Babyglück hoch drei: Ambergerin wünschte sich zweites Kind – Jetzt halten sie vier Mädels auf Trab

Drillingsschwangerschaften sind selten. Doch Jacqueline Ullmann aus Amberg traf nach ihrer ersten Schwangerschaft ein unverhoffter Kindersegen: 2022 hat die 38-Jährige Rosalie, Tessa und Fiona zur Welt gebracht. Seitdem steht bei der vierfachen Mutter „alles über Kopf“.
Drei Kinder zur Tagesmutter bringen, eines in den Kindergarten, dann zur Arbeit hetzen, später die Kinder wieder abholen und mit ihnen zum Kinderturnen. Am Abend, wenn der Mann Zuhause ist, verlässt Jacqueline Ullmann noch einmal das Haus – für ihren 520-Euro-Job. Anschließend ein paar Stunden Schlaf und der eng getaktete Tagesablauf beginnt von vorne. 2022 hat die 38-jährige Ambergerin Drillinge zur Welt gebracht. Seitdem ist in ihrem Leben Zeit eine kostbare Ressource.
Schon von außen ist zu hören: Bei den Ullmanns ist was los. Die Drillingsmädchen Rosalie, Fiona und Tessa toben mit ihrer großen Schwester Josephine (5) im Wohnzimmer. Spielfiguren, Haarreifen und ein regenbogenfarbener Krabbeltunnel liegen herum. Immer wieder zieht ein Kind etwas Neues hervor, das schlussendlich bei all den anderen Sachen auf dem Boden landet. „Es ist wahnsinnig schön, wie sie miteinander umgehen“, sagt Jacqueline Ullmann. Und auch wenn sie ahnt, dass sie nachher wieder Einiges aufzuräumen hat: In ihrem Gesicht spiegelt sich das Glück über die vier Töchter wieder.
1000 Gedanken schossen der Ambergerin durch den Kopf
Mit Drillingen hat die Ambergerin nicht gerechnet, als sie sich nach Töchterchen Josephine noch ein Kind wünschte. „Es sind Zwillinge“, war die erste Nachricht ihrer Frauenärztin. Schon da überkam die Ambergerin ein Gefühlsmix aus Freude und Schock. Als ihre Ärztin dann anfügte, „da ist noch etwas – vielleicht aber auch eine Gewebewölbung“, sei ihr im ersten Moment in den Kopf geschossen: „Hoffentlich ist es eine Gewebewölbung.“
Doch das war es nicht. Der 38-Jährigen schossen 1000 Gedanken durch den Kopf: Schaff ich das? Wie wird sich mein Leben verändern? „Ich habe mal gelacht, mal geweint“, sagt sie heute. Ihr Mann Klemens dagegen dachte zuerst an etwas ganz anderes: „Wir brauchen ein neues Auto.“
Drillingsschwangerschaften sind „sehr selten“, sagt Angela Köninger, Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Klinik St. Hedwig in Regensburg. Die Wahrscheinlichkeit einer Drillingsschwangerschaft auf natürlichem Weg liege bei 1:1000. Einfluss darauf können Hormontherapien oder künstliche Befruchtungen nehmen. Jedoch setze man heutzutage nur noch selten drei Embryonen ein, sagt Köninger. Deshalb sei die Wahrscheinlichkeit auch bei einer künstlichen Befruchtung „im Bereich der natürlichen“.
Ullmann hatte Schwangerschaftsübelkeit „mal drei“
Jacqueline Ullmann ist durch eine künstliche Befruchtung schwanger geworden. Auch Josephine hat sie auf diesem Weg bekommen. Damit die Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft steigt, wurden ihr zwei Eizellen eingesetzt. Eine hat sich noch einmal geteilt – daraus entstanden Fiona und Tessa. Eineiige Zwillinge.
Drei Kinder auszutragen, ist ein körperlicher Kraftakt. Doch trotz ihrer Autoimmunerkrankung Morbus Crohn und einer Schwangerschaftsübelkeit „mal drei“ beschreibt die 38-Jährige diese Monate als „Bilderbuch“-Zeit. Erst in der 36. Woche kamen die drei Mädchen per Kaiserschnitt zur Welt. Normalerweise werden Drillinge rund acht Wochen vor dem errechneten Geburtstermin geholt – und meist per Kaiserschnitt, sagt Köninger.
Seit sie mit den Drillingen die Entbindungsstation verlassen hat, steht im Leben der Ambergerin. „alles über Kopf“. Denn so glücklich sie die Familie macht – es bedeutet auch großen Stress. Vor allem aus finanziellen Gründen arbeitet Ullmann wieder dreimal die Woche in einem Reisebüro. Die Drillinge sind währenddessen bei einer Tagesmutter. Stundenweise geht sie einem weiteren Nebenjob in einem Fitnessstudio nach.
Manchmal wird es der vierfachen Mutter zu viel
An manchen Tagen kommt die 38-Jährige aber an ihre Grenzen. „Es gibt immer wieder Momente, in denen ich am Limit bin“, sagt sie. Um außerhalb der Arbeitszeit für die Kinder da zu sein, stellt sie ihre eigenen Interessen hinten an. Ein einziges Mal hätten sie und ihr Mann Klemens seit der Geburt der Kinder etwas zu zweit unternommen. Das Problem: Kaum jemand aus dem Familien- oder Freundeskreis traut sich zu, auf alle vier Kinder aufzupassen.
Deshalb hätte sich die Ambergerin mehr Unterstützung gewünscht – vor allem von behördlicher Seite. Die Bemühungen und Anträge hätten ihr aber letztlich nur Zeit und zusätzliche Nerven geraubt, sagt sie. Aber immerhin: Die Anmeldungen im Kindergarten haben geklappt. Ab September haben alle Mädels einen Platz.
Eine große Stütze sei zudem der Mehrlingsverein ABC-Club. Hier tauscht sich die Ambergerin gerne mit anderen Müttern aus, nimmt zusammen mit ihren Kindern an Ausflügen teil und berät in der Funktion als bayerische Landesvertretung mittlerweile andere Mütter.
Kinder sind eng miteinander verbunden
Und noch eine große Stütze gibt es: Die fünfjährige Josephine. Voller Stolz erzählt Ullmann, wie gut sich das Mädchen auf die herausfordernde Situation eingestellt hat. „Wir können uns glücklich schätzen, dass die Drillinge sie als große Schwester haben.“ Josephine sei sehr genügsam, was bei der 38-Jährigen aber auch manchmal für ein schlechtes Gewissen sorgt. Einmal pro Woche verbringe die Fünfjährige deshalb einen besonderen Tag allein mit einem Elternteil.
Aber auch bei den Drillingen gibt es den quälenden Gedanke, dass sie womöglich nicht jedem Kind ausreichend gerecht wird. Solo-Zeit ist kaum möglich. Noch nicht. Und so, wie die Drillinge gerade miteinander spielen, lachen und auch mal weinen, hat man eh den Eindruck: Am Glücklichsten sind sie im Trio.