Ein kleiner Ort feiert ganz groß: Hofenstetten bei Neunburg wird 700

Von Jan Lange · 19. Juni 2026 um 05:00

Einen 700. Geburtstag feiert man nicht alle Tage. Deshalb wollen die Hofenstettener ihr Ortsjubiläum besonders begehen. Seit Monaten bereiten sie das zweitägige Fest am 11. und 12. Juli schon vor. Und auch ein Buch über den Neunburger Ortsteil ist dabei entstanden.

Im Jahr 1326 wurde Hofenstetten erstmals urkundlich erwähnt. Die Originalurkunde wird im Staatsarchiv in München aufbewahrt. Auch im neuen Buch „700 Jahre Hofenstetten“ wird dieses besondere Dokument abgedruckt sein. Die Idee zu dem Buch hatten die drei Hofenstettener Johann Mensch, Andreas Eichinger und Thomas Scherr. „Wir wollten eigentlich nur einen reinen Bildband mit Fotos von den Häusern in Hofenstetten machen“, erzählt Eichinger. Doch schnell wurde das Projekt zu etwas Größerem. Zu jedem abgebildeten Haus musste es auch eine kurze Erklärung geben. Und mit vielen Anwesen war zudem eine kleine Geschichte verbunden, die ebenfalls nicht vergessen werden durfte.

Auch in Staatsarchiven in Amberg und München recherchiert

So gingen die Initiatoren ans Recherchieren. Die Kirchenbücher der Pfarrei Fuhrn, zu der Hofenstetten gehört, waren eine gute Quelle. Sie gingen immerhin bis ins Jahr 1696 zurück. Um noch tiefer in die Geschichte des kleinen Ortes einzutauchen, holten sich die Initiatoren auch Informationen aus den Staatsarchiven in Amberg und München. Natürlich konnten auch die Dorfbewohner viele Details aus den privaten Archiven beisteuern.

Im September 2025 fingen sie mit der Arbeit am Buch an und haben „ganz schön rangeklotzt“, wie Andreas Eichinger meint. Denn pünktlich zum Jubiläum im Juli soll das Buch in gedruckter Form vorliegen. Am Ende ist es ein 180-seitiges Werk geworden, in dem neben zahlreichen Fotos auch eine Geschichte von der Erstnennung zu finden ist. Zudem gibt es einen Artikel über die Zeit vor der urkundlichen Ersterwähnung. Denn bekannt ist: Hofenstetten ist deutlich älter als 700 Jahre.

Bei der Erschließung des neuen Baugebietes Am Ausee wurden wieder Fundamente von früheren Anwesen gefunden, die 100 bis 200 Jahre älter sind als die Ersterwähnung. Da schon zuvor bekannt war, dass es auf dem Gebiet von Hofenstetten zahlreiche Bodendenkmäler gibt, wurden die archäologischen Grabungen veranlasst, weiß Andreas Eichinger. In der Vergangenheit gab es bereits 3500 Jahre alte archäologische Funde.

Der Braunkohletagebau war nur wenige Kilometer von der Ortsgrenze von Hofenstetten entfernt. Die ehemalige Grube ist heute der Ausee. - Foto: Eichinger

Auch das Thema Braunkohlenindustrie kommt im Buch zur Sprache, denn sie ist eng mit Hofenstetten verknüpft. Die Hofenstettener konnten früher in den Tagebau schauen, den es wenige Kilometer von der Ortsgrenze entfernt gab. Später beschäftigten auch die geplante Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) für Atommüll und der engagierte Protest dagegen den Ort. Eichinger, der schon immer in Hofenstetten zuhause war, weiß aus Erzählungen, wie der kleine Neunburger Ortsteil seinerzeit abgeriegelt war.

Aber die Hofenstettener konnten natürlich auch schon früher ausgelassenen feiern. Viele Jahre kamen sie beispielsweise in die Hirschberg-Tanztenne beim Wirtshaus von Familie Obendorfer, die weit über die Ortsgrenze hinaus bekannt gewesen sei, meint Eichinger. Später gab es dort die CD-Diskothek und schließlich das Megadrom, das 2005 abgebrannt war.

Überall, wo Hilfe gebraucht wird, werden wir tatkräftig unterstützt.Andreas Eichinger, einer der Organisator des Jubiläumsfestes von Hofenstetten

An diese Diskotheken-Vergangenheit soll nicht nur im Buch erinnert werden. Das Jubiläumsfest wird am Samstag, 11. Juli, mit einer Disco Revival Plattenparty eröffnet. Am Folgetag gibt es dann unter anderem einen Festgottesdienst und einen Familiennachmittag mit Bilder-Show, Kinderprogramm, Musik vom Quetschnblech und einen Kirwatanz.

Die Kirche und der Dorfweiher um 1960 - Foto: Eichinger, Archiv

Der Zusammenhalt im Ort sei schon immer gut gewesen, sagt Eichinger. In großer Gemeinschaft werden Dorffeste oder Kirwa gefeiert. Auch einen eigenen Christkindlmarkt stellen die Hofenstettener auf die Beine. „Jedes Jahr sind wir auch sehr stark beim Stadtball in Neunburg vertreten“, berichtet Eichinger. Trotzdem gab es im Vorfeld des Ortsjubiläum auch Bedenken, ob man ein großes Fest stemmen könne.

Die Zweifel seien schnell verflogen gewesen, denn jeder in Hofenstetten sei Feuer und Flamme gewesen, so Eichinger. Etwa 60 bis 70 Dorfbewohner sind in das Jubiläum eingebunden, sie unterstützen beim Aufbau oder beim Ausschenken. Das ist umso beeindruckender, weil Hofenstetten nur etwa 130 Einwohner hat. „Überall, wo Hilfe gebraucht wird, werden wir tatkräftig unterstützt“, freut sich Eichinger. Und sei es nur, eine Wiese als Parkplatz für die Besucher bereitzustellen. Denn die Hofenstettener wollen diesmal nicht nur unter sich bleiben, sondern hoffen auf viele Gäste aus Nah und Fern.

Ein großer Granitstein von Birkenhof-Baustelle wird zum Gedenkstein umgenutzt

Das wird auch am Buch „700 Jahre Hofenstetten“ deutlich, von dem immerhin 500 Exemplare gedruckt werden sollen. Andreas Eichinger und seine Mitstreiter hoffen, dass auch ehemalige Hofenstettener und Auswärtige sich für die Geschichten und Fotos interessieren. Während des Jubiläumsfestes soll das Buch verkauft werden, wie Eichinger erklärt. Aber auch danach kann es bei den Initiatoren oder im Birkenhof erworben werden.

Der Birkenhof hat die Bekanntheit von Hofenstetten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht. Die Gastro- und Hotelierfamilie Obendorfer war immer eng mit dem Ort verbunden. Für Hubert Obendorfer sei es deshalb keine Frage gewesen, auch das große Ortsjubiläum tatkräftig zu unterstützen. Ein Beitrag hatte sich eher zufällig ergeben. Bei der aktuellen Erweiterung des Hotels wurden auch Granitfelsen abgetragen. Dabei kam auch ein riesiger Granitstein zu Tage, der nun als Gedenkstein verwendet und im Rahmen des Ortsjubiläums eingeweiht wird.

Programm 700 Jahre Hofenstetten

• Samstag, 11. Juli: ab 19 Uhr Disco Revival Plattenparty mit DJ Easy

• Sonntag, 12. Juli: 9.30 Uhr, Festgottesdienst; 10.30 Uhr, Einweihung Gedenkstein; ab 14 Uhr, Familiennachmittag mit Bilder-Show „Hofenstetten früher“, Kinderprogramm, Kaffee und Kuchen sowie Musik von Quetschnblech und Kirwatanz sowie Verkauf des Buches „700 Jahre Hofenstetten“