Neues Kinderhaus in Schwandorf soll auf Eis gelegt werden – Bedarf an Plätzen gesunken

Von Jan Lange · 9. Juni 2026 um 12:32

Jahrelang war diskutiert und Beschlüsse waren gefasst worden, auch die Planungen sind erfolgt – doch nun soll ein Großprojekt in Schwandorf auf Eis gelegt werden. Mit finanziellen Gründen hat dies aber nichts zu tun.

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In den vergangenen Jahren hat die Stadt Schwandorf viel in die Kinderbetreuung investiert. Am BRK-Kinderhaus Lindenblüten in der Industriestraße war erst im Herbst ein Anbau in modularer Bauweise in Betrieb genommen worden. Auch das Kinderhaus Storchenwiese in Fronberg erhielt einen Erweiterungsbau mit 50 Plätzen. Und am Weinberg ist in den vergangenen Monaten ein Waldkindergarten entstanden. Sollten Schwandorfs Stadträte der Vereinbarung mit dem BRK als Träger dieser Einrichtung zustimmen, steht laut Stadt einer Inbetriebnahme zum neuen Kita-Jahr im September nichts mehr im Wege, wie Kämmerer Michael Neidl am Montag im Hauptausschuss erklärte.

In diesen Ausbau des Kita-Angebotes sollte sich auch das neue Kinderhaus in Krondorf einreihen. In dem Neubau, der an der Fröbelstraße beim Bolzplatz entstehen sollte, waren vier Krippen- und drei Kindergartengruppen geplant. Schon seit mehreren Jahren wurde immer wieder über das Projekt im Stadtrat und seinen Ausschüssen beraten, Planungen vergeben und ausgeführt. Auf rund 9,5 Millionen Euro wurden die Gesamtkosten geschätzt.

Großprojekt in Krondorf ist auf unbestimmte Zeit ausgesetzt

Bei den Haushaltsberatungen im vergangenen Jahr war noch von einem Baubeginn in diesem Jahr die Rede. Doch dazu wird es nicht kommen: Das Großprojekt soll vorerst nicht umgesetzt werden, wie im Hauptausschuss am Montag deutlich wurde. Dabei handelt es sich nicht um eine Verschiebung von einem oder zwei Jahren, sondern einer Aussetzung auf unbestimmte Zeit.

Schon im Dezember 2025 war im Schwandorfer Bauausschuss klar geworden, dass das Projekt in seiner bisher geplanten Form nicht kommen wird. Damals war aber noch von einer möglichen Verkleinerung die Rede. Zumindest stand die Frage im Raum, ob es wirklich noch die zusätzlichen vier Krippen- und drei Kindergartengruppen brauche. Als Grund waren im Dezember die zurückgegangenen Geburtenzahlen angegeben worden. Wie hoch der Bedarf noch sei, könne aber erst im Frühjahr 2026 endgültig bewertet werden, hatte Barbara Hellerbrand, Sachgebietsleiterin Hochbau, damals deutlich gemacht.

Nun ist klar: Das neue Kinderhaus in Krondorf wird nicht nur verkleinert, es wird vorerst gar nicht realisiert. Das ist das Ergebnis der Beratung im jüngsten Haushaltsausschuss. Denn im kommenden Kita-Jahr 2026/27 kann laut Stadtverwaltung allen angemeldeten Kindern ein Betreuungsplatz in den vorhandenen Einrichtungen angeboten werden. In Schwandorf stehen derzeit insgesamt 1093 Kindergartenplätze und 156 Krippenplätze zur Verfügung. Einen Bedarf für zusätzliche Plätze gibt es nicht mehr.

Für das kommende Kita-Jahr sind in Schwandorf teilweise noch Plätze frei

Zwar würden nicht alle Eltern einen Platz in ihrer Wunscheinrichtung bekommen, dafür aber in einer anderen. Oftmals würden die Eltern diesen Betreuungsplatz außerhalb der Wunscheinrichtung ablehnen, weshalb ihre Anmeldung weiterhin im Anmeldeportal verbleibe. Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz werde jedoch vonseiten der Stadt erfüllt, hieß es in der Beschlussbegründung zur Hauptausschusssitzung. Für das kommende Kita-Jahr 2026/27 seien in einigen Einrichtungen sogar noch teilweise Plätze frei.

Damit hat sich die Situation in der Großen Kreisstadt innerhalb weniger Jahre deutlich beruhigt. Vor dem Kita-Jahr 2023/24 standen noch 43 Krippen- und 129 Kindergartenkinder auf der Warteliste.

Entspannt hat sich die Lage zum einen wegen der in den vergangenen Monaten bereits geschaffenen zusätzlichen Kita-Plätze in den Einrichtungen Lindenblüten, Storchenwiese und dem zweiten Waldkindergarten auf dem Weinberg. Aber auch die Geburtenzahl war zuletzt rückläufig. Lag sie in den Jahren 2017 bis 2023 noch zwischen 280 und 300, ist sie ab 2024 ein Stück weit zurückgegangen und auf unter 260 gefallen. 2024 wurden 258 Geburten registriert, im Vorjahr waren es nur 255. Im Rathaus rechnet man nicht damit, dass die Zahlen in den kommenden Jahren wieder stark ansteigen werden. Vielmehr könnten sie noch weiter zurückgehen und auf um die 230 Geburten im Jahr sinken.

Abnahme der Zuwanderung laut Kämmerer einer der Gründe

Einen Grund in der Entwicklung sieht Schwandorfs Kämmerer Michael Neidl in der Abnahme der Zuwanderung. Zudem würden Eltern ihre Kleinkinder später in die Krippe bringen. Und die Stadt Schwandorf sei auch gut versorgt mit Tagesmüttern.

Da für das städtische Grundstück in Krondorf inzwischen Baurecht bestehe, könnte die Fläche auch für temporäre Lösungen genutzt werden, machte Neidl deutlich. Einen Bedarf für weitere 75 Kindergarten- und 48 Krippenplätze, wie sie in dem neuen Kinderhaus geplant waren, gebe es aber nicht.

Wenn die Kinderzahlen zurückgehen, warum sollten wir dann etwas Neues bauen?Karin Frankerl, SPD-Fraktionschefin

Die endgültige Entscheidung über das Großprojekt wird der Schwandorfer Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwoch, 10. Juni, treffen. Die Empfehlung des Hauptausschusses war aber eindeutig: Am Montag votierten die Mitglieder des Gremiums einstimmig dafür, die Errichtung des Kinderhauses in Krondorf auf Eis zu legen. „Wenn die Kinderzahlen zurückgehen, warum sollten wir dann etwas Neues bauen?“, fragte sich SPD-Fraktionsvorsitzende Karin Frankerl. Ähnlich sah es CSU-Fraktionschef Stephan Mändl. Auch er fand, dass nicht gebaut werden müsse, wenn es keinen Bedarf gebe.

Im Bauausschuss im Dezember hatte UW-Stadtrat Jochen Glamsch noch die Frage in den Raum gestellt, ob man nicht auch bauen könne, wenn die Zahl der Kinder geringer sei. Vonseiten der Stadtverwaltung war damals deutlich gemacht worden, dass man keinen Leerstand schaffen wolle. Für ein solches Gebäude würde es dann auch keine Förderung geben.