Pläne für Mega-Batteriespeicher in Burglengenfeld sind geplatzt

Von Thomas Rieke · 14. Juni 2026 um 05:00

Genau zwei Jahre ist es her, da wurde dem Burglengenfelder Stadtrat (Landkreis Schwandorf) ein Projekt präsent, das bayernweit Vorbildcharakter hätte haben können: eine riesige Batteriespeicher-Fabrik samt Freizeiteinrichtungen, ganz in der Nähe des Zementwerks. Das Investitionsvolumen sollte sich nach Angaben der Planer auf 230 Millionen Euro belaufen. Doch nun steht fest: Das Vorhaben mit dem Label „Energy Lab“ ist geplatzt wie eine Seifenblase.

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Batteriespeicher gelten in der Energiewende bekanntlich als zentraler Baustein. Durch sie soll Überproduktion von Strom aufgefangen werden, um ihn dann, wenn er benötigt wird, zur Verfügung stellen zu können – natürlich gewinnbringend.

Das Herz im Konzept der Firma Suncorona Green Tech GmbH aus Leimen, das den Titel Energy Lab (Energie-Labor) trug, sollte ein 100MW/200 MWh-Batteriespeicher sein. Auf einem faltbaren Solardach wollte man nicht nur grüne Energie erzeugen, sondern auch überschüssiges Regenwasser sammeln, um eine landwirtschaftlich genutzte Fläche kontrolliert zu bewässern. Damit nicht genug: Die Pläne sahen auch Freizeitangebote in Form von Sportstätten und einer Eisdiele sowie Einkaufsmöglichkeiten vor.

Schon im Sommer 2027 sollte alles fertig sein

Unterm Strich sollte die überplante, 20 000 Quadratmeter große Fläche am Eck Schmidmühlener Straße/Oberer Mühlweg fünffache Verwendung finden und doppelt so viel Grün entstehen wie bisher vorhanden ist. Vorausgesetzt man finde zeitnah einen oder mehrere Investoren, würde man das Vorhaben im Idealfall schon bis zum Spätsommer 2027 realisieren können, hieß es.

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Die Stadträte nahmen die Pläne im Juni 2024 mit einer Mischung aus ungläubigem Staunen und Sympathie für unternehmerischen Mut zur Kenntnis. Wichtig war ihnen, eventuelle Risiken für die Kommune auszuschließen, ansonsten aber wünschten sie sich eine zügige Umsetzung. Schließlich sollte von dem Projekt auch das Zementwerk von Heidelberg Materials (HM) profitieren. Durch die Versorgung mit grünem Strom, so der Gedanke, ließe sich die Umweltbilanz des Betriebs deutlich verbessern.

Kometenhafter Aufstieg, schneller Absturz

Doch so überraschend Suncorona in Burglengenfeld aufgetaucht war, so schnell erlosch auch der Stern der GmbH. Einige Monate nach dem Auftritt des redegewandten Geschäftsführers, der die Räte in einem Video zu einer spektakulären „Zeitreise“ eingeladen hatte, riss der Kontakt ab. Telefonnummern funktionierten nicht mehr, Mail-Anfragen der Redaktion blieben unbeantwortet. Die Stadtverwaltung und HM, das das benötigte Grundstück verpachtet hätte, wurden ebenfalls nur mit sehr allgemeinen Informationen versorgt. Man sei bei der Investorensuche „einen Schritt weiter“, hieß es etwa im Dezember 2024. Was damit gemeint war, blieb offen.

Möglicherweise war das Projekt schon damals zum Scheitern verurteilt. Die MZ machte sich auf die Suche nach Informationen über die Firma, die so ehrgeizige Pläne hatte – und Investoren mit sagenhaften Renditen im zweistelligen Bereich lockte. Kürzlich wurde die Redaktion fündig.

Insolvenzverfahren mangels Masse abgelehnt

Auf der Internetseite des sogenannten Insolvenz-Kontors war zu lesen, dass für die Suncorona Green Tech GmbH Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt worden war. Dieser sei aber mangels Masse abgelehnt worden, was in der Regel bedeutet, dass das Vermögen des Schuldners nicht ausgereicht hat, um Gerichtskosten und Gebühren für den Insolvenzverwalter zu decken. Eine Sprecherin des zuständigen Gerichts in Heidelberg bestätigte dies. Die Gesellschaft wurde daher Ende März liquidiert.

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Die Recherchen haben ferner ergeben, dass derselbe Geschäftsführer fast zeitgleich mit einem zweiten Unternehmen Schiffbruch erlitt, der Suncorona Mining GmbH. Auch für diese Gesellschaft, die sich auf die „Exploration“ (Erkundung) von Rohstoff-Lagerstätten spezialisiert hatte, wurde ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens abgelehnt. Die Liquidation erfolgte Mitte März, die Löschung Mitte Mai.

Heidelberg Materials zeigt sich unbeeindruckt

Was das Ende von Suncorona für den Transformationsprozess des Burglengenfelder Zementwerks bedeutet? HM-Sprecherin Conny Eck berichtet, der Kurs des Konzerns werde nicht beeinträchtigt. Die Strategie hin zu einer einer nachhaltigeren und klimafreundlichen Produktion sei „bewusst breit aufgestellt“ und „nicht von einzelnen externen Projekten abhängig“. Sie umfasse die kontinuierliche Steigerung der Energieeffizienz der Anlagen, den verstärkten Einsatz alternativer Brenn- und Rohstoffe sowie die Umstellung auf CO2-ärmere bis perspektivisch CO2-neutrale Produktionsprozesse.

Ein solches Projekt wäre grundsätzlich wünschenswert gewesen.Martin Antretter, Bürgermeister (SPD)

Als ein „an der Entwicklung seiner Heimat interessierter Mensch“ hat auch Bürgermeister Martin Antretter (SPD) vor seinem Amtsantritt die Planungen von Suncorona verfolgt. Batteriespeicher hätten große Bedeutung für die Energieversorgung der Stadt und insbesondere für das Zementwerk. Daher wäre ein entsprechendes Projekt seiner Meinung nach „grundsätzlich wünschenswert“ gewesen.

Bürgermeister: Die Stadt hatte den Weg bereits geebnet

Die Kommune, so versichert der neue Rathauschef, habe das Vorhaben daher von Beginn an mit Wohlwollen, aber auch der notwendigen Ernsthaftigkeit begleitet. Bereits im Juni 2024 sei die planungsrechtliche Grundlage geschaffen worden. „Damit haben wir unseren Beitrag geleistet und dem Investor den Weg bereitet“, betont Antretter. Auf die Entwicklung externer Firmen und Investoren habe die Stadt freilich keinen Einfluss. Mit Heidelberg Materials sowie Zementwerkleiter Bernhard Reindl stehe die Stadt jedoch weiter in einem „regelmäßigen und konstruktiven Austausch“.