Wichtiges Ranking: Regensburg zählt weiterhin zu den stärksten Standorten

Regensburg ist weit vorne beim bundesweiten Wirtschaftsranking des IW Köln – Aber die Dynamik verlangsamt sich. Chef-Wirtschaftsförderer Toni Lautenschläger verweist auf die starke, produktionsorientierte Wirtschaft mit hoher Wertschöpfung, das sehr gute Bildungs- und Freizeitangebot und das hohe Steueraufkommen. Stadtrat und Wirtschaftsprüfer Thomas Zeilhofer sieht bei der Dynamik eine „besorgniserregende Verschlechterung“.
Hohe Steuerkraft, viele junge, hochqualifizierte Arbeitnehmer und weiterhin eine Zuwanderung von 25- bis 30-Jährigen: Die Stadt ist nach wie vor sehr erfolgreich. Die wirtschaftliche Dynamik aber hat nachgelassen. Das zeigt das Regionalranking des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom Mai. Beim Status quo hat Regensburg den Top-Rang 25 unter rund 400 Städten und Landkreisen in Deutschland erreicht. Dunkelblau ist die Stadt auf der Landkarte markiert und zählt damit zu den Spitzenregionen.
„Der 25. Platz von Regensburg macht deutlich, dass die Stadt zu den stärksten Wirtschaftsstandorten in Deutschland zählt und das zwischenzeitlich schon viele Jahre“, betont Toni Lautenschläger, Leiter des Amts für Wirtschaft und Wissenschaft. „Das Feld der Spitzenstandorte wird jedoch enger und der Wettbewerb nimmt zu.“ Trotzdem zeige sich der Standort sehr stabil. Insgesamt punkte die Stadt durch eine starke, produktionsorientierte Wirtschaft mit hoher Wertschöpfung, einem sehr guten Bildungs- und Freizeitangebot und einem hohen Steueraufkommen, das Regensburg handlungsfähig mache. „Dies ist bei Weitem nicht überall so“, sagt Lautenschläger.
Viele junge Leute ziehen zu, die Ärztedichte ist hoch
Bei der Dynamik lässt der Schwung nach. Hier erreicht Regensburg nur Platz 239. Die Stadt strahlt auf der Deutschlandkarte gelb und gehört damit zur mittleren Gruppe. Bei der Dynamik steht fast ganz Deutschland schlecht da: Nur 28 Kommunen sind als dunkelblau und damit spitze zu erkennen. „Dass wir bei der Dynamik eher im Mittelfeld landen, ist gut nachvollziehbar“, sagt Chef-Wirtschaftsförderer Toni Lautenschläger. Die Dynamik beschreibt die Entwicklung der letzten Jahre. Hier seien Standorte mit bereits hoher Stärkebewertung meist nicht ganz oben. „Es ist einfacher, bei erfolgreicher Arbeit nach oben zu kommen und aufwendiger, dort zu bleiben.“, betont Lautenschläger. Die Konjunktur und die internationalen Verwerfungen verstärkten diesen Effekt besonders für international und auf Export ausgerichtete Standorte wie Regensburg.

Der derzeitige Erfolgswert (Niveauranking) basiert auf guten Wirtschaftsdaten wie einer überdurchschnittlichen städtischen Steuerkraft, 1882 Euro je Einwohner, einem positiven Saldo von 1,5 aus Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen je 1000 Einwohner und einem Anteil von mehr als 41 Prozent sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen. Auch der Altersquotient, das Verhältnis der 20- bis unter 60-jährigen zu den ab 60-jährigen Arbeitnehmern trägt zur guten Bewertung bei. Mit fast 26 Prozent liegt der Anteil der hochqualifizierten Beschäftigten, die einen Hochschul- oder Universitätsabschluss absolviert haben, über dem Mittelwert aller Kommunen.
Dass je 1000 Einwohner jährlich fast 32 mehr junge Leute im Alter von 25 bis 30 Jahren zuwandern als wegziehen, zählt beim Punkt Lebensqualität. Genauso die hohe Ärztedichte von 332 je 100 000 Einwohner.
Beim Dynamikranking, das sich auf die Entwicklung der letzten Jahre bezieht, gibt es dagegen schlechte Noten für die städtische Steuerkraft, da sie zwischen 2022 und 2024 um 74 Euro pro Einwohner gesunken ist. Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die wissensintensive Dienstleistungen bieten, hat zwischen 2023 und 2025 nur um 0,6 Prozentpunkte zugelegt.
Immer mehr Privathaushalte ächzen unter Schuldenlast
Beim Thema Lebensqualität wirkt sich private Überschuldung negativ aus, die zwischen 2023 und 2025 um 0,5 Prozentpunkte gestiegen ist. Auch dass die Zahl der Baugenehmigungen um drei je 1000 Wohnungen zwischen 2022 und 2024 nachgegeben hat, fließt in die Bewertung ein. Positiv wirkt sich der starke Rückgang der Straftaten zwischen 2023 und 2025 um 1363 je 100 000 Einwohner aus.

Thomas Zeilhofer hat bisher die Interessen der Wirtschaft als Vorsitzender der Regensburger Mittelstandsunion vertreten. Ab sofort wird er das als CSU- Stadtrat machen. Zeilhofer sagt, bei der Dynamik habe sich die Stadt gegenüber dem letzten Vergleich 2024 von Rang 14 auf 239 „besorgniserregend verschlechtert“. Drei Maßnahmen schlägt er vor, um diese Entwicklung zu stoppen: Die Stadt müsse verstärkt in die schulische und berufliche Bildung investieren, aktuell in die schnelle Umsetzung von Sanierung oder Neubau der kaufmännischen Berufsschule III.
Die erfolgreichen Aktivitäten für den Wissenstransfer von den Hochschulen in Unternehmensgründungen sowie die Kooperation von Forschung und regionalen Unternehmen über den Biopark, die TechBase und spezialisierte Netzwerke seien zwingend zu erweitern. Wirtschaftsprüfer Zeilhofer fordert kreative Lösungen für das Einwerben von privaten Mitteln aus der Industrie oder Stiftungsinitiativen. „Die bestmögliche Infrastruktur – Verkehr, Digitalisierung, Wohnen, Gewerbeflächen – ist für die Ansiedlung mittelständischer Unternehmer und Handwerker bereitzustellen.“ Hier brauche es Aktivitäten, um Jobs, die derzeit in der Industrie abgebaut werden, anderweitig zu schaffen. „Eigentlich eine banale Forderung, aber wichtig für eine verbesserte dynamische Wirtschaftsentwicklung.“
Die Schlusslichter holen auf
Das Ranking: Für das IW-Regionalranking untersucht die IW Consult alle zwei Jahre 400 Landkreise und Städte anhand von Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität. Das Niveauranking zeigt, wo die Lage aktuell am besten ist. Das Dynamikranking misst, welche Regionen sich in den vergangenen zwei Jahren am stärksten verbessert haben. Die Bewertung basiert auf 55 Einzelthemen, von der Gewerbeanmeldung über kommunale Steuerkraft, Altersquotient und Wanderungssaldo bis zur Ärztedichte.
Die Sieger: Beim Niveauranking, also dem Ist-Zustand, liegen Landkreis (erster Platz) und Stadt München (zweiter Platz) an der Spitze. Überhaupt punkten vor allem die Städte und Kreise in Deutschlands Süden. Das Dynamikranking sieht anders aus. Hier holen Kommunen wie Cottbus (Platz 1), der Kreis Tirschenreuth (3) oder Köln (5) auf.