BI ruft zu Demo gegen Amazon in Rohr auf – und spricht von „neuer Art des Widerstands“

Von Martin Rutrecht · 16. Juni 2026 um 19:00

Am geplanten Amazon-Logistikzentrum in Rohr (Landkreis Kelheim) scheiden sich seit Jahren die Geister. Die BIA, in der sich viele Gegner formieren, ruft nun zu einer Demo auf. Am 26. Juni wird es nahe des Projektareals zur Protestkundgebung kommen. Die Veranstalter hoffen auf Hunderte Teilnehmer.

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Helium-Ballone werden in den Himmel steigen, bis in eine Höhe von 24,5 Metern, und sich über 370 Meter Länge und 100 Meter Breite erstrecken. „Damit wollen wir die Dimension des Logistikzentrums darstellen“, sagt Roland Weiß, Vorsitzender der BIA („Bürgerinitiative Abensberg und benachbarte Gemeinden“). Der geplante Bau des Online-Versandriesen in Bachl ruft seit drei Jahren erbitterten Widerstand hervor.

Die Gemeinde Rohr hat das Vorhaben auf 23 Hektar (60.000 m² Hallenfläche) westlich der Staatsstraße 2230 sowie östlich den Panattoni-Park (9,5 ha/50.000 m²) Anfang des Jahres einstimmig auf den weiteren Weg gebracht. Der vorhabenbezogene Bebauungsplan wird derzeit für eine zweite öffentliche Auslegung vorbereitet. „Wir von der BI sind mehr denn je der Überzeugung, dass die Pläne nie genehmigungsfähig werden“, so Weiß.

Bei der Demo „Nein zum Logistikpark Stocka“ am Freitag, 26. Juni, von 17 bis 18 Uhr am Seebauer-Hof in Bachl sollen die Argumente gegen das Projekt einmal mehr gebündelt auf den Tisch. Hauptredner wird Martin Geilhufe sein, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern. „Mit direktem Blick auf das Gelände für das Logistikzentrum sollte jedem vor Ort deutlich bewusst werden, welch kostbares Stück Natur hier für immer zerstört werden würde“, sagt Weiß.

Andere Möglichkeiten des Protests sind ausgeschöpft

Viele andere Möglichkeiten des Protests durch Vorstöße auf politischer Ebene, Eingaben bei Behörden oder Info-Veranstaltungen habe man schon „ausgenutzt“. „Die Demo in Form einer Sommerparty ist eine neue Art des Widerstands“, erklärt Weiß. Einen Demonstrationszug wird es am 26. Juni aber nicht geben.

Der Schauplatz Seebauer-Hof hat für die BIA Symbolcharakter. „Das Anwesen liegt direkt am Hopfenbach, dessen Grundwasser durch den Bau gefährdet wäre.“ Einen Steinwurf vom Hof der Familie Riedel entfernt entstünde die Halle. Täglich würden Hunderte Lkw und Mitarbeiter-Pkw aufs und vom Areal rollen. „Vertreter von Amazon und Projektbetreiber Panattoni erklärten der Familie, dass hohe Bäume und schalldichte Fenster den Lärm abhalten würden“, merkt der BIA-Vorsitzende fast süffisant an.

Bei den Plänen wurde mit Grünflächen, biologischen Baumaterialien und grünlichem Anstrich nachgebessert. Für die Gegner bleibt der zerstörerische Eingriff in die Natur und eine immense Verkehrsbelastung. - Foto: Visualisierung Panattoni

Nach einer Besichtigung des Veranstaltungsorts mit Vertretern des Landratsamts Kelheim und der Polizei Mainburg Anfang Juni wurde die Genehmigung „problemlos erteilt“, so Weiß. Der Zugang zum Anwesen wird links und rechts von großen Protestbannern gesäumt sein. Die Mitglieder der BIA wurden aufgerufen, zudem weitere Plakate zu basteln.

Bei der Frage nach der erhofften Teilnehmerzahl muss der BIA-Chef etwas überlegen. „Mindestens 100, je nach Wetter“, gibt er aus, „aber 200 plus X sollten es schon sein“, geht er dann nach oben. „Ohne hohe Beteiligung wird es eher ein Flopp. Wir sind optimistisch und gehen das Risiko ein.“ Die Blaskapelle „Hundsbuckler“ sorgt bei kleiner Bewirtung für „stimmige Hintergrundmusik“. Neben BN-Chef Geilhufe werden Hubert Hietl von der BIA (Thema: Arbeitsplätze) und der Abensberger Arzt Dr. Gerhard Strasser (Thema: Auswirkungen des Verkehrs auf die Gesundheit) sprechen.

Der Rohrer Bürgermeister reagiert gelassen

Rohrs Bürgermeister Matthias Hermann stößt sich nicht an der Demo. „Kundgebungen sind Ausdruck unserer demokratischen Kultur und ein wichtiges Mittel der Meinungsäußerung. Die angekündigte Veranstaltung ist Teil der laufenden Diskussion über das geplante Projekt“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Hermann selbst wird nicht vor Ort sein. „Das beruht auch darauf, dass an diesem Tag drei Veranstaltungen parallel stattfinden, zu denen mir Einladungen vorliegen.“

Die BIA hat unabhängig von der Demo das neue Gemeindeoberhaupt um ein Gespräch gebeten, wie sie mitteilt. Ein „offener und sachlicher Dialog“ ist aus Hermanns Sich der beste Weg, unterschiedliche Positionen auszutauschen. Wichtig ist für ihn, dass die Diskussion „respektvoll, auf Grundlage von Fakten und sachlich“ geführt wird. „Hetze, Vermutungen, Verleumdungen und Angriffe sehe ich im Allgemeinen sehr kritisch“, so der Bürgermeister.