230-Millionen-Euro-Projekt: Green-Tech-Spezialist plant für Burglengenfeld Batteriespeicherwerk

Von Thomas Rieke · 12. Juni 2024 um 05:00

Wenn der Burglengenfelder Bauausschuss (Landkreis Schwandorf) am Mittwoch tagt, hat er es mit einem Projekt zu tun, das es in dieser Dimension in Deutschland noch nicht geben dürfte. Die Rede ist von einem Energy Lab (Energie-Labor) mit einem Investitionsvolumen von rund 230 Millionen Euro.

Die Pläne, die in groben Zügen auch der MZ vorliegen, sehen nicht nur die Erzeugung und Speicherung von grünem Strom sowie den Handel damit vor. Auch die Wissenschaft soll profitieren. Gleichzeitig soll die überplante Fläche teils landwirtschaftlich nutzbar bleiben. Als Krönung ist die Kombination mit diversen Freizeiteinrichtungen angedacht.

Heidelberg Materials stellt den Grund zur Verfügung

Doch der Reihe nach: Wie die Mittelbayerische erfahren hat, schwebt dem Betreiber des Burglengenfelder Zementwerks, der Heidelberg Materials (HM) AG, schon seit längerem die Realisierung eines Batteriespeichers vor. Zum Mahlen des Rohmaterials, aber auch von Klinker benötigt die Fabrik jede Menge Strom.

Akkus würden es ermöglichen, Energie zu bunkern, wenn sie am Markt preiswert zu haben ist. Zu Spitzenbedarfszeiten in der Produktion könnte der Vorrat angezapft und somit pures Geld gespart werden. Stammte der gespeicherte Strom auch noch aus erneuerbaren Quellen, würde der Baustoffhersteller seine CO2-Bilanz verbessern und sein angekratztes Image aufpolieren.

Die Herstellung von Zement kostet jede Menge Energie. Heidelberg Materials bemüht sich aber intensiv, die Umwelt-Bilanz zu verbessern. Vor gut einem Jahr schon stellte Werkleiter Bernhard Reindl CO2-neutralen Beton in Aussicht. Mehr dazu lesen Sie hier.

Doch HM will den Speicher nicht selbst bauen. Der Konzern stellt nach Informationen der MZ lediglich den Grund zur Verfügung und setzt bei der Planung auf ein junges Unternehmen, das nur wenige Kilometer vom eigenen Firmensitz entfernt ist: die suncorona Green Tech GmbH aus Leimen. Sie hat ein Konzept entwickelt, das weit über Energiespeicherung hinaus reicht und will dafür renommierte Geldgeber begeistern. Ihnen wird eine Rendite von fast zwölf Prozent in Aussicht gestellt.

Suncorona-Geschäftsführer Oliver Schlink hat der Stadtverwaltung kürzlich ein erstes Exposé vorgelegt. Der Bauausschuss soll am Mittwoch (12. Juni) darüber diskutieren und bereits die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans für ein Sondergebiet an der Schmidmühlener Straße beschließen.

Solardach wird bei Sturm zusammengefaltet

Zu den Details: Überplant wird eine Fläche von rund 20000 Quadratmetern. Das überbaute Areal soll mehrfach genutzt werden. Auf einem Solardach, das sich bei Unwetter durch Seilbahntechnik zusammenfaltet, soll nicht nur Energie geerntet werden. Hier wird auch überschüssiges Regenwasser gesammelt, um landwirtschaftliche Zonen (Agri-Roof) zuverlässig und kontrolliert zu bewässern.

Parterre sind die Integration einer Ladeinfrastruktur für Lastwagen sowie ein sogenanntes Crowdfarming-Konzept vorgesehen. Das Herz des Energy Labs bildet freilich ein 100MW/200MWh-Batteriespeicher, der auch als Verteiler für verschiedene Energieströme dienen soll. Durch die Einbindung in die Infrastruktur des Standorts (in der Nachbarschaft befindet sich bereits ein Umspannwerk) ergibt sich laut Planer eine sehr hohe Effizienz.

Der Speicher, so wird weiter betont, enthalte weder wassergefährdende Stoffe, noch bringe er aufgrund seiner Auslegung Brandlasten mit sich. Zur Sicherheit würden die Akkus trotzdem in 40 speziellen Containern verbaut, in die auch ein Gas-basiertes Löschsystem integriert sei.

Auslobung von zwei Dissertationen

Neben der avisierten hohen Wirtschaftlichkeit soll die Anlage auch wissenschaftliche Daten für die Grundlagenforschung liefern. So sollen für die Planung und den Betrieb zwei Dissertationen ausgelobt werden, eine im Bereich Energietechnik, eine im Bereich Agrarwirtschaft.

Suncorona wirbt nicht nur mit innovativer Technik und hoher Rendite, sondern stellt in Aussicht, dass das Projekt durch eine Reihe verschiedenster Freizeiteinrichtungen bereichert werden könnte.

Parterre kann sich Projektentwickler Schlink „Räumlichkeiten für die Bevölkerung“ (Fitnesssport und Yoga) vorstellen, ebenso einen Treffpunkt für Aktivitäten und Vereine. Das zweite Obergeschoss soll sogar vorwiegend für Zeitvertreib und Erholung dienen. Die Rede ist von Räumen für Sport, Boulebahnen und sogar Tennisplätzen. Auch die Umsetzung von Schulprojekten soll hier möglich sein.

Heidelberg Materials sorgte zuletzt mit seinen Plänen für die Steinbruch-Erweiterung für Schlagzeilen – und Unmut unter der ländlichen Bevölkerung. Mehr dazu lesen Sie hier.

Ob das Energy Lab je so realisiert wird? Suncorona selbst geht von einer längeren Planungsphase aus. In einem ersten Schritt, „weit vor der Errichtung des Energy Labs“, soll deshalb zunächst die vorhandene Infrastruktur genutzt werden, heißt es im Vorlagebericht. An den bestehenden 30-MW-Netzzugang werde ein Batteriespeicher angedockt, der umgehend Erträge erwirtschaften und Synergien ermöglichen soll.

Im Zementwerk hofft man auf günstigen Strom, der perspektivisch auch aus erneuerbaren Quellen stammen soll. Werkleiter Bernd Reindl bestätigte auf Anfrage, sein Konzern sei sich durchaus bewusst, dass er etwas tun müsse, um seinen ökologischen Fußabdruck zu verbessern. Die Nutzung von Abwärme, die beim Brennen des Zementklinkers entsteht, habe mit dem Projekt von suncorona jedoch nichts zu tun. Das sei eine separate Baustelle.

Theoretisch könnte die Abwärme in Strom umgewandelt und damit auch gespeichert werden. Der Stadt Burglengenfeld schwebte indes die Einspeisung in ein Fernwärmenetz vor, das freilich ebenfalls erst ausgebaut werden müsste.