Gewerbegebiet an der A93: Noch vor der Sommerpause Thema im Teublitzer Rat?

Um ein Thema, das für Teublitz (Landkreis Schwandorf) nahezu überlebenswichtig zu sein schien, ist es auffällig ruhig geworden: das Gewerbe- und Industriegebiet an der Anschlussstelle zur A93. Doch wer aus der Funkstille schlussfolgert, die Stadt habe das Vorhaben eventuell aufgegeben, irrt. Das Projekt genießt unverändert hohe Priorität. Im Hintergrund wird das heiße Eisen weiter geschmiedet.
Zuletzt war das Gewerbe- und Industriegebiet im Januar 2025 auf der Agenda einer Stadtratssitzung zu finden. Zu Erinnerung: Schon 2014, also vor über zehn Jahren, hatte die Stadt ein Konzept für die Ausweisung eines Gewerbegebiets neben der Autobahn entwickelt. Seinerzeit sollte es Edeka zur Ansiedlung einer Getränkeabfüllanlage dienen. Das Projekt stieß jedoch bei Bürgern auf so heftigen Widerstand, dass es gekippt wurde. Das Gewerbegebiet selbst war aber nicht gestorben.
War Euphorie nach Urteil in 2021 doch verfrüht?
Mitte 2021 beschloss der Stadtrat die Planung in einem 21 Hektar großen Waldgebiet. Umweltschützer stufen das Areal wegen des robusten Baumbestands als besonders wertvoll ein und liefen Sturm. Unterstützt vom Bund Naturschutz (BN), strengte der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) eine Normenkontrollklage an – und bekam vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) Recht. Der Bebauungsplan wurde im Oktober 2021 für unwirksam erklärt. LBV und BN interpretierten die Entscheidung aus München als möglicherweise wegweisend für das ganze Land.
Doch Bürgermeister Thomas Beer (CSU) ließ sich dadurch nicht beirren. Wenige Tage nach dem Urteil teilte er mit, die Stadt werde die richterliche Entscheidung zwar akzeptieren, aber er sei davon überzeugt, dass sich die festgestellten Mängel durchaus beheben ließen.
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In mehreren Sitzungen wurde seitdem deutlich, dass das Gewerbegebiet unverändert nicht nur der Wunsch der CSU-Fraktion ist, sondern der breiten Mehrheit des Rats. Der Grund: Teublitz benötige dringend Flächen, auf denen sich neue Betriebe ansiedeln oder bestehende Firmen expandieren könnten. Die Stadt und ihre Bürger würden dadurch auf vielfältige Weise profitieren – zum Beispiel durch Steuereinnahmen oder Arbeitsplätze vor Ort.
Der Zeitplan der Kommune ist längst überholt
Apropos: Während des Wahlkampfs spielte das Vorhaben keine besondere Rolle. Meist wurde es eher beiläufig erwähnt. Das mag daran liegen, dass sich die Parteien in dieser Angelegenheit weitgehend einig sind. Ein weiterer Grund aber dürfte sein, dass sich die Hausaufgaben, die die Planer und Gutachter zu erledigen haben, doch als umfangreicher und zeitraubender erwiesen, als zunächst vermutet. Daher gab es kaum Neues zu berichten.
Thomas Stegerer, Pressesprecher der Stadtverwaltung, will dieser These nicht widersprechen. Er bestätigte auf Anfrage, dass der ursprüngliche Zeitplan längst überholt ist. Das sei aber nicht tragisch. Vorrang habe die Sorgfalt. Teublitz benötige einen Plan, der niet- und nagelfest sei. Schließlich müsse man davon ausgehen, dass Gegner erneut den Klageweg beschreiten würden.
Eine lange Liste anspruchsvoller Hausaufgaben
Vor vier Jahren hatte die Verwaltung in einer Bürgerinformation ihr weiteres Vorgehen skizziert. Demnach hätte es bereits bis 2024 gelingen sollen, die Schwachstellen zu beheben. Auf der Agenda standen unter anderem eine Änderung des Landschaftsplans, die Bestandsaufnahme und Bewertung des Zustands von Natur und Landschaft, die Neubearbeitung der Artenschutzunterlage, ein Abgleich des hydrogeologischen Gutachtens mit Wirkungsprognose sowie eine Überarbeitung des schallschutztechnischen Gutachtens.
Vieles ist mittlerweile tatsächlich erledigt, aber eben nicht alles. Aktuell, so bestätigte Pressesprecher Stegerer, arbeiten Fachleute am Themenkomplex Erschließung, wobei auch die Ausstattung mit Glasfaserkabeln eine wichtige Rolle spielt. Turbo-Internet soll es im neuen Gewerbegebiet auf alle Fälle geben, versicherte Stegerer. Die aktuellen Probleme mit dem Telekommunikationsanbieter Leonet spielten für den Bebauungsplan neben der A93 keine Rolle. Die Verlegung der Kabel übernehme eine Baufirma. Welches Unternehmen dann an den nächsten Schritten beteiligt sein solle, werde erst durch eine Ausschreibung entschieden.
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Möglichst im Juli, also noch vor der Sommerpause, spätestens aber im September soll das Gewerbegebiet laut Stegerer wieder auf die Tagesordnung des Stadtrats gesetzt werden. Dem gewünschten Beschluss zur „Bindung der neuen Bauleitplanung“ würde die erneute Auslegung folgen, womit Verbände wie der LBV oder der BN erneut Gelegenheit hätten, Stellungnahmen abzugeben.
Umweltverbände ziehen weiter an einem Strang
Christian Stierstorfer, Waldbeauftragter des LBV, und Harald Söll, Vorsitzender des BN im Städtedreieck, lassen keinen Zweifel, dass man weiter an einem Strang ziehe und die vorgelegten Unterlagen kritisch prüfen werde.
Aber: Während Stierstorfer demonstrativ betont, er sei zuversichtlich, dass es der Stadt nicht gelingen werde, die entscheidenden Hürden zu meistern, äußerte sich Söll vorsichtiger. Man werde sehen, wie gründlich die Experten im Auftrag der Stadt das heiße Eisen bearbeitet hätten. Je nachdem werde man sich als Umweltverband schwerer oder leichter tun, erneut eine Klage zu formulieren, die Aussicht auf Erfolg hätte. Stand heute sei es nicht völlig auszuschließen, dass die Kommune ihr Ziel doch noch erreiche.