Schwandorf verliert das nächste Traditionsgeschäft: Haushaltswaren Schreiner schließt

Eines der ältesten und bekanntesten Geschäfte in Schwandorf wird bald Geschichte sein. In den kommenden Tagen startet bei Haushaltswaren Schreiner in der Friedrich-Ebert-Straße der Räumungsverkauf. Zum Jahresende ist dann Schluss – aus zwei Gründen, wie die Inhaberin erzählt.
Man merkt Marie-Luise Thammer im Gespräch an, dass ihr der Schritt keinesfalls leicht fällt. „Ich darf eigentlich gar nicht dran denken“, sagt sie immer wieder. Und dabei sammeln sich Tränen in ihren Augen. Dann atmet die Schwandorferin tief durch und schafft es so, trotz der mitschwingenden Emotionalität stets sachlich zu bleiben.
Schon seit zwei Jahren spielt sie mit dem Gedanken, ihr Geschäft aufzugeben. Das liegt vor allem an zwei unvermeidlichen Dingen. Thammer hat mittlerweile das Rentenalter erreicht, und ihre einzige Tochter, die in Österreich lebt, kommt als Nachfolgerin nicht in Frage. Weil sich auch so kein Interessent herauskristallisiert hat, ist die Entscheidung nun unumgänglich. „Wir schließen zum Jahresende“, sagt Thammer.
Vorbereitungen für Räumungsverkauf laufen
Die ersten Hinweisschilder wurden bereits an den Schaufenstern angebracht. Am 7. und 8. Oktober ist das Geschäft geschlossen, denn da laufen die Vorbereitungen für den großen Räumungsverkauf. Ab Donnerstag und bis zum 31. Dezember heißt es dann: Alles muss raus. Und was weg ist, ist weg.
Das war mein Leben.
Marie-Luise Thammer, Inhaberin
Für Thammer ist es noch ein absolut surreales Gefühl, diesen Schritt nun wirklich zu gehen. Sie ist im Geschäft und der Wohnung darüber aufgewachsen. „Das war mein Leben“, sagt Thammer, die den Familienbetrieb mittlerweile in der fünften Generation führt.
Seit sage und schreibe 167 Jahren gehört der Laden zum Schwandorfer Stadtbild. Der Grundstein wurde 1858 gelegt, als der Glaser- und Zinngießermeister Anton Bauriedl den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hatte. Er hatte in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße ein Haus gekauft und dort eine Zinngießerei- und Glasereiwerkstatt eingerichtet.
Sortiment wurde immer größer
Die älteren Kunden dürften sich auch noch an Karl Schreiner und Betty Harvolk erinnern, die 1932 das Geschäft übernommen hatten. Und sicherlich sind auch noch Antonie und Josef Liebl im Gedächtnis geblieben, die das Familienunternehmen 1965 in der vierten Generation fortgeführt hatten. Seit 1979 arbeitet Marie-Luise Thammer im Geschäft mit. 1988 hat sie schließlich die alleinige Leitung übernommen.
Unter ihrer Führung wurden die Verkaufsräume umgestaltet, modernisiert und das Sortiment erweitert. Dieses reicht mittlerweile von Küchenutensilien über Gewürze, Liköre oder Einkaufskörbe bis hin zu Dekoartikeln.
Drei Angestellte und die Chefin persönlich stehen heute beim Einkauf beratend zur Seite. Viele der Kolleginnen sind bei Haushaltswaren Schreiner seit Jahrzehnten beschäftigt. „Wir sind wie eine Familie“, sagt Thammer.
Das Schreinerhaus ist bereits verkauft
Ähnlich treu sei auch der Kundenstamm, der laut der Inhaberin schätzt, dass man neben dem Einkauf eben auch mal über private Dinge plaudern kann. Und so hat sich das Geschäft über all die Jahre trotz wachsender Online-Konkurrenz behaupten können. Rein wirtschaftlich hätte der Laden auch weiterhin bestand gehabt, versichert die Chefin.
Doch man könne eben nichts tun, wenn nun mal ein Nachfolger fehlt. „Mir tut es echt leid, dass ich der Stadt Schwandorf einen weiteren prominenten Leerstand hinterlasse“, sagt Thammer mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen in der Innenstadt: Das ehemalige Café Schuierer, das frühere H&M-Gebäude oder der frühere Standort des Modegeschäfts „Sadlite“ am Marktplatz – die Liste der leerstehenden Gebäude in bester Lage ließe sich fortführen.

Immerhin steht bereits fest, dass es für das Schreinerhaus eine Nachfolgenutzung geben wird. Das große Gebäude zwischen Gerry Weber und dem ehemaligen Tascheneck hat Thammer mittlerweile an einen privaten Investor verkauft. Was dieser genau vorhabe, wisse sie aber nicht.
Auch, wie es für die Inhaberin privat weitergeht, steht noch in den Sternen. „Ich bin grundsätzlich nicht der Typ, der in Rente geht“, sagt Thammer. Sie habe noch jede Menge Energie und könne sich nicht einfach im Nichtstun üben. „Also werde ich mir etwas suchen, wo ich mich einbringen kann.“