Container in Schwandorf aufgebrochen: Täter aus NRW schlug schon einmal im Landkreis zu

Von Mittelbayerische Zeitung · 30. Juni 2026 um 05:00

Eine aufgehebelte Tür, eine geplünderte und ins Gebüsch geworfene Geldkassette sowie ein auf der Wiese entsorgter Tresor: Spuren der Verwüstung fand eine Verkaufskraft vor, als sie im Mai 2025 ihren Dienst in einem Bürocontainer im Schwandorfer Stadtgebiet beginnen wollte. Nun musste sich ein 47-Jähriger mit Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen vor Gericht verantworten. Es war nicht die erste Straftat des Mannes im Landkreis Schwandorf.

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Diebstahl und Sachbeschädigung warf die Staatsanwaltschaft dem 47-jährigen Kosovaren bei der Verhandlung vor dem Schwandorfer Amtsgericht am Montag vor. Mit mehreren Hebelversuchen habe der Angeklagte die Stahltür des Verkaufscontainers für KFZ-Schilder in der Schwandorfer Schwimmbadstraße aufgehebelt und eine Geldkassette sowie einen Möbeltresor mitgenommen. Dabei habe er Bargeld in Höhe von rund 850 Euro erbeutet und einen Sachschaden von rund 400 Euro verursacht, soweit die Anklageschrift.

Der Vorsitzenden Richterin Kathrin Heitzer lagen Bilder vom Tatort vor – diese zeigten das gewaltsam geöffnete Schloss, durchwühlte Schränke, verstreute Papiere. Auf den Fotos waren auch Geldkassette und Möbeltresor zu sehen – entsorgt in einer nahegelegenen Wiese. „Als ich gesehen habe, dass die Tür offen steht, habe ich sofort die Polizei gerufen“, erinnerte sich die Mitarbeiterin, die als Zeugin geladen war, an ihren Arbeitsbeginn an jenem Tag im Frühjahr 2025. Prompt landete die Spurensicherung einen „Exakttreffer“, wie es der damals zuständige Polizist formulierte. Auf einer Ledertasche sei die DNA des Angeklagten sichergestellt worden. Ein Abgleich mit der Datenbank habe zum Angeklagten geführt, so der Beamte.

Süchtig sei er seit 15 Jahren, schilderte der Angeklagte

Auch wenn der Mann die Tat vor Gericht sofort einräumte – zu seinem Vorgehen konnte er kaum Angaben machen. „Wenn ich etwas geraucht habe, fehlen Erinnerungen“, erklärte er. Seit rund 15 Jahren konsumiere er Crack und Kokain, schilderte der Mann gegenüber Richterin Kathrin Heitzer. Mit dem Geld habe er Drogen kaufen wollen. Nun stehe er jedoch kurz davor, eine stationäre Therapie in einer Einrichtung in Nordrhein-Westfalen anzutreten. Vorbereitende Gespräche dazu habe er bereits geführt, so der 47-Jährige. „Ich verliere sonst mein Familie“, sagte der arbeitslose Mann. Inwieweit äußere Einflüsse zu dieser Einsicht beigetragen haben, weiß wohl nur der Angeklagte selbst. Denn wie sein Verteidiger, Dr. Gunther Haberl, im späteren Verlauf der Verhandlung offen auf den Tisch legte, läuft derzeit ein weiteres Verfahren gegen den 47-Jährigen, dabei geht es ebenfalls um Diebstahl. Wie deutlich wurde, war auch hier eine Therapie bereits Thema.

Doch zunächst ging es darum, unter welchen Umständen der Mann mit Wohnsitz im Ruhrgebiet nach Schwandorf gekommen war. Er habe Familie in Regenburg besucht, lieferte dieser die Erklärung. Die Große Kreisstadt kenne er zudem von früher, hier habe er bereits gearbeitet. Die Verbindung zum Landkreis sollte im Verlauf der Verhandlung nochmals deutlich werden, nämlich als es um das Vorstrafenregister des Mannes ging.

Langes Vorstrafenregister offenbart Vorgeschichte

Die Verlesung dessen erwies sich vor Gericht als längeres Unterfangen. Zwölf Vorstrafen finden sich darin bereits. Unterschiedliche Delikte nannte Richterin Heitzer dabei: Mehrere Fälle von Diebstahl sind aktenkundig, auch wurde der Mann immer wieder ohne Fahrerlaubnis am Steuer erwischt. Verhandelt wurden die Fälle an unterschiedlichen Gerichten in Nordbayern und auch im Ruhrgebiet. Besonders pikant: Auch „versuchter schwerer Bandendiebstahl“ stand auf der Liste. Ins Visier genommen hatte der Angeklagte mit seinen Mittätern damals – im Jahr 2011 – auch einen Lebensmittelmarkt in Maxhütte-Haidhof.

Nun wolle er endgültig aufhören mit den Drogen, versicherte der Angeklagte. „Warum kommt diese Erleuchtung nach 13 Eintragungen?“ wollte Richterin Heitzer wissen. Er sei bereits auf einem guten Weg gewesen, erklärte der Mann. Sogar einen kleinen Betrieb habe er zwischenzeitlich selbständig geführt, doch Corona habe die Firma in die Insolvenz gezwungen, erzählte der 47-Jährige. Daraufhin sei er in eine Depression gerutscht und habe verstärkt Drogen konsumiert.

In der Haft nichts gelernt?

Staatsanwalt Räthe wollte hier an keine günstige Sozialprognose glauben. „Ein bunter Blumenstrauß an Taten“ sei es schließlich, die der Mann bereits begangen hatte. Dessen Verteidiger Gunther Haberl ging dagegen unter anderem auf die unstrukturierte Vorgehensweise des Mannes ein, die einen Beschaffungsdruck widerspiegele. Richterin Heitzer resümierte am Ende an den Angeklagten gewandt: „Sie waren bereits in Haft und haben nichts gelernt.“ Die hohe Rückfallgeschwindigkeit ließ auch in ihren Augen keine günstige Prognose zu. Der 47-Jährige wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Die Strafe wird nicht zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil ist rechtskräftig.