Kreispolitik packt Schulprojekte in Abensberg und Riedenburg an - und sucht Sparpotenzial

Mehr als 83 Millionen Euro will der Landkreis Kelheim in den nächsten Jahren in Sanierung und Erweiterung seiner Realschulen Riedenburg und Abensberg investieren. Die kostenträchtigen Pläne regten den Kreisausschuss an, nach Sparmöglichkeiten suchen. Landrat Nerb überraschte mit Alternativvorschlägen.
Die Johann-Turmair-Realschule in Abensberg soll generalsaniert, erweitert und für die Ganztags-Beschulung fit gemacht werden; die Johann-Simon-Mayr-Realschule in Riedenburg bekommt einen Erweiterungsbau. Barrierefreiheit gehört jeweils dazu. Beide Projekte wurden schon in der vorigen Kreistags-Periode beschlossen. Die neugewählten Mandatsträger gaben nun grünes Licht für die nächsten Schritte – die Planung wird allerdings aus Kostengründen etwas abgespeckt.
Der Planer beider Projekte, der Kelheimer Architekt Norbert Raith, stellte die Vorentwürfe vor, samt grober Schätzung der Kosten, die im Idealfall gut zur Hälfte der Freistaat übernimmt. Auf rund 16,5 Millionen Euro Gesamtkosten ist Riedenburg veranschlagt; Abensberg auf rund 66,5 Mio. Euro – respektive 86 Mio., wenn man eine jährliche fünfprozentige Preissteigerung einkalkuliert. Nun soll bei beiden Vorhaben geprüft werden, ob eine modulare Bauweise möglich und kostengünstiger wäre.
Der Landrat und frühere Saaler Bürgermeister Christian Nerb (Freie Wähler) regte dies an: An der Saaler Schule seien damit hochwertige Räume entstanden, von „Containern“ könne keine Rede mehr sein.
Das stieß auf Zustimmung. Skepsis erntete er mit einem weitreichenden Vorschlag für die Abensberger Realschule.
„Ich möchte prüfen, ob ein Neubau auf der ,grünen Wiese‘ möglich wäre“, kündigte der Freie Wähler-Landrat an: Eine neue Schule wäre maßgeschneidert, lasse sich in sechs, sieben Jahren errichten; und den Abbruchkosten für die alten Gebäude stünden Vermarktungserlöse für das dann freigewordene Bauland gegenüber.
Neubau-Idee: Lob und Kritik
„Unbedingt prüfen!“, forderte Dr. Andreas Fischer (SLU). Auch Christian Hanika (FW) und Peter-Michael Schmalz (ÖDP) zeigten sich aufgeschlossen. „Ein Neubau würde sehr sportlich“, warnte Dr. Benedikt Grünewald (CSU). Kreiskämmerer Reinhard Schmidbauer wurde deutlicher.
Die Generalsanierung sei auf mehrere Bauabschnitte bis mindestens 2035 gestreckt. Da schlage zwar die Baukosten-Steigerung zu, aber das Projekt sei halbwegs finanzierbar. Für einen Neubau müsste der Kreis binnen weniger Jahre eine Riesensumme investieren: „Da erschlägt uns die Finanzierung!“ warnte Schmidbauer. Generell könne der Kreis solche Großprojekte nur per Kredit stemmen; der Schuldendienst wirke sich dann automatisch auf die Kreisumlage aus, antwortete Schmidbauer auf eine Frage von Eva Buchner (AfD).
Architekt Raith warnte, bei einem Neubau an anderer Stelle müsste man auch die Turnhallen und die Lehrschwimmhalle neu errichten, ebenso die Schulbus-Infrastruktur. Er kam auf grob geschätzte 85,5 Mio. Euro für den Neubau; respektive 120 bis 130 Millionen bei eingerechneter Preissteigerung. Und Baubeginn sei „nicht vor 2029 oder 2030“, wegen der nötigen Bauleitplanung vorab.
Berechtigte Einwände, gestand Nerb zu; ein Neubau stehe und falle aber sowieso mit der Grundstücksfrage. Er kündigte an, bis Herbst nach einem geeigneten Areal, beispielsweise in der Umgebung des BBW, Ausschau zu halten. Im September müssen dann Förderanträge für beide Schulprojekte gestellt werden. (Über das Riedenburger Vorhaben berichten wir gesondert!)
Abensberg: Vier Bauabschnitte geplant
Bleibt die Abensberger Realschule am jetzigen Standort, wird dort in Bauabschnitt eins der Innenhof des Hauptgebäudes aufgestockt, vor allem für die Ganztagsschule sowie für Klassenzimmer und „Lernlandschaften“. Hier scheidet eine Modulbauweise aus. Möglich wäre diese in Abschnitt zwei:
Dabei wird der 2024 in Betrieb genommene Modulbau südöstlich vom Hauptgebäude mit zwei neuen Geschossen überbaut; er wird nach Osten, auf dem jetzigen Allwetterplatz, um die künftige Heizzentrale des Gesamtkomplexes verlängert und erhält zudem in rechtem Winkel, nach Süden hin, einen neuen Schenkel. Der dabei entstehende Eckpunkt dockt dann auch ans Hauptgebäude an.
In Abschnitt drei und vier wird dann das Hauptgebäude innen generalsaniert. Der vorgelagerte sogenannte Südbau hat sich wirtschaftlich als unsanierbar erwiesen: Er wird nochmal „aufgehübscht“ für die Bauzeit, danach aber abgerissen.
Weniger „Marktplätze“
„Inhaltlich“ basieren die Planungen auf dem Raumprogramm für eine 6,5-zügige Realschule und dem pädagogischen Konzept der Schulleitung. Bei den „offenen Lernlandschaften“ setzte der Kreisausschuss aber den Rotstift an. Das sind Bereiche („Marktplätze“), in denen Schüler selbständig arbeiten und lernen können.
Die sechs geplanten kosten rund vier Millionen Euro bzw. 2,1 Mio. an kreis-eigenen Mitteln. Sie würden sich allerdings bei Bedarf auch zu Klassenzimmern umwidmen lassen; damit würde statt der (eigentlich erforderlichen) siebenzügigen eine 6,5-zügige Planung ermöglichen, argumentierte Landrat Nerb. In der Form wurde das vorgelegte Raumprogramm dennoch mit 6:7 abgelehnt.
Denn mit Blick auf die Finanznot der Gemeinden forderten Thomas Krebs (SPD) und weitere Kreisräte, zu „sparen, wo es geht“. Auf Antrag von Benedikt Grünewald wurden deshalb drei der sechs „Marktplätze“ aus dem Raumprogramm gestrichen. Bei Bedarf lasse sich das während der langjährigen Bauzeit immer noch revidieren, und auch ein Aufstocken von 6,5- auf sieben-zügig sei nachträglich möglich, hieß es ergänzend.
Realschule Abensberg: Vom Erfolg überrollt
Ursprung: Die Abensberger Realschule ist Jahrgang 1964/65. Weitgehend von damals stammt noch die Gebäudetechnik. 1966/1980 wurde der „Südbau“ dazugebaut.
Platznot: Die Schule ist vierzügig genehmigt, hat aber seit Jahren zwischen fünf und sieben Eingangsklassen – und chronische Platznot. 2024 ging daher ein Modulbau mit fünf Klassräumen in Betrieb.