zuhörerbereich des Gerichtssaals. Auch vom Angeklagten selbst war nichts zu erfahren. „Er wird heute nicht aussagen“, erklärte dessen Verteidiger Dr. Gunther Haberl. Die Frau, die laut Staatsanwaltschaft eine Hautunterblutung und einen Rippenbruch davontrug, soll am Montag vor Gericht gehört werden, ebenso wie weitere Zeugen.