Mahle in Neustadt schließt: Produktion wird schrittweise heruntergefahren

Von Jochen Dannenberg · 6. Juni 2026 um 11:01

Die Ankündigung der Konzernleitung war seit langem befürchtet worden, jetzt ist sie endgültig: Der Autozulieferer Mahle schließt seinen Standort in Neustadt (Landkreis Kelheim) mit rund 400 Beschäftigten.

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Das Werk besteht seit 1987 und produziert hauptsächlich Klimageräte für Premium-Pkw. „Aufgrund auslaufender Kundenaufträge bei gleichzeitig rückläufigen Marktentwicklungen sowie des zuletzt stark gewachsenen Kostendrucks von asiatischen Wettbewerbern in Europa kann der Standort sein Umsatzniveau nicht mehr halten“, hatte Mahle vor wenigen Wochen mitgeteilt.

Ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb sei unmöglich. Mehrere Streiks, die von der IG Metall organisiert wurden, führten zu einem Sozialplan, der nach Mitteilung der Gewerkschaft hohe Abfindungen für die Mitarbeiter am Standort vorsieht.

Letzter Produktionstag steht noch nicht fest

Die Schließung des Werks wird nicht abrupt erfolgen. Wie eine Pressesprecherin des Unternehmens mitteilt, sei es geplant, „die Produktionslinien ab Ende 2026 schrittweise herunterzufahren und die Belegschaft entsprechend zu reduzieren“. Die vollständige Schließung des Neustädter Werks solle im ersten Halbjahr 2027 erfolgen. Einen letzten Produktionstag für Neustadt nannte die Pressesprecherin nicht.

Der Grund für das schrittweise Zurückfahren der Produktion liege darin, dass „große Kundenprojekte auslaufen werden“, erklärte die Pressesprecherin. Und für diese Aufträge gebe es keine Folgeaufträge.

Es gibt Gerüchte, dass Teile der Produktion verlagert werden

Zum Ende der Produktion in Neustadt liegen unterdessen auch dem Betriebsrat noch keine Informationen vor. Gerüchten, wonach Teile der Produktion verlagert werden könnten, trat der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Peter Meier jedoch nicht entgegen. Das, erklärte er, hänge auch damit zusammen, dass Mahle Verträge mit Herstellern habe, die über das angekündigte Produktionsende in Neustadt hinausgingen.

Zur Stimmung in der Belegschaft sagte Meier am Mittwoch, einen Tag nach dem Ende des Streiks und der Bekanntgabe des Sozialplans: „Ich bin heute morgen überrascht gewesen, wie viele Mitarbeiter zur Frühschicht gekommen sind. 95 Prozent waren da. Das spricht für die Mannschaft.“ Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende geht davon aus, dass es so weitergeht. „Es wird bis zum letzten Tag gearbeitet, wann auch immer der ist.“ Kündigungen, so Meier weiter, seien bisher – Stand Mittwoch, 3. Juni – noch nicht ausgesprochen worden.

Nach rund 40 Jahren wird damit im kommenden Jahr die Produktion in Neustadt eingestellt. Was anschließend mit dem Mahle-Werk passiert, ist derzeit – zumindest offiziell – nicht klar. Die Pressesprecherin teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit: „Zur anschließenden Nutzung von Gelände und Gebäude sind noch keine Entscheidungen gefallen.“ Während der Streiks in den vergangenen Wochen hatten Gewerkschafter gelegentlich erwähnt, dass es möglicherweise bereits Planungen für eine Nachnutzung der Gebäude geben könnte.

Mahle hat nach eigenen Angaben aktuell 127 Standorte weltweit, darunter 49 Werke mit rund 25.500 Beschäftigten in Europa (weltweit: 64.000 Beschäftigte). Im Jahr 2025 sein ein Umsatz von 11,3 Milliarden Euro erwirtschaftet worden.

Krise auf dem Automarkt hat mehrere Ursachen

Mahle sieht sich weiter als „international führenden Entwicklungspartner und Zulieferer der Automobilindustrie mit Kunden sowohl im Pkw als auch im Nutzfahrzeugsektor“. Aber die Krise auf dem Automarkt, u.a. verursacht durch US-Zölle, die Debatte um Verbrenner-Aus und geopolitische Krisen, hat auch die Zulieferer erfasst.

Arnd Franz, Vorsitzender der Konzern-Geschäftsführung und CEO, stellte deshalb im Frühjahr klar, der Konsolidierungsdruck gerade in Europa werde in den kommenden Jahren anhalten, vor allem, wenn sich die EU bei der CO2-Regulierung nicht öffnet. „Die Entscheidungen in Brüssel bestimmen den Konsolidierungsdruck – mit entsprechenden Effekten auch für uns“, sagte Arnd Franz.

„Mahle wird seinen Anpassungskurs konsequent fortsetzen und um Innovationen, Aufträge und Arbeitsplätze in Europa kämpfen – dafür braucht es am Standort genügend Geschäft.“ Der CEO appellierte an die Politik in Stuttgart, Berlin und Brüssel, Wachstum zu ermöglichen und die CO2-Regulierung technologieoffen zu gestalten – was als Plädoyer für den Verbrenner zu werten ist. Andernfalls drohten Investitionen und damit Standorte und Arbeitsplätze aus Europa und Deutschland abzuwandern.