Wolf-Deal stand auf „Messers Schneide“: CEO nennt Details zum Verkauf der Großmetzgerei

Von Philipp Breu · 14. Oktober 2025 um 19:00

Diese Nachricht sorgte am Montagmittag für eine dicke Überraschung: Der Schwandorfer Lebensmittelhersteller Wolf wird von der englischen Morliny Foods Holding übernommen. Nun nennt der bisherige Inhaber Christian Wolf weitere Details zum Deal und erklärt, welche Rolle der Familienbetrieb künftig im Konzern einnimmt.

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Wie die Wolf Firmengruppe am Montag berichtete, warte man noch auf die „kartellrechtliche Zustimmung“. Ist diese erfolgt, wird das Traditionsunternehmen mit Standorten in Schwandorf (Hauptsitz), Schmölln und Nürnberg Teil einer international tätigen Firmengruppe.

Der Käufer Morliny Foods hat seinen Sitz in Großbritannien. Die Holding ist in sieben Ländern aktiv und laut Mitteilung „ein führender europäischer Lebensmittelhersteller“, der sich für eine nachhaltige Fleischproduktion einsetze. Morliny ist außerdem selbst Tochter der chinesischen WH-Group und damit Teil eines Unternehmens, das mit mehr als 100.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz weit jenseits der 25-Milliarden-Euro-Grenze in der Branche als Schweinefleisch-Gigant gilt.

Expansion soll vorangetrieben werden

Doch was bedeutet die Übernahme letztlich für die Wolf Firmengruppe? Das ließ sich in der am Montag veröffentlichten Pressemitteilung nur zwischen den Zeilen herauslesen. „Die Partnerschaft mit der Morliny Foods Holding markiert eine neue Phase in unserer 100-jährigen Unternehmensgeschichte“, wurde der bisherige Inhaber Christian Wolf zitiert. Man sehe „viele Chancen in der Wachstumsvision und der starken internationalen Ausrichtung von Morliny“ und wolle Wolf „auf diese Weise in eine sichere Zukunft führen“.

Seinen Hauptsitz hat die Firmengruppe Am Ahornhof in Schwandorf. Die Zentrale wurde 1989 gebaut. Heute erstreckt sich deren Gesamtfläche auf rund 25.000 Quadratmeter. Je nach Saison sind dort bis zu 900 Mitarbeiter tätig und stellen regionale Klassiker her – von der Weißwurst über Wiener bis Grillgut. - Foto: Martin Kellermeier

Auch die Morliny Foods Holding sieht durch die Übernahme ihre „strategische Präsenz in Europa“ gestärkt – und zwar „mit Wachstum in unserem Geschäft mit Fleischwaren und Convenience-Produkten in Deutschland“. Man werde auf dem starken Fundament, auf dem die Wolf Gruppe steht, aufbauen und „die Stärken und das internationale Vertriebsnetz von Morliny nutzen, um weiter zu wachsen.“

Beide Unternehmen geizten in ihren Statements nicht mit Superlativen, ließen aber dennoch einige Fragen offen. Mehr Licht ins Dunkel bringt nun Christian Wolf. Er wird nach dem Zusammenschluss als CEO im Konzern beschäftigt sein und soll damit die nun anstehende Expansionsphase bei Wolf federführend begleiten. „Üblicherweise sind das Drei- bis Fünf-Jahresverträge“, erklärt der künftige CEO auf Nachfrage der MZ. Wie es danach für ihn weitergeht, wisse er noch nicht.

Rohstoffversorgung wird langfristig gesichert

Der Deal mit Morliny war offenbar von langer Hand vorbereitet. Wolf kennt den englischen Konzern seit Jahren. Erste Kontakte seien Anfang des Jahres geknüpft worden. „So richtig ins Detail ging es dann erst im Mai“, so Wolf. Die Verhandlungen haben sich letztlich mehrere Monate hingezogen. Selbst bei der 100-Jahr-Feier im September sei noch nicht festgestanden, ob man den Deal eingehen möchte. „Und vergangene Woche war das alles nochmal auf Messers Schneide gestanden“, schildert Christian Wolf.

Erst kürzlich feierte die Firma Wolf 100. Jubiläum: Neben Inhaber Christian Wolf (l.) und dem ehemaligen Chef Reinhard Wolf (Mitte) mit Ehefrau Marianne (2. v. r.) waren auch die Parlamentarische Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf und Marcus König, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, gekommen. - Foto: Alfredo Marega

Letztendlich hätte Morliny dann aber doch noch die nötigen Zugeständnisse gemacht. Damit stehe einer erfolgreichen Zusammenarbeit nun nichts mehr im Wege. Der Deal bringt laut Wolf gleich mehrere Vorteile mit sich. Zum einen werde die Rohstoffversorgung langfristig gesichert. Denn Morliny zählt zu den größten Schweine- und Geflügellieferanten weltweit. Und geschlachtet wird bei Wolf in Schwandorf bekanntlich nicht. Stattdessen kommt die Rohware per Lastwagen – nach Firmenangaben sind das bis zu 180 Tonnen pro Tag. Dann geht es an die unterschiedlichen Verarbeitungsschritte.

Deutliche Umsatzsteigerung ist das Ziel

Mit dem Zusammenschluss sei man nicht mehr abhängig von deutschen Großlieferanten wie Tönnies oder Westfleisch. Außerdem würden Produkte mit dem Wolf-Label künftig nicht mehr nur im deutschen Raum verfügbar sein. Auch ausländische Märkte sollen erschlossen werden. CEO Wolf erhofft sich dadurch eine deutliche Umsatzsteigerung. Ziel sei es, die „Halbe-Milliarde-Marke“so schnell wie möglich zu knacken.

Dafür ist natürlich auch jede Menge Manpower nötig, weshalb die drei Wolf-Standorte mit ihren insgesamt rund 1800 Mitarbeitern erhalten bleiben sollen. „Wir werden eher noch aufstocken statt abbauen“, sagt Wolf. Ansonsten bleibe alles beim Alten. Man werde als Familienunternehmen im Konzern bestehen bleiben, und die Kunden würden auch in Zukunft in den Supermarkt-Regalen Wolf-Produkte finden.

In der Belegschaft schüren die neuen Pläne indes durchaus Hoffnung. Mehrere Angestellten schildern gegenüber der MZ, dass man nun positiv in die Zukunft blickt. Man habe das Gefühl, dass das Unternehmen in die richtige Richtung geht und sich den Ansprüchen in einem wachsenden Markt stellt.

Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) wünscht der Firma Wolf und den Investoren „alles Gute“. Es sei wichtig, dass der Produktionsstandort in der Großen Kreisstadt und damit auch einige Arbeitsplätze gesichert seien. „Und das scheint hier der Fall zu sein“, konstatiert Feller.