Expansionskurs trifft Sparkurs: Vereinzelt Kündigungen bei Metzgerei Wolf in Schwandorf

Von Martin Kellermeier · 8. Juni 2026 um 19:00

Gut fünf Monate sind seit der Übernahme der Metzgerei Wolf durch die Morliny Foods Holding vergangen. Nur wenig drang bislang nach außen, wie es seitdem beim Großbetrieb in Schwandorf läuft. Bei einer öffentlichen Verhandlung vor dem örtlichen Arbeitsgericht sollte sich das ändern.

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Es wurde bekannt, dass der neue Eigentümer bei den Personalkosten sparen will und es dadurch vereinzelt bereits zu Kündigungen gekommen ist. Wie berichtet, wurde die Wolf Firmengruppe – bis dahin gut 100 Jahre in Familienhand – von der britischen Morliny Foods Holding aufgekauft. Diese ist eine Tochtergesellschaft der chinesischen WH-Group – und damit Teil des größten Fleischkonzerns der Welt. Das Ziel der Übernahme war und ist die Expansion, lautet der Tenor beider Seiten. „Wir wollen mit unseren hochwertigen Produkten international wachsen und dabei auf unserem Weg alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an unseren drei Standorten in Schwandorf, Schmölln und Nürnberg mitnehmen“, hatte Christian Wolf im Januar diesen Jahres betont. Er leitet die Wolf Firmengruppe weiter als CEO, was einem Geschäftsführer gleichkommt.

Bereits im Oktober 2025 hatten sich die Wolf Firmengruppe und die Morliny Foods Holding auf eine Übernahme verständigt, damals noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung. Diese lag zum Jahresanfang vor. Seit Mitte Januar ist der Verkauf abgeschlossen und die Großmetzgerei unter einem neuen Dach.

Klage vor Gericht: Gekündigter Mitarbeiter wollte höhere Abfindung

Wie es seitdem läuft, darüber drang zuletzt nur wenig über das Werksgelände hinaus. Etwas mehr Details gab es kürzlich bei einer öffentlichen Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Schwandorf. Ein Mitarbeiter, vertreten durch seinen Anwalt Albert Bauer, kämpfte vor Richter Ferdinand Hagelstein um eine höhere Abfindung.

Der Mann hatte nach einigen Jahren als Mitarbeiter von der Metzgerei Wolf die Kündigung erhalten – aus betrieblichen Gründen, wie Rechtsanwalt Kurt Mieschala dem Gericht erklärte. Der Schwandorfer Jurist saß neben dem Wolf-Personalleiter und vertrat die Interessen der Großmetzgerei. „Der neue Eigentümer will Personalkosten einsparen“, berichtete Mieschala. Es komme daher zu Kündigungen an allen Standorten.

Es ist jetzt nicht so, dass die Kündigungszahlen explodieren.Kurt Mieschala, Rechtsanwalt

Wie viele Mitarbeiter sind betroffen?, fragte die MZ nach der Verhandlung. „Es ist jetzt nicht so, dass die Kündigungszahlen explodieren“, stellte Mieschala fest. Alles halte sich „im Rahmen“. Ohnehin habe es auch vor der Übernahme immer wieder Kündigungen aus den verschiedensten Gründen gegeben.

Überschaubare Kündigungszahlen am Standort Schwandorf

CEO Christian Wolf bestätigte die Entwicklungen. Am Standort Schwandorf sei es seit der Übernahme zu drei betriebsbedingten Kündigungen gekommen. Durch die neue Unternehmensstruktur würden sich manche Stellen und Aufgaben verändern, vor allem im kaufmännischen Bereich und im Controlling. „In einem moderaten Rahmen kommt es daher zu einer Personalfluktuation und Kündigungen. Da will ich nichts beschönigen“, sagte der Geschäftsführer und fügte den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierungen als beispielhafte Gründe an. Eine Kündigungswelle werde es aber auf keinen Fall geben.

Wir sind weiter am Wachsen und Expandieren.Christian Wolf, CEO der Wolf Firmengruppe

Wolf legte im MZ-Gespräch Wert auf die Feststellung, dass weder die drei Firmenstandorte zurückgebaut noch das Geschäft heruntergefahren werde – ganz im Gegenteil. „Wir sind weiter am Wachsen und Expandieren“, betonte der CEO. Doch aufgrund eines höheren Mindestlohns, gestiegener Energiekosten und mehr Bürokratie stehe man unter Kostendruck. „Wir können die steigenden Kosten nicht 1:1 an unsere Kunden weitergeben. Sonst wird die Wurst zu teuer und die Inflation steigt weiter“, erklärte Wolf. Man versuche daher, mit Personaleinsparungen die Produktionskosten etwas zu senken.

Zu wenig Bewerbungen: Wolf sucht weiter Metzger und Instandhalter

Während es im kaufmännischen Bereich und im Controlling zu Personaleinsparungen kommt, suchen Christian Wolf und seine Geschäftsführung händeringend „alle Positionen rund ums Handwerk“. Fähige Metzger würden ebenso gebraucht wie Instandhalter. „Wir bekommen gar nicht so viele Bewerbungen wie wir einstellen könnten“, berichtete der CEO auf MZ-Anfrage.

Der gekündigte Mitarbeiter hatte indes Erfolg mit seinem Gang vors Arbeitsgericht. Er konnte tatsächlich eine höhere Abfindung erzielen. Diese beträgt nun einen niedrigen, mittleren fünfstelligen Eurobetrag.