Anwohner entsetzt über geplante Wohnblocks im Regensburger Süden: Ist hier ein Biotop gefährdet?

Eine Bundesbehörde plant Wohnblocks in der ohnehin dicht bebauten Otto-Hahn-Straße in Regensburg – Für die Tiefgarage soll wertvolles Grün weichen. Bei einer Infoveranstaltung kochten die Emotionen hoch.
In dem ruhigen Teil der Otto-Hahn-Straße im Stadtsüden liegen vier Wohnblocks an einer Grünanlage mit altem Baumbestand. Mieterinnen trinken Kaffee auf ihren Balkonen. Anwohner haben sich auf Bänken niedergelassen. Die Spielgeräte sind verwaist – vielleicht weil ein kühler Wind weht. Das Areal ist eine der grünen Lungen des Viertels. Doch wegen eines Wohnbauvorhabens soll ein Teil davon weichen. Das bringt die Anwohner auf die Palme. Sie wehren sich gegen die Bebauung, für die alte Bäumen geopfert würden.
Am letzten Mittwoch hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ihre Pläne bei einer Informationsveranstaltung im Quartier vorgestellt. Eine Teilnehmerin berichtet von einer angespannten Stimmung. „Es wurde laut, es wurde gestritten.“ Besucher hätten die Veranstaltung wütend verlassen. Der Grund: eine geplante große Tiefgarage, die weit in das parkähnliche Grün hineinreichen soll. Das heißt, dort müsste abgeholzt werden.
Wieso ist ein Biotop schützenswert und das andere nicht? Die Planung basiert ausschließlich auf wirtschaftlichen Gründen.Eine Anwohnerin der Altbebauung in der Otto-Hahn-Straße
Die BImA plant an der Otto-Hahn-Straße zwei Gebäude mit insgesamt rund 60 Wohnungen. Die Bagger sollen ab Anfang 2027 rollen. Gegen Haus 2 im Osten, das auf einer versiegelten Fläche entstehen soll, wo bisher Garagen stehen, haben die Anwohner nichts. Die Garagen werden zurzeit abgerissen. Dort wird auf eine Tiefgarage verzichtet. Gegen den Wohnblock 1 im Norden aber laufen sie wegen der geplanten Tiefgarage Sturm.
Ihre Neubauten im Viertel hat die Behörde verkauft
Kein Anwohner will seinen Namen in der Zeitung lesen, weil fast alle in den älteren Wohnblocks in der Otto-Hahn-Straße leben, deren Vermieter die BImA ist. Sie befürchten Probleme. Unter der Hand kritisieren sie die Bundesbehörde auch als Vermieter. Standardmäßige Sanierungsarbeiten würden verweigert, WGs regelrecht vertrieben, indem keine Hauptmieterwechsel mehr zulässig seien. Die Fassadendämmung sei mangelhaft saniert worden. Gelbes Wasser komme zum Teil aus den Rohren. Eine Anwohnerin sagte: „Es wurden Legionellen festgestellt, weil die BImA zig Wohnungen jahrelang hat leerstehen lassen.“ Die Mieter prangern an, dass die Bundesanstalt ihre Neubauten im Viertel verkauft habe. Jetzt werde argumentiert, dass nachverdichtet werden muss. „Aber dass sogar der wertvolle Baumbestand abgeholzt werden soll für maximal 30 Wohnungen im Haus 1, das ist zu viel“, heißt es. Die BImA-Pläne sind in den Augen der Anwohner nicht innovativ und umweltbewusst, sondern rein wirtschaftlich. Die Tiefgarage zerstöre ein eingetragenes Biotop.
„Noch ist nichts genehmigt“, betont Raimund Schoberer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. Die „ausufernde Tiefgarage, die in Biotopstrukturen eingreift und für die alte Bäume gefällt werden müssen“, sieht er extrem kritisch. Er spricht von einem Planungs- und Prüfungsdefizit.
Ein Bauantrag liegt noch nicht vor. Daher kann die Stadt Fragen zum konkreten Bauvorhaben aktuell nicht beantworten.Katrin Butz, Stadtsprecherin
Die BImA, zentrales Immobilienunternehmen des Bundes, verteidigt das Vorhaben. Sprecherin Christiane Worring sagt: „Die frühzeitige Beteiligung des Umweltamtes ergab, dass eine Tiefgarage an der Ostseite des Baugrundstücks aufgrund des dort bestehenden Biotops nicht genehmigt werden kann.“
Um dieses zu erhalten und den Eingriff so gering wie möglich zu halten, sei die Tiefgarage daher im Norden positioniert worden, „sodass keine Biotopflächen beeinträchtigt werden“. Fällungen kleinerer Bäume würden durch Ersatzpflanzungen ausgeglichen, wiegelt die Sprecherin ab.
270 Bundesbeamte suchen Wohnung in Regensburg
Eine Verlegung der Bebauung weiter nach Norden sei nicht möglich, da im dortigen Abschnitt der Otto-Hahn-Straße ein neuer Mischwasserkanal der Stadt verläuft.
„In den vergangenen Jahren wurden alle notwendigen Untersuchungen und Gutachten durchgeführt; die Lage der beiden geplanten Gebäude wurde eng mit der Stadtplanung abgestimmt“, betont Worring. Der BImA in Regensburg liegt ein gemeldeter Wohnungsbedarf von rund 270 Bundesbediensteten vor – von der Bundeswehr, der Bundespolizei, vom Zoll und Technischen Hilfswerk. Sie sollen zum Teil in den Neubauten unterkommen.
Die Kritik am Umgang mit den bisherigen Mietern weist Worring zurück. Die BImA habe erst vor Kurzem die Erneuerung der Trinkwasserleitungen und Trinkwasserstationen abgeschlossen und dabei intensiv mit einer Fachfirma zusammengearbeitet. „Über die Maßnahmen wurde das Gesundheitsamt Regensburg regelmäßig informiert. Als zusätzliche Schutzmaßnahme hat die BImA allen Mietparteien einen Duschkopf mit Legionellen-Filter zur Verfügung gestellt.“ Die Anlage ist voll vermietet; freiwerdende Wohnungen würden innerhalb kurzer Zeit vergeben.

Stadtsprecherin Katrin Butz sagt, die BImA habe verschiedene Varianten der Nachverdichtung vorgestellt. Ein Bauantrag liegt noch nicht vor. „Daher kann die Stadt Fragen zum Bauvorhaben aktuell nicht beantworten.“
Zur Forderung der Bürger, dass die Nachverdichtung gestoppt oder anwohnerverträglich und ökologisch angepasst werden solle, sagt Butz: „Nachverdichtungen schaffen Wohnraum, der in einer wachsenden Stadt wie Regensburg dringend benötigt wird.“ Natürlich gälten auch dafür die Regeln des Baurechts, um sicherzustellen, dass Nachbarn und Umwelt nicht über Gebühr belastet würden.