Grundsteinlegung am Galgenberg: Regensburger Süden bekommt bezahlbare Wohnungen

In der Otto-Hahn-Straße baut die Immobilien Zentrum Unternehmensgruppe geförderte Wohnungen für Senioren und Familien. Lofts für internationale Fachleute, die nur kurz bleiben, entstehen im Erdgeschoss des langgezogenen Baus. IZ-Gründer Thomas Dietlmeier beobachtet ein Umdenken in der Stadt und bei der Regensburger Verwaltung.
Bei der Grundsteinlegung der Immobilien Zentrum Unternehmensgruppe (IZ) am Freitag können die Gäste von oben in die Baustelle blicken. Die Bodenplatte zeigt, wie lang der fünfstöckige Bau wird. Mehr als 6800 Quadratmeter wird die Geschossfläche umfassen. In den oberen Etagen entstehen geförderte Zwei- bis Vierzimmerwohnungen mit rund 60 bis über 100 Quadratmetern. Das Erdgeschoss nutzt Bauherr IZ für 24 Lofts, die als Tiny Houses (Minihäuser) konzipiert sind und temporäres Wohnen für höchstens sechs Monate erlauben.
Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger versenkt die Zeitkapsel in einem Stahlgeflecht des Gebäudes. Sie wird einbetoniert, soll spätere Generationen an unsere Epoche erinnern und enthält etwa einen Multifunktionsstift, der schreibt, schraubt, digital misst und wiegt - Symbol für die Verknüpfung von Handwerk und Digitalisierung.
Ich habe den Eindruck, dass die letzten Monate ein Ruck durch Regensburg geht.Thomas Dietlmeier, Gründer des IZ
Ungewöhnliche Worte sind bei der Feier in der Otto-Hahn-Straße zu hören. IZ-Gründer Thomas Dietlmeier eilt als letzter Redner zum Mikrofon. Er muss etwas loswerden: „Ich habe den Eindruck, dass die letzten Monate ein Ruck durch Regensburg geht.“ In der Stadt bewege sich etwas. „Ich stelle einen Paradigmenwechsel fest, auch in Ihrer Verwaltung, Herr Oberbürgermeister“, sagt er in Richtung von Thomas Burger. „Ich bin mehr als positiv gestimmt.“
Minihäuser im Erdgeschoss für internationale Fachleute
Oliver Seidel vom Sachgebiet Wohnungswesen der Regierung der Oberpfalz erinnert, dass die Bayerische Verfassung Wohnen zum Grundrecht erklärt: Jeder habe Anspruch auf eine angemessene Wohnung. 2024 hat Seidel in Regensburg 108 geförderte Wohnungen bewilligt, darunter die 52 des IZ. Regensburg dürfe mit seinen Mieten nicht „abdriften in eine Stadt der Besserverdienenden“. Mit 17 Millionen Euro fördert der Freistaat die 52 Wohnungen im Projekt Vivo 3, wie das IZ es nennt. Insgesamt beträgt die Investitionssumme rund 30 Millionen Euro. Die Wohnungen müssen 55 Jahre lang preiswert vermietet werden. „Wir sind dankbar für jeden Partner, der bezahlbaren Wohnraum umsetzt für die, die sonst auf der Strecke bleiben würden“, sagt Sachgebietsleiter Seidel.
IZ-Vorstand Simon Denker dankt dem Freistaat und der Regierung der Oberpfalz, die das Projekt durch die Förderzusage aus dem Jahr 2024 maßgeblich unterstützt hätten. Denker sagt, gerade Senioren verdienten besondere Aufmerksamkeit. „Diese Generation ist für unseren Wohlstand mitverantwortlich.“ Auch Alleinerziehende sollten die Möglichkeit haben, modern und bezahlbar zu wohnen. Das IZ baut seit 2012 geförderten Wohnraum. Für die Lofts, ein Boardinghouse, gibt es bisher noch keinen Betreiber. Zur Zielgruppe zählen Beschäftigte internationaler Unternehmen, die sich nur zeitweise in Regensburg aufhalten.
OB: „Zu lange Wartezeiten auf geförderte Wohnungen“
Der Holzhybridbau ist klar strukturiert. Er kombiniert eine verputzte Erdgeschossfassade mit großen Glasflächen sowie eine attraktive Holzfassade in den Obergeschossen. Bis zu einer Höhe von fünf Metern wird die Fassade begrünt. Die bauliche Umsetzung erfolgt im KfW-40-Standard. Die Energieversorgung wird über ein Nahwärmenetz sichergestellt. Auch eine hauseigene Photovoltaikanlage wird installiert. Damit erfüllt das Bauvorhaben hohe Anforderungen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Die Fertigstellung ist für März 2028 geplant.
„Man würde auch selbst gerne hier wohnen“, sagt OB Thomas Burger. Die Lage im Grünen, die hervorragende Anbindung und die Nähe zum Jahnstadion sprächen dafür. Er lobt das Angebot für Ältere. Für sie sei es schwierig, eine attraktive Wohnung zu finden, wenn das bisherige Zuhause nach Auszug der Kinder zu groß wird.
Wir haben zu lange Wartezeiten auf geförderte WohnungenOberbürgermeister Dr. Thomas Burger
„Wir haben zu lange Wartezeiten auf geförderte Wohnungen“, räumt Burger ein. Das zeigten die mehr als 2000 Haushalte auf der Warteliste der Stadtbau. „Wohnen muss man sich leisten können, weil es ein Grundbedürfnis ist.“ Die Stadt versuche, das Baulandmodell weiterzuentwickeln für preisgedämpften Wohnraum mit einer Miete von 15 Euro pro Quadratmeter.
„Wir schauen mit einem viel zu kritischen Blick auf unsere Umwelt“, stellt Holger Neumann vom Generalunternehmer Goldbeck fest. „Aber ich meine, uns gelingen sehr viele Projekte.“ Die Firma zieht auch das Parkhaus beim Alten Eisstadion hoch. In der Otto-Hahn-Straße baut sie seriell und verwendet vorgefertigte Bauteile, wo es möglich ist.
76 Wohneinheiten
Bauvorhaben: Südlich der Otto-Hahn-Straße entstehen 52 öffentlich geförderte Wohnungen. Im Erdgeschoss des langgezogenen Holzhybridbaus sind 24 Lofts geplant, die temporäres Wohnen für bis zu sechs Monate ermöglichen.
Mieter: Einziehen werden Haushalte mit kleinem Budget: Senioren, Alleinerziehende, Familien.