350 Namen auf geheimer Warteliste: Wer bekommt in Regensburg eine Straße?

Von Philip Hell · 10. Juni 2026 um 14:30

Die Forderung nach einer Straße für Hanau-Opfer Fatih Saraçoglu hat die Debatte um Straßenumbennungen in Regensburg neu entfacht. Doch die Stadt hält ihre Vorschlagsliste unter Verschluss – und auch bei der Umbenennung NS-belasteter Straßen gibt es noch offene Fragen.

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Aus dem Fatih-Saraçoglu-Platz wurde vor wenigen Tagen nach einigen Monaten wieder der Schwanenplatz. Die temporäre Umbenennung geschah im Rahmen einer Kunstinstallation in Erinnerung an den Regensburger, der bei dem rechtsterroristischen Anschlag in Hanau vor sechs Jahren ermordet wurde.

Straßenumbenennungen in Regensburg: Namensliste bleibt unter Verschluss

Die Familie von Saraçoglu betonte mehrfach ihren Wunsch, dass eine Straße in Regensburg nach dem Toten benannt wird. Aus Kreisen der Koalition hieß es unlängst, dass der Name des Terror-Opfers bereits Teil einer Liste in der Stadtverwaltung sei.

Das möchte Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Nachfrage der Mittelbayerischen Zeitung so nicht bestätigen. Eine Liste gebe es, die sei allerdings nicht öffentlich. Sie werde stetig aktualisiert, teilt von Roenne-Styra weiter mit, „und enthält mittlerweile etwa 350 Namen“. Es handle sich um Namen „aus verschiedenen Bereichen“. Dabei kämen die Vorschläge für die Namen aus der Politik, von Bürgern oder von Verbänden. „Die vorgeschlagenen Namen werden nach Eingang geprüft, kontextualisiert und anschließend in die Liste aufgenommen“, teilt die Sprecherin der Stadt weiter mit. Es gibt allerdings ein Problem bei der Sache: Es könne derzeit nicht gesagt werden, wann einer der Namen von der Liste zum Zug kommt, so von Roenne-Styra. Denn: „Aktuell stehen keine Straßenbenennungen an, die im Stadtrat oder dem Planungsausschuss beschlossen werden müssten.“

Belastete Namen in Regensburg: Straßen sollen umbenannt werden

Mit Blick auf das Gelände der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne im Kasernenviertel im Osten der Stadt, wo ein neues Viertel entsteht, dürfte sich das allerdings in absehbarer Zeit ändern. Dort sollen in einem ersten Schritt bis kommendes Jahr 205 Wohnungen fertig werden. Noch wird das Baufeld MU4 genannt – gut möglich, dass dort einige der Namen von der Liste zum Zug kommen.

Die Neubenennung von Straßen ist dabei eine Sache – die andere ist die Umbenennung von Straßen mit belasteten Namen. Eine Historikerin hat die Straßennamen in Regensburg untersucht und festgestellt, dass 40 von ihnen aus der NS-Zeit belastet sind. Sie empfahl in sieben Fällen eine Umbenennung. Das beschloss der Stadtrat schließlich auch im vergangenen Jahr. Bislang ist unklar, wann das der Fall sein wird.