Familienglück in Unterneukirchen: Drillinge feiern ersten Geburtstag nach schwieriger Schwangerschaft

Die Drillinge Noel, Matteo und Avilian haben das Leben ihrer Eltern Regina Greb-Halewizki und Artur Greb ordentlich auf den Kopf gestellt. Im neuen Teil unserer Serie „,Mein neues Leben“ erzählt die Familie aus Unterneukirchen (Landkreis Altötting) von der schwierigen Schwangerschaft mit einem Happy End.
Zwei Linien auf einem Schwangerschaftstest haben das Leben von Regina Greb-Halewizki (28) und ihrem Mann Artur Greb (31) ordentlich auf den Kopf gestellt. Denn statt einem Baby im Bauch entdeckte der Arzt beim Kontrolltermin drei. Eine Reise ins Ungewisse, voller Höhen und Tiefen, begann. Heute blicken die jungen Eltern aus Unterneukirchen (Landkreis Altötting) erleichtert auf die Zeit zurück – erleichtert, weil alles gut gegangen ist und sie vor Kurzem den ersten Geburtstag ihrer drei Buben feiern konnten.
Große Überraschung beim zweiten Kontrolltermin
So eilig hätten sie es mit dem Kinderwunsch gar nicht gehabt, als sie im Juni vor zwei Jahren geheiratet haben. „Auf unserer Hochzeitsreise auf Bali haben wir darüber gesprochen, dass wir es vielleicht einfach mal probieren wollen“, erzählt Regina Greb-Halewizki. Dass sie nur kurze Zeit später im Oktober einen positiven Test in den Händen halten würden, davon ahnten die beiden nichts.
Beim ersten Kontrolltermin im Dezember war der kleine Noel auch schon zu sehen. In der zwölften Schwangerschaftswoche folgte der zweite Kontrolltermin – und dieser brachte die schockierend-freudige Nachricht: Zusätzlich zu Noel hatten sich eineiige Zwillinge eingenistet.
Am Abend und in den darauffolgenden Tagen strömten die Gedanken auf das junge Paar ein: neue Wohnung, größeres Auto, alles in dreifacher Ausführung. Doch das alles rückte schnell in den Hintergrund. „Dann kam die Angst. Wir machten uns natürlich große Sorgen, ob alles passen wird“, sagt die 28-Jährige.
Viele Arzttermine und schlechte Nachrichten
Da man mit Mehrlingen als Risikoschwangere eingestuft wird, standen sofort viele wechselnde Arzttermine an – beim Frauenarzt und im Perinatalzentrum in Traunstein. Aber es waren keine guten Nachrichten, die die werdenden Eltern ereilten. Nach einer ersten Verdachtsdiagnose stand fest, dass der kleine Avilian, der sich mit seinem Zwillingsbruder eine Plazenta teilte, schlechtversorgt wurde.
„Es hieß sogar, dass teilweise gar keine Versorgung stattfindet. Daher wurden wir über einen Fetozid aufgeklärt.“ Doch die Tötung des Kleinen hätte auch fatale Folgen für seine beiden Geschwister haben können. „Blutungen, Wehen, Abgang. Sie hätten alle sterben können.“ Wäre Avilian aber im Bauch gestorben , hätte das wiederum zu Komplikationen, sogar zum Tod des eineiigen Bruders führen können. So oder so war das Risiko hoch. „Also haben wir beschlossen, nicht zu intervenieren. Es war eine natürliche Schwangerschaft und dann sollte auch alles seinen natürlichen Weg gehen.“
„Schwangerschaft war purer Stress“
Die darauffolgenden Monate waren ein Auf und Ab der Gefühle und geprägt von Hoffnung und niederschmetternden Aussagen. „Die Schwangerschaft war purer Stress.“ Doch die junge Mutter ließ sich nicht unterkriegen.
In der 18. Woche folgte die nächste Hiobsbotschaft: „Die Pränatalärztin sagte uns, dass Avilian nicht mehr gewachsen sei und unter Stress stehe, weil er nicht ausreichend versorgt werde.“ Um eine zweite Meinung einzuholen, kontaktierte die Tögingerin ihre Tante, die als Gynäkologin im Klinikum Passau arbeitet. Diese verwies ihre Nichte an Dr. med. Veronika Beck, Leitende Oberärztin der Pränataldiagnostik am Klinikum Passau, die die Diagnosen aus Traunstein bestätigte.
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„Es bestand eine Drillingsschwangerschaft mit einem unabhängig versorgten Kind sowie zwei Kindern, die sich eine Plazenta teilten“, erklärt diese. Einer dieser eineiigen Brüder war Avilian, der beim Teilen das kleinere Plazentastück bekommen hatte. „Sein Wachstum und seine Versorgung waren bereits eingeschränkt.“ Das größte Risiko in dieser Situation sei das plötzliche Versterben des betroffenen Kindes, was über die gemeinsame Plazenta zur schweren Schädigung oder Tod auch des eineiigen Geschwisterkindes führen könne. „Da noch keine Lebensfähigkeit bestand, konnten wir die Kinder nicht auf die Welt holen und wollten auch eine extreme Frühgeburtlichkeit mit allen Risiken für die drei Jungen soweit möglich vermeiden.“
Bei komplizierten Mehrlingsschwangerschaften müsse in einer solchen Situation darüber aufgeklärt werden, dass ein selektiver Fetozid die Chancen für die überlebenden Kinder verbessern kann. „Manchmal ist es die einzige Option, um nicht alle Kinder zu verlieren“, betont Dr. Beck. „Ein ruhiges, vertrauensvolles und offenes Miteinander sind hier extrem wichtig, da zu diesem Zeitpunkt niemand weiß, wie die Schwangerschaft ausgehen wird.“
Paar entschied sich gegen Eingriff
Nachdem sich das Paar gegen den Eingriff entschieden hatte, wurden die Drillinge engmaschig überwacht. „Die geteilte Plazenta ist in diesem Fall nicht nur ein Nachteil für das schlechter versorgte Kind: Über die Gefäßverbindungen zum eineiigen Geschwisterchen können unterversorgte Kinder auch deutlich länger zurechtkommen, als dies bei Einlingsschwangerschaften der Fall wäre. Dies war zum Glück auch bei Avilian so.“
Seine Lage stabilisierte sich im weiteren Verlauf der Schwangerschaft. Jedes neue Grammziel wurde gefeiert und die jungen Eltern fieberten der 24. Woche entgegen, der Woche, in der die Drillinge eine Überlebenschance gehabt hätten, wenn sie geboren worden wären.
„Wir waren sehr erleichtert. Ab der 27. Woche waren die Überlebenschancen sogar schon sehr gut“, erzählt die Drillingsmama. Zu diesem Zeitpunkt war Regina bereits stationär im Passauer Klinikum aufgenommen worden. „Dort konnte ich zum ersten Mal in der Schwangerschaft entspannen.“
Geburt kurz vor Pfingsten
Kurz vor Pfingsten war es dann so weit. Damit die Drillinge sicher und mit der ärztlichen Versorgung auf die Welt kommen konnten, die sie benötigen, wurde der Kaiserschnitt geplant. Als hätten die drei das im Bauch ihrer Mama gespürt, platzte am Abend vorher eine Fruchtblase. „Wir haben dann trotzdem noch bis zum nächsten Tag gewartet, aber die Nacht habe ich mit Wehenhemmern im Kreißsaal verbracht“, erinnert sie sich.
Am 28. Mai 2024 um 13 Uhr holte dann ein 18-köpfiges Team ihre drei Buben in der 31. Schwangerschaftswoche. Avilian hatte 888 Gramm, Matteo 1275 Gramm und Noel 1495 Gramm, ihnen allen ging es gut. Aber bis sie nach Hause durften, vergingen noch einmal sieben Wochen. „Sie waren in der ersten Zeit noch in Inkubatoren untergebracht, aber ich konnte sie trotzdem für ein paar Stunden halten.“
Einblicke auf Instagram
Daheim angekommen, standen neue Herausforderungen an. „Aber Artur war viel da, er hatte Elternzeit und zudem arbeitet er quasi nur vier Tage die Woche.“ Im Werk in Gendorf ist der 31-Jährige aus Altötting beschäftigt – und arbeitet in Zwölf-Stunden-Schichten. Dazu halfen ihre Eltern aus Töging, die auch noch jetzt eine große Unterstützung sind. Besonders die ersten Monate waren hart. „Ich habe allein an die 19 Stunden am Tag gestillt.“ Doch mittlerweile sind sie ein eingespieltes Team. Nur die Wohnung wird auf Dauer zu klein. „Daher suchen wir auch aktuell ein Haus.“
Einblicke in das Leben mit Drillingen gibt Mama Regina auf dem Instagram-Kanal greb_drillis. Von Anfang an nahm sie Leute mit auf ihre Reise – nun sind es rund 14.500 Follower. „Das hat mir sehr geholfen. Ich hab dadurch andere Mütter kennengelernt, die Ähnliches erlebt haben. Genauso bekomme ich viel Feedback, dass ich wiederum anderen helfe.“ So stehe man gegenseitig im Austausch und helfe sich durch hoffnungsvolle, chaotische aber auch freudige Zeiten.
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