Wimmelbuch über Duggendorf: Heimat zum Entdecken in Wort und Bild

Von Andrea Leopold · 7. Juni 2026 um 13:00

Wer sagt, dass man für große Entdeckungsreisen in die Ferne schweifen muss? Manchmal liegt das Entdecken direkt vor der Haustür – oder zwischen zwei Buchdeckeln. Nach dem didaktischen Prinzip „Vom Kleinen zum Großen“ hat die Zeichnerin Anke Romanow ihre Heimat Duggendorf (Landkreis Regensburg) als „Zugroaste“ in Szene gesetzt und bedient sich dabei der von Ali Migutsch erfundenen und beliebten Form des Wimmelbuches.

Das Besondere an diesem regionalen Kunstwerk: Die humorvollen Geschichten werden durch die Oberpfälzer Mundart von Thomas Eichenseher, dem 3. Bürgermeister der Gemeinde, lebendig. Eine Symbiose aus Pinselstrich und Dialekt. Die Texte wurden von Romanow gestaltet, „allerdings auf Hochdeutsch, da sie nicht hier aufgewachsen ist“, sagt Eichenseher.

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Sprache der Region lebendig halten

Sie habe daraufhin bei ihm angefragt, ob er jemanden kenne, der den Text in den Oberpfälzer Dialekt übersetzen könne. „Ich habe selbst seit langem immer wieder für Vereine und Familie Verse in Mundart gereimt und habe mir das zugetraut“, sagt Eichenseher. Die Dialektfassung soll dazu beitragen, die Sprache der Region lebendig zu halten und an jüngere Generationen weiterzugeben.

Romanow hatte bereits 2024 in einem ehrenamtlichen Projekt des Kulturecks ein Künstler-Wimmelbuch für Kallmünz mitgestaltet. „Für mich war das das absolute Glückslos“, sagt sie darüber. Sie war neu im Verein und hatte als vormalige Architektin gerade berufsbegleitend ein Illustrations- und Kinderbuchseminar besucht – „dementsprechend war ich voller Inspiration und Ideen“. Mit dem Vorsatz „Ich bringe auch Duggendorf zum Wimmeln“ machte sich Romanow nun erneut ans Werk.

Die Künstler und ihr Werk: Anke Romanow und Thomas Eichenseher - Foto: Eichenseher

Aus den Hintergrundinformationen und Anregungen von Eichenseher entwickelte sie ab Sommer 2025 eine Wimmelgeschichte, in der nicht nur einige Orte und Bauwerke, sondern auch die Feuerwehren der drei Hauptorte eine Rolle spielen sowie ein kleiner Drache, dessen Konterfei das Duggendorfer Wappen ziert. Von den ersten Skizzen bis zur abschließenden Vorstellung im scheidenden Gemeinderat gingen neun Monate ins Land: „Für ein nebenberufliches Buch-Projekt inklusive digitaler Aufbereitung und Druck war das ziemlich sportlich“, findet die Künstlerin.

Die erste Auflage von 200 Stück war nicht im Handel erhältlich, sondern eigens als Geschenk für die Duggendorfer Ehrenamtlichen vorgesehen. „Für mich persönlich war das Buch deshalb nicht nur ein großartiger Auftrag in meiner neu gefundenen Profession, sondern als Zugroaste auch ein gutes Stück Heimatkunde und Verwurzelung im Landkreis Regensburg“, betont Romanow.

Im Buch zu sehen sind die Duggendorfer Feuerwehren in Aktion, als der Drache Tuto niest, Feuer speit und danach wegen einer Straßensperre in die Naab stürzt. Es findet sich im Buch eine große Landkarte mit allen verstreuten Weilern und Einödhöfen inklusive Windrädern und Gleitschirmfliegern hoch über dem Ort. Auf den acht Bild-Doppelseiten im DIN A4-Format sind auch Anspielungen auf das reale Dorfleben zu bemerken– einschließlich Straßensperrungen.

Der Drache Tuto im Wappen von Duggendorf dient als Aufhänger. - Foto: Anke Romanow

Die Feuerwehren und der kleine Drache Tuto

Entstanden sind detailreiche Bilderwelten, in denen sich auf jeder Seite zahlreiche Figuren, Tiere und kleine Geschichten verbergen. Und endlich erfahren die Leser in dem Buch auch, warum die Duggendorfer Feuerwehren so gut aufgestellt sind – weil in frühen Zeiten der Drache Tuto dort gewohnt und durch Niesen und Feuerspeien einige Feuer im Ort entfacht hatte.

Mit diesem Buch haben Anke Romanow und Thomas Eichenseher der Gemeinde Duggendorf ein bleibendes Denkmal gesetzt. Romanow gelingt es, die Identität und das Lebensgefühl der Gemeinde in Duggendorf einzufangen. Das Buch zeigt eindrucksvoll, dass Heimatpflege nicht verstaubt sein muss, sondern bunt, lebendig und unterhaltsam sein kann.