So meistern die Duddings aus Hemau ihren Alltag mit 14 Kindern auf 185 Quadratmetern

Wer im Hause Dudding kochen will, braucht Töpfe im Großformat. Und wer einen Ausflug plant, kommt mit einem klassischen Familienauto nicht weit – darin hätte gerade mal ein Drittel der Familie Platz. Denn Marco (45) und Jessica (43) Dudding haben 14 Kinder. In Hemau im Landkreis Regensburg leben sie aktuell zu 15. in einer 185 Quadratmeter großen Wohnung. Ohne Plan und klare Routinen wird es hier schnell chaotisch.
Auf den Parkplatz des Waldbades bei Hemau fahren zwei weiße VW-Busse. Am Steuer sitzen Marco und Jessica Dudding. Als sich die Schiebetüren öffnen, hüpft ein Kind nach dem anderen hinaus: sechs Mädchen und sieben Jungs. Der älteste Sohn fehlt. Was aussehen mag, wie eine Klassenfahrt, ist für die Duddings ein gewöhnlicher Familienausflug. Noch ist wenig los am Weiher, den Spielplatz haben die Kinder ganz für sich. Die großen Geschwister achten behutsam auf die kleineren. Kein Chaos. Kein Streit.

„Sie haben einen unglaublichen Zusammenhalt“, sagt der Vater
Dieses Miteinander der Kinder beobachten die Eltern voller Stolz. „Sie haben einen unglaublichen Zusammenhalt“, sagt Marco Dudding. Dass das Paar mal so eine große Familie haben wird, war nicht geplant. Kennengelernt haben sich die beiden im Jahr 2000 über ein Datingportal.
Sieben Jahre blieben sie übers Internet in Kontakt, ehe sie sich das erste Mal gegenüberstanden. Da hat es „mehr oder weniger“ gleich gefunkt, sagt Dudding. Lächelnd ergänzt er: „Es hat einfach alles gepasst.“ Auf das erste Treffen folgte 2008 die erste gemeinsame Wohnung.
Seine Frau brachte drei Kinder mit in die Beziehung, 2009 folgte dann der erste gemeinsame Nachwuchs. Die weiteren Kinder kamen mit wenig zeitlichem Abstand zur Welt: 2010, 2011, 2013, 2014, 2016, 2018, 2019, 2021. 2024 bekam Jessica Dudding Zwillinge. Die jüngsten Kinder der Patchwork-Großfamilie sind also zwei, das älteste 24 Jahre alt.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal so viele Kinder bekomme“, sagt die 43-Jährige. In ihrer Jugend habe sie sogar eine Phase gehabt, in der sie sich gar nicht vorstellen konnte, Mutter zu werden. Aber sie habe durchweg gute Schwangerschaften gehabt und ihre Kinder seien alle „pflegeleicht“, sagt sie. „So hat sich das nach und nach ergeben.“ Ihr Mann ergänzt: „Ein Kind mehr hat irgendwann keinen großen Unterschied mehr gemacht.“
Am deutlichsten sei die Umstellung beim ersten und zweiten Kind, sagt Jessica Dudding. Man müsse alles neu anschaffen, das koste einige tausend Euro. „Ab dem dritten Kind fängt es an ruhiger zu werden – auch, weil die Kinder sich gegenseitig haben.“
Der Platz in der Wohnung wird langsam eng
In der Wohnung in Hemau teilen sich die Mädchen und Jungs ihre Zimmer zu viert, dritt oder zu zweit. Einen Garten gibt es nicht. Jeder Quadratmeter wird ausgenutzt. Im Eingangsbereich, wo bei andern Familien vielleicht zehn Jacken hängen, hängen bei den Duddings rund vierzig. An der Wand reiht sich ein Schuhregal ans andere. Ein Durchgangszimmer wird als „Ankleidezimmer“ benutzt– ein Raum für alle Kleiderschränke. Marco Dudding findet zwar, dass es in der Wohnung langsam eng wird. Dennoch ist der Platz für die Großfamilie ausreichend, sagt er.
Die größte Herausforderung: Für 15 Personen gibt es nur ein Badezimmer. Chaos vorprogrammiert? Den Eltern zufolge nicht. „Es ist eigentlich relativ einfach, weil die meisten schon recht groß sind. Die machen ihr Ding alleine“, sagt Marco Dudding. Die Pausenboxen und Klamotten bereiten die Eltern schon am Vorabend vor. Womit man beim wichtigsten Punkt im Hause Dudding wäre: Organisation.
Ein Wocheneinkauf ist „einfach zu viel“
Das gilt auch fürs Einkaufen. Einmal pro Woche alles zu besorgen ist „einfach zu viel“, sagt Marco Dudding. Deshalb kauft er mittlerweile mindestens zweimal pro Woche ein. Das koste ihn jedes Mal rund 200 bis 250 Euro, sagt er.
Bei so vielen Kindern ist es aber sicherlich nicht immer leicht, jeden Geschmack zu treffen. „Wir haben mittlerweile gesagt, wir können nicht mehr auf jeden Rücksicht nehmen“, sagt Marco Dudding. Die Eltern achten aber darauf, dass jeder mal sein Lieblingsessen bekommt. Was – wie bei den meisten Kindern– immer geht: Spaghetti mit Tomatensoße, Pizza und Fischstäbchen. Von letzteren brauchen die Duddings rund sechs Packungen. Insgesamt werden bestimmt 75 bis 90 Fischstäbchen verdrückt, schätzt der 45-Jährige. Um diese zuzubereiten sind drei Backbleche notwendig.
Auch bei Nudeln reicht für die Großfamilie keine Packung – eher zwei Kilo. Und Pizza könne man „nur in Etappen“ zubereiten, sagt Marco Dudding. Für selbstbelegte wandern fünf bis sechs Bleche in den Ofen, bei der Tiefkühlvariante gibt es für die kleinen Kinder vier Packungen Mini-Pizzen und für die älteren jeweils eine große Pizza.
Eltern fahren viele Kilometer für Hobby der Kinder
Viel aufwendiger als Einkaufen und Kochen ist allerdings, alle Aktivitäten der Kinder unter einen Hut zu bekommen. „Wir sind ständig am Fahren“, sagt Marco Dudding. In den Familien-Kalender tragen die Eltern jeden Termin sorgfältig ein, um den Überblick zu behalten. Am Samstag oder Sonntag setzen sie sich zusammen, um den Ablauf der Woche zu besprechen. Die Eltern schätzen, dass sie allein 500 Kilometer pro Woche zurücklegen, um ihre Kinder von A nach B zu fahren.
In Deutschland entscheiden sich nur wenige für eine so große Familie. Die meisten Frauen bekommen ein bis zwei Kinder. Familien mit drei oder mehr Kindern machten laut Mikrozensus-Daten des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2024 lediglich 13 Prozent aus.
Ab dem siebten Kind haben Eltern die Möglichkeit, eine Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten zu beantragen. Das haben auch die Duddings getan. Neben einer Urkunde haben sie ein Patengeschenk von 500 Euro vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck erhalten. Die Zahl dieser Patenschaften ist deutlich gesunken: 2014 waren es noch 600, 2025 lediglich 277.
Die meisten Reaktionen auf die Großfamilie sind respektvoll
Auch die Duddings sind in keiner so großen Familie aufgewachsen. Marco Dudding hat einen Bruder, seine Frau drei Geschwister. Die 43-Jährige erinnert sich gut daran, dass sie auch als sechsköpfige Familie manchmal schief angeschaut wurden. Das ist heute zum Teil nicht anders.
Zwar seien die meisten Reaktionen auf die 16-köpfige Familie respektvoll und positiv. Dennoch glaubt Jessica Dudding, dass manche schnell Vorurteile im Kopf hätten – etwa, dass die Familie vom Staat lebe oder es genauso zugehe wie bei der bekannten TV-Großfamilie „Die Wollnys“. Doch so ist ist es nicht. Für die 43-Jährige gilt grundsätzlich, egal ob keins, zwei oder sehr viele Kinder: „Leben und leben lassen.“
Ungefähr die Hälfte der monatlichen Ausgaben der Familie decke das Kindergeld ab. Das erhalten die Duddings aktuell für 13 Kinder, was rund 3300 Euro ausmacht. Dazu kommen Kinderzuschlag und Wohngeld. Insgesamt – mit den Einkommen der Eltern – lebe die Familie von einem „hohen vierstelligen Betrag“, sagt Marco Dudding. Der 45-Jährige arbeitet Vollzeit. Am Paketzentrum der Deutschen Post in Regensburg überwacht er die Transporte, managt den Fuhrpark und teilt die Fahrer ein. Auch seine Frau arbeitet bei der Post – als Zustellerin. Sie ist aber aktuell in Elternzeit. Beide bezeichnen ihren Arbeitgeber als „sehr familienfreundlich“.
Vier Ladungen Wäsche fallen täglich an
Zuhause ist Jessica Dudding rund um die Uhr gefordert. „Allein fürs Wäsche waschen könnte ich jemanden einstellen.“ Rund vier Ladungen werden in den zwei Maschinen täglich gewaschen, sagt sie. Teilweise beneide sie ihren Mann für die Abwechslung durch seine Arbeit. Der sagt: „Manchmal komme ich entspannter aus der Arbeit nach Hause, als ich morgens hier ankomme.“
Große Urlaube hat die Familie bisher kaum gemacht. In der Vergangenheit verbrachte sie oft Zeit in der Heimat von Marco Dudding in der Nähe von Kaiserslautern. Letztes Jahr stand jedoch der erste größere Urlaub an der Nordsee an. Möglich wurde das durch das Erholungswerk Post Postbank Telekom e. V. Dieses vermittelt und organisiert vergünstigte Urlaubs- und Reiseangebote für aktive und ehemalige Beschäftigte der Deutschen Post, Deutschen Telekom, Deutschen Bank sowie deren Tochtergesellschaften. Heuer fahren die Duddings mit ihren voll besetzten VW-Bussen an die Ostsee.
Ob sie sich noch weitere Kinder vorstellen können? Marco Dudding sagt: „Schauen wir mal.“