So läuft die Produktion bei Wolf Essgenuss am Stammsitz in Schwandorf

Mit der landläufigen Vorstellung eines Metzgereibetriebs hat die Wolf-Firmengruppe nicht mehr viel zu tun – längst ist man auf dem Weg vom klassischen Fleisch- und Wurstproduzenten zum Lebensmittelhersteller.
Der Unternehmensverbund setzt über die Nürnberger Marke Forster (Fertiggerichte) starke Akzente im Veggie-Segment und richtet den Fokus verstärkt auf regionale Spezialitäten und den Barbecue-Sektor. Darüber und über die Produktionsabläufe am Standort Schwandorf informierten sich kürzlich Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) und das IHK-Gremium Schwandorf.
Kern der Wolf-Firmengruppe ist die neu firmierte Wolf Essgenuss GmbH, in der die Produktionsstätten in Schmölln (Thüringen), Nürnberg und Schwandorf zusammenfasst sind. Größter Standort und Stammsitz ist Schwandorf, wo nach den Worten von Inhaber Christian Wolf auf einer Gesamtfläche von rund 25.000 Quadratmetern je nach Saison bis zu 900 Mitarbeiter tätig sind.
Zweigstellen in Schmölln und Nürnberg
In Schmölln produzieren 600 Beschäftigte Spezialitäten wie die berühmte Thüringer Rostbratwurst. In Nürnberg ist Wolf mit 200 Mitarbeitern unter anderem als einer der vier Hersteller der Original Nürnberger Rostbratwürste präsent.
Geschlachtet wird bei Wolf in Schwandorf nicht. Stattdessen kommt die Rohware per Lastwagen – nach Firmenangaben sind das bis zu 180 Tonnen pro Tag. Dann geht es an die unterschiedlichen Verarbeitungsschritte. Die einzelnen Chargen können dank intelligenter Logistik in jeder Verästelung des Produktionsprozesses nachverfolgt werden.
Ein strenges Hygienekonzept
Auch das Hygiene-Regiment ist streng. Nur nach ausgiebiger Desinfektion, in Schutzkleidung und teilweise auch mit Maske durften sich die Besucher auf den gut 40-minütigen Rundgang durch die Schwandorfer Produktionshallen machen.
Hier hat, wo es möglich ist, die Automatisierung Einzug gehalten. Das beginnt bei der Messtechnik zur Feststellung des Fettgehalts und reicht über die Verabreichung der Gewürzmischungen und Einstellung der Mahlgrößen bis zur Portionierung der jeweiligen Produktmengen. Nicht alles lässt sich allerdings von Maschinen erledigen. In der Verpackung beispielsweise hat sich laut Inhaber Christian Wolf erwiesen, dass Handarbeit nicht immer und überall von Robotern übernommen werden kann. „Wurst ist ein Naturprodukt, jede fällt ein bisschen anders aus. Damit kommen Roboter nicht zurecht“, hieß es beim Rundgang.
Wolf liefert an 500 Netto-Filialen aus
Regionale Produkte von der Weißwurst bis zum Wurstsalat im Becher werden in Schwandorf hergestellt, Wiener und Bockwürste, aber auch Spezialitäten für die Grillsaison wie Steaks oder Berner Würstchen.
Was viele nicht wissen: Wolf Essgenuss ist Lieferant für rund 500 Netto-Filialen in ganz Bayern und darüber hinaus, die ebenso wie die eigenen Verkaufsstandorte täglich mit frischen Produkten für die Bedientheke beliefert werden. Größere Mengen gehen unter anderem auch ans Netto-Zentrallager in Ponholz.
Als wichtiger Player ist die Wolf Essgenuss GmbH in vielen Bereichen schon Marktführer – in Bayern zum Beispiel bei der Gelbwurst mit einem Marktanteil von 70 Prozent, in ganz Deutschland unter anderem bei der Bratwurst oder den Berner Würstchen. „Wir wollen der größte Barbecue-Hersteller in Deutschland werden“, nennt Christian Wolf eines der Unternehmensziele.
Ein weiterer strategischer Ansatz der Unternehmensgruppe ist der Ausbau des Convenience- oder Fertiggericht-Segments. Rund 18 MillionenEuro wurdenin einen Neubau und zusätzliche Produktionsanlagenam Standort in Nürnberg gesteckt. Hier sind die Prozesse in hohem Grade automatisiert. Die Kapazitäten werden sich zunächst verdoppeln, unter anderem auch durch vegane und vegetarische Gerichte. Von ihnen erhofft sich die Wolf-Gruppe auf längere Sicht ein überproportional starkes Wachstum.
Mittelfristig soll die Produktion CO2-neutral werden
Dass der Energiepreisschock und die allgemeinen Lohn- und Preissteigerungen auch vor dem Unternehmensverbund nicht Halt machen, deutete Christian Wolf an. Damit hänge auch der „extreme Umsatzsprung“ von den üblichen rund 300 auf 400Millionen Euro zusammen, wie er zum Auftakt der Werksführung erläuterte. An einem Umweltziel will die Wolf-Gruppe aber festhalten: Mittelfristig soll im Betrieb die CO2-Neutralität angestrebt werden.
