Aus fünf mach eins: Entlang der Naab entsteht eine riesige Pfarreiengemeinschaft

Eine „Riesenherausforderung“ nennt es der Kallmünzer Pfarrer Andreas Giehrl. Für den Pettendorfer Pfarrer Norbert Pabst ist es ein großer Bruch. Auf was die beiden Priester blicken, ist die neue Pfarreiengemeinschaft St. Nepomuk an der Naab. Sie umfasst ab September fünf Pfarreien im Landkreis Regensburg: Duggendorf, Kallmünz, Pettendorf, Pielenhofen und Wolfsegg mit rund 8000 katholischen Gläubigen.
Die Aufgabe ist gewaltig und wird Geistliche, pastorale Mitarbeiter und Gläubige gleichermaßen fordern. „Ich weiß noch nicht, ob wir sie bewältigen können“, sagt der Kallmünzer Pfarrer. An ihm wird es liegen, den Zusammenschluss der bestehenden Pfarreiengemeinschaften Kallmünz-Duggendorf und Pettendorf-Pielenhofen-Wolfsegg federführend umzusetzen. „Dafür wird es viele zwischenmenschliche Brücken brauchen“, betont der 63-Jährige – ein Satz, mit dem er das Projekt auch kürzlich in einem Schreiben an die Katholiken in Kallmünz und Duggendorf skizziert hat.
Aus 700 Pfarreien werden 140 Zusammenschlüsse
Im Rahmen der pastoralen Planung der Diözese sollen bis zum Jahr 2034 aus einst 700 selbstständigen Pfarreien rund 140 Pfarreiengemeinschaften werden. Das neue Gebilde entlang der Naab war hier längst umrissen. Doch dass es schon jetzt Wirklichkeit wird, liegt an einem Entschluss des Pettendorfer Pfarrers Norbert Pabst. Er bewarb sich auf die vakant werdende Priesterstelle in der Pfarreiengemeinschaft Geiselhöring und wird dieses Amt am 1. September antreten.
„Es ist die richtige Zeit, die Chancen werden immer weniger“, begründet der Geistliche seine Entscheidung mit Blick auf die überschaubaren Möglichkeiten auf frei werdende attraktive Pfarrerstellen. Für Pabst ist Geiselhöring mit seinen gut 4000 Gläubigen die dritte Station als Pfarrer nach Großmehring im Landkreis Eichstätt und Pettendorf.
Pabst: Man muss den Leuten vertrauen
Im Jahr 2017 wechselte er in die Regensburger Stadtrandgemeinde, zu einem Zeitpunkt, als die Pfarreien Pettendorf samt Filialkirche Kneiting und Pielenhofen schon eins geworden waren. Vor fünf Jahren kam dann Wolfsegg dazu. Schon dieser Zusammenschluss war nicht einfach, erinnert sich Pabst. Mittlerweile sei aber eine gewisse Gemeinschaft gewachsen. Auf dem Weg dahin ist es seiner Meinung nach wichtig, den Pfarreien und den Gläubigen ihr Eigenleben zu lassen. „Man muss den Leuten vertrauen und sie auch einfach mal machen lassen“, ist er überzeugt.
• Kirchen: In der neuen Pfarreiengemeinschaft gibt es fünf Pfarrkirchen sowie 13 Filialkirchen und Exposituren.
• Gremien: Die Laien sind in drei Pfarrgemeinderäten vertreten, in Kallmünz und Duggendorf sowie im Gesamtpfarrgemeinderat Pettendorf.
• Vereine: Zu den kirchlichen Vereinen zählen fünf Zweigvereine des Frauenbunds und zwei Kolpingsfamilien.
Nicht sicher ist Pabst, wie und ob das Zusammenwachsen in einer so großen Pfarreiengemeinschaft gelingen kann, die kein Zentrum hat, sondern zwei größere und drei kleinere Pfarreien, die sich noch dazu über fünf politische Gemeinden erstrecken. Der Pettendorfer Pfarrer ist sicher, dass auf die Gläubigen Einschränkungen zukommen. Nicht verstehen kann er deshalb, dass Bischof Rudolf Voderholzer so strikt Wortgottesdienste ablehne und damit auch die Möglichkeit, hier Laien mehr einzubinden.
Ohne Weltpriester wird es schwierig
Das bedauert auch der Kallmünzer Pfarrer, will aber trotzdem so viel wie möglich auf die Unterstützung durch Laien setzen. Das wird allerdings auch gar nicht anders machbar sein. Denn in der neuen Pfarreiengemeinschaft wird es weniger Priester und weniger pastorale Mitarbeiter geben als zuvor in den beiden kleineren Gebilden. Wenn Pabst nach Geiselhöring geht, sind neben Giehrl noch die beiden Pfarrvikare Yesu Savariyappan und Luke Alamazie für die fünf Pfarreien da.

Die beiden Geistlichen aus Indien und Nigeria sind sogenannte Weltpriester, die für einen befristeten Zeitraum in deutschen Pfarreien eingesetzt werden. Giehrl schätzt, dass es derzeit mehr als 200 Weltpriester in der Diözese gibt. „Ohne sie wäre das System gar nicht mehr zu halten“, ist er überzeugt. Giehrl selbst wurde 1994 noch zusammen mit 15 anderen Geistlichen zum Priester geweiht.
Diözese stellen einen Verwaltungsleiter
Heuer wird es nur einer sein. Dazu kommt: Gemeindereferentin Bernadette Mitko aus Pettendorf und Pastoralreferent Gerhard Bauer aus Kallmünz gehen im nächsten Jahr in den Ruhestand. Die beiden muss künftig Verena Utz ersetzen, die ab September in Teilzeit ihren Dienst in der neuen Pfarreiengemeinschaft antritt. Immerhin: Die Diözese setzt in der neuen Pfarreiengemeinschaft einen Verwaltungsleiter ein, der mit den sieben Kirchenverwaltungen zusammenarbeiten soll. Der Pfarrer darf hier zwar noch mitreden, verliert aber sein Stimmrecht.
Dennoch ist Andreas Giehrl skeptisch. „Eine so große Pfarreiengemeinschaft ist eine Illusion“, sagt er. Es werde nicht passieren, dass die Menschen aus den fünf Pfarreien schnell zusammenfinden. „Wo da die Seelsorge bleibt, ist schwierig“, glaubt er. Dennoch versucht er schon jetzt, die Gläubigen mit ins Boot zu holen, will versuchen, möglichst viele Anknüpfungspunkte zu schaffen. Und er will die Menschen kennenlernen, mit denen er bislang keinen Kontakt hatte. Giehrl wird deshalb vermutlich im Herbst nach Pettendorf umziehen. Zudem soll ein rollierendes System bei den Gottesdiensten kommen, das heißt, die drei Priester wechseln regelmäßig zwischen den Pfarreien durch.
An den Hochfesten wird es eng
Zur ersten ganz großen Nagelprobe wird die Gottesdienstordnung werden. Weil Pfarrer Pabst wahrscheinlich schon im August wegen Umzugs und Urlaubs kaum mehr da sein wird, soll es ab 1. August einen ersten gemeinsamen Pfarrbrief geben, der für zwei Monate gilt.
Vor allem an den kommenden großen kirchlichen Hochfesten wie Allerheiligen, Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Fronleichnam erwartet Giehrl Engpässe. „Da brauchen wir Kreativität, Flexibilität und Kompromissbereitschaft“, fordert er. Gewohnte Strukturen, Ordnungen und Traditionen müssten komplett neu gedacht werden.