Der nächste Händler verlässt die Innenstadt in Schwandorf: Leder-Streck macht dicht

Von Hubert Heinzl · 28. Juni 2026 um 19:00

Mit viel Elan war Christian Göttlinger, Inhaber von Leder-Streck an der Friedrich-Ebert-Straße 15, mit seiner neuen Filiale in Schwandorf gestartet. Nach etwas mehr als drei Jahren kommt jedoch schon das Aus für den Laden im denkmalgeschützten Hierl-Haus. Am Dienstag, 30. Juni, startet hier der Räumungsverkauf. Für die Schließung gibt es gute Gründe – am Standort Innenstadt liegt es nicht.

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Im März 2023 hatte Christian Göttlinger (52) die siebte Filiale von Leder-Streck an der Friedrich-Ebert-Straße 15 eröffnet. Der Standort im historischen Hierl-Haus hat Tradition. Schon Henry Popp verkaufte in dem aufwendig sanierten Anwesen Koffer und Rucksäcke, Gürtel oder Geldbörsen, bevor er sich ein paar Häuser weiter ansiedelte. Später füllte das Schwandorfer Tascheneck am Eingang zum Marktplatz die Lücke, und nachdem dessen Inhaberin Sieglinde Scheurer aus Altersgründen geschlossen hatte, siedelte sich Leder-Streck in der Schwandorfer Innenstadt an.

Für den Standort hatte sich Göttlinger nach eigenen Worten „wegen der zentralen Lage“ entschieden – und auch deshalb, weil das Objekt „sehr gut und sauber hergerichtet“ sei. Eigentümer Alfred Popp, der hier in den beiden Obergeschossen sein Architekturbüro betreibt, hatte das Anwesen zuvor aufwendig saniert. Und im Erdgeschoss durften nun die Kunden auf rund 140 Quadratmetern unter gotischen Kreuzgewölben shoppen. Im März 2023 war die Eröffnung.

Ich bin immer gerne in Schwandorf gewesen. Auch wenn der Branchen-Mix nicht mehr so ist, wie er einmal war: Das Umfeld ist immer noch positiv.Christian Göttlinger, Einzelhändler

Gut drei Jahre später hat sich an Göttlingers Ansicht über den Standort nichts geändert. „Ich bin immer gerne in Schwandorf gewesen“, sagt der 52-Jährige, der regelmäßig auch in seiner Filiale an der Friedrich-Ebert-Straße hinter der Ladentheke stand. Auch wenn der Branchen-Mix in der Innenstadt nach Einschätzung des Händlers „inzwischen nicht mehr so ist, wie er einmal war“, sei das Umfeld „immer noch positiv“.

Und ein großes Lob hat Göttlinger für Stadtmarketing-Aktionen wie das „Mondschein-Shopping“ parat, die immer wieder für Kundenfrequenz sorgten. Sein Fazit: Trotz der bundesweiten Kaufzurückhaltung und Verunsicherung der Kunden seien die Umsätze solide geblieben – vor allem in den Segmenten Reise und Schule. Ein eigener Online-Shop flankierte den stationären Handel noch zusätzlich.

Inhaber Christian Göttlinger muss auf seine Gesundheit achten

Dass das Lederwaren-Geschäft dennoch schließt, liegt also nicht am Standort Innenstadt. Sonst hätte Göttlinger auch nicht Ware bis in den September geordert, wie er erzählt. Seine Entscheidung sei „nicht geplant“ gewesen, versichert er und nennt ausschließlich gesundheitliche Gründe für die Schließung, die sich erst im vergangenen Jahr abgezeichnet hätten. „Ich werde auf jeden Fall kürzer treten müssen“, sagt der 52-Jährige. Wie es um seine weiteren sechs Filialen bestellt ist – die nächste in Regensburg – ist nach den Worten des Einzelhändlers noch unklar.

Fest steht: Am Dienstag, 30. Juni, beginnt bei Leder-Streck an der Friedrich-Ebert-Straße 15 der Räumungsverkauf. Rund zwei Monate, schätzt Göttlinger, wird es dann noch Koffer, Ledertaschen, Schulranzen oder Regenschirme zu verbilligten Preisen geben. Dann gehen endgültig die Lichter aus. Offen ist, wie es mit den vier Teilzeitkräften weiter geht (Streck: „Ein gut funktionierendes Team“), ebenso, wie eine Nachfolgenutzung im Hierl-Anwesen aussehen könnte. Wie Hauseigentümer Alfred Popp auf Anfrage erklärte, gebe es momentan „noch keine konkreten Planungen“.

Kahlschlag in der Schwandorfer Innenstadt geht weiter

Für die Schwandorfer Innenstadt ist Göttlingers Geschäftsaufgabe ein weiterer herber Schlag. Sie reiht sich ein in eine ganze Serie von Schließungen zwischen Markt- und Wendelinplatz. Wie berichtet, machten hier in den vergangenen Wochen und Monaten etliche Einzelhändler dicht – von Marken wie H&M, Gerry Weber oder Hunkemöller bis hin zu inhabergeführten Geschäften wie Haushaltswaren Schreiner oder der Denim Lounge. Nachfolgelösungen gibt es teilweise, aber nicht immer auch auf Dauer.