Zu teuer zum Leben? In Regensburg bleibt Normalverdienern nur wenig übrig

Von Marion Koller · 12. Mai 2026 um 05:00

Regensburger können sich weniger leisten als die Mehrheit der Deutschen – Schuld sind die hohen Wohnkosten. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Die Domstadt erreicht nur Platz 285 unter 400 deutschen Städten und Landkreisen. Der neue OB Dr. Thomas Burger macht bezahlbares Wohnen zur Chefsache.

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Bei Rankings erreicht das erfolgsverwöhnte Regensburg meist Spitzenplätze. Doch bei einer neuen Kaufkraft-Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) landet die Oberpfalzmetropole auf einem enttäuschenden 285. Platz unter 400 deutschen kreisfreien Städten und Landkreisen. In der Domstadt liegt das preisbereinigte Pro-Kopf-Einkommen bei 27 500 Euro.

Den Regensburgern bleibt weniger Geld zur freien Verfügung als den Menschen im Großteil der anderen Kommunen. „Ein Grund dafür sind die extrem hohen Wohnkosten, die die eigentlich guten Gehälter weitgehend neutralisieren“, sagt IW-Ökonom Christoph Schröder. Sogar die Münchner mit ihren ausufernden Wohnkosten haben wegen überdurchschnittlicher Verdienste mehr in der Tasche (Platz 69). Aber insgesamt macht die Miete den großen Unterschied, sagen die Forscher. Deshalb ergibt sich ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Viele Landkreise in Bayern haben gut abgeschnitten.

Der neue OB macht das Wohnen zur Chefsache

„Wer gleichwertigere Lebensverhältnisse schaffen will, muss vor allem den Wohnungsbau in den Städten voranbringen“, sagt Studienautor Schröder. Gleichzeitig zeige sich, dass das Leben außerhalb der Großstädte finanziell durchaus attraktiv sei. „Damit sich mehr Menschen für ein Leben fern der großen Städte gewinnen lassen, müsste das Umland aber besser angebunden werden.“ Der Landkreis Regensburg übrigens hat sich besser positioniert als die Stadt: auf Rang 108 mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 30 261 Euro.

Dr. Thomas Burger - Foto: Tino Lex

OB Dr. Thomas Burger (SPD) macht das Wohnen zur Chefsache. Bezahlbarer Wohnraum soll höchste Priorität haben. Dafür wurde im Koalitionsvertrag eine Reihe von Maßnahmen festgezurrt. „Wir werden unsere Wohnungsbaugesellschaft Stadtbau weiter stärken, besonders indem wir sie mit Grundstücken ausstatten.“ Burger und seine bunte Koalition wollen damit langfristig bezahlbaren Wohnraum in öffentlicher Hand sichern.

Gleichzeitig haben sie vor, den privaten Wohnungsbau durch strategischen Erwerb sowie Entwicklung und verstärkte Vergabe städtischer Grundstücke im Erbbaurecht zu fördern. Besonderes Augenmerk legt die neue Stadtregierung auf Baugenossenschaften, Bauherrengemeinschaften und innovative Wohnformen. Auch dafür wird die Stadt Grundstücke bereitstellen. Die Bebauung auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne, die im August 2025 startete, will die Koalition aus SPD, Grünen, Brücke, Freien Wählern, ÖDP und Volt zügig umsetzen – zunächst die ersten 600 Wohnungen.

„Besonders führen wir die Planungen zum Rahmenplan Regensburg Nord konsequent weiter“, sagt Burger. Damit meint er ein Wohngebiet für mehrere tausend Menschen auf einer Fläche von 150 Fußballfeldern zwischen Wutzlhofen, Konradsiedlung und Haslbach.

Thomas Thurow - Foto: Ried

„Das Baulandmodell zur Sicherung einkommensorientiert geförderten und preisgedämpften Wohnraums wird die Stadt fortführen“, verspricht er – nicht nur für den Fall ausfallender öffentlicher Fördermittel. Der Bauturbo soll evaluiert werden. Bei Bedarf wird nachgesteuert. Eine Aussage wird Investoren besonders freuen: Die Koalition hat vor, die Schaffung von Baurecht zu beschleunigen.

Nach dem Urteil Burgers spiegelt die Studie wider, dass Regensburg höchst attraktiv als Stadt und Wirtschaftsstandort ist. „Deshalb wollen viele Menschen und Betriebe bei uns sein und deshalb ist der Wohnraum knapp.“

Mehr Wohnraum könne gefördert werden

Der designierte Sozialbürgermeister Thomas Thurow (Brücke) sagt, dass die IW-Untersuchung nüchtern beschreibt, was viele Menschen in Regensburg konkret erleben: Die Stadt sei stark, aber das Leben hier teuer. Das teure Wohnen sei „eine soziale Frage, die Familien, Alleinerziehende, Rentner, Studierende und Beschäftigte mit normalen Einkommen gleichermaßen betrifft“. Das gehe auch aus dem Armutsbericht hervor, den Thurow als wichtiges Instrument sieht. Er verweist ebenfalls auf den Koalitionsvertrag.

„Die Stadt kann Mieten nicht allein und schon gar nicht von heute auf morgen senken.“ Aber sie könne ihren Spielraum nutzen — mit aktiver Bodenpolitik, mehr gefördertem Wohnraum, Schutz bestehenden Wohnraums und sozialer Unterstützung für Menschen, die unter Druck stehen.

Viele Daten fließen zusammen

Einkommen und Preise: Wer viel verdient, hat trotzdem nicht unbedingt die besten finanziellen Mittel - das zeigt die Auswertung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln vom April. Es hat alle kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland untersucht und ein Kaufkraft-Ranking erstellt. Wie viel sich jeder und jede leisten kann, hängt auch davon ab, wie teuer Lebensmittel, Mieten und Sonstiges am Wohnort sind.

Spitzenreiter: Das ist Heilbronn (preisbereinigtes Pro-Kopf-Einkommen 39 424 Euro); Zweiter ist der bayerische Landkreis Starnberg (39 224 Euro). Auswertungsbasis ist eine Datensammlung zu Preisen in den 400 Kommunen, die die Forscher mit Einkommensdaten des Statistischen Bundesamts verknüpfen. Beide beruhen auf Daten von 2023, weil es für Einkommen keine aktuelleren Zahlen gibt.

Preisbereinigtes Einkommen: Das ist das verfügbare Einkommen, das um regionale Preisunterschiede oder Inflation korrigiert wurde, um die wirkliche Kaufkraft darzustellen.