Holpriger Start und etliche Hiobsbotschaften, doch die DJK Vilzing hat Saisonziel mehr als erfüllt

Die DJK Vilzing kann nach Ablauf der mittlerweile vierten Regionalliga-Saison auf eine hervorragende Spielzeit zurückblicken – obwohl es zunächst nicht danach ausgesehen hat. Am Ende landeten die Huthgartenkicker auf Rang fünf mit starken 51 Punkten. Damit schloss die Deutsche Jugendkraft die Saison in der vierten Liga zum dritten Mal in Folge auf einem einstelligen Tabellenplatz ab. Nur in der Premierensaison wurde es Rang 13.
Mit dem fünften Tabellenplatz konnte man auch die großen Vereine wie die U21 des FC Bayern München (8.) oder den SV Wacker Burghausen (9.) hinter sich lassen. Vor der DJK rangieren nur die Profivereine aus Nürnberg, Würzburg und Unterhaching und als erster Verein, der nicht unter Profibedingungen arbeitet, der FV Illertissen auf Platz vier.
Ein neuer Trainer und viele Langzeitverletzte
Umso beachtlicher ist diese Endplatzierung auch mit Blick auf die unglaubliche Verletztenmisere und mit Ex-Profi Thorsten Kirschbaum die Neuinstallation eines unerfahrenen Trainers. Am Anfang holperte es, auch weil sich mit Hoffnungsträger Markus Ziereis und Martin Tiefenbrunner gleich zwei wichtige Spieler noch in der Saisonvorbereitung das Kreuzband gerissen hatten. Als dann auch noch nach wenigen Spieltagen Jakob Zitzelsberger auf die Verletztenliste – ebenfalls mit Kreuzbandriss – kam, war der Worst-Case perfekt. Doch das machte Vilzing, so DJK-Trainer Kirschbaum rückblickend, erst richtig stark: „Ich glaube, wir haben immer Lösungen gefunden und haben uns das ganze Jahr Schritt für Schritt entwickelt.“
Doch bei den drei Langzeitverletzten blieb es nicht. Nach dem Winter fielen auch noch Schröder oder auch Fischer verletzungsbedingt aus. Hinzu kam die Verletzung von Özbay, sodass es personell ganz dünn wurde. Spieler aus der zweiten Mannschaft standen plötzlich auf dem Spielberichtsbogen der Regionalligatruppe und kamen auch mit zum Einsatz.
Dass es am Ende, trotz all dieser Begleitumstände, eine so erfolgreiche Saison wurde, führt der Trainer auf einen Punkt zurück: „Der Zusammenhalt in der Truppe war hervorragend und das Vertrauen untereinander sehr groß.“ Wenn Thorsten Kirschbaum das Erfolgsrezept benennen muss, sagt er: „Jeder war wichtig und hat sich gesehen gefühlt und es war einfach auf jeden Verlass.“ Denn es gab immer Spieler, die auf eine Art und Weise eine Lücke zu stopfen hatten, so der Trainer.
Dass es Platz fünf mit 51 Punkten wurde, sieht Kirschbaum nicht als Erfolg des Trainers an, sondern vielmehr der Mannschaft: „Es war am Ende eine große Teamleistung, der fünfte Platz ist mehr als beachtlich, wenn man die ganzen Gesamt-Umstände dazunimmt. Wir haben so das Saisonziel mehr als erfüllt.“ Denn wie üblich hieß das bei der DJK, den Klassenerhalt einzufahren. Dafür hätten in diesem Jahr schon 35 Punkte gereicht.
Risiko der sportlichen Leitung
Die DJK Vilzing um Abteilungsleiter Roland Dachauer ging mit der Verpflichtung von Thorsten Kirschbaum – für ihn war der Regionalligist die erste Trainerstation – in gewisser Art und Weise auch ein Risiko ein. Doch schon bei Josef Eibl, dem Vorgänger von Kirschbaum, gab der Erfolg Dachauer und der sportlichen Leitung recht. So auch diesmal. Und fragt man den Trainer nach seinem persönlichen Fazit, klingt das ganz zurückhaltend und bescheiden: „Man kommt vor und während der Saison gar nicht dazu, so darüber nachzudenken, für was es am Ende reichen könnte, man arbeitet von Woche zu Woche. Es gibt aber viele Themen, die es zu bearbeiten gibt, und man hat viele Aufgaben zu meistern.“
So traten während der 34 Saisonspiele viele verschiedene Situationen ein. Und wäre das große Verletzungspech in der Vorbereitung auf die Saison nicht schon schlimm genug gewesen, hielt der Spielplan auch noch ein hammerhartes Auftaktprogramm bereit mit der SpVgg Unterhaching und den Würzburger Kickers. Als dann auch das Pokal-Aus gegen den TSV Neudrossenfeld (4:6) folgte, startete die DJK sozusagen mit drei Niederlagen in Folge in die Pflichtspiele.

Und es ging genauso holprig weiter: mit Niederlagen in Burghausen oder daheim gegen den TSV Aubstadt. Tiefpunkt war dabei sicherlich der 19. September, als man mit 2:3 bei Viktoria Aschaffenburg verlor und man nun im Tabellenkeller feststeckte. Anschließend kam es zur legendären Zusammenkunft der Mannschaft mit dem Trainerteam, bei der man sich ein Punkteziel festlegte und die Mannschaft sich damit mehr oder weniger trainingsfreie Wochen in der Wintervorbereitung erspielen konnte. Das half, denn fortan nahm der DJK-Express Fahrt auf, mit dem „goldenen Oktober“ (vier Siege, ein Unentschieden). Rückblickend sagt der Trainer: „Wir hatten verschiedene Dynamiken drin, wo es in vielen Situationen gut gelaufen ist und in manchen Situationen einfach weniger gut.“
Arbeiten an der neuen Vilzinger Identität
Viel mehr als der fünfte Platz in der Endabrechnung freut Kirschbaum aber, dass man eine Identität aufbauen konnte und man schnell gemerkt hat, wofür die Mannschaft stehen möchte und wofür nicht. Hilfreich, so der Trainer, war da auch die ein oder andere Niederlage. Dieser Zusammenhalt und die neue Identität sind der größte Erfolg der abgelaufenen Saison und sollen auch die Basis für das nächste Jahr bilden, so Thorsten Kirschbaum.
Lobende Worte findet der Cheftrainer auch für das komplette Trainerteam, das Matthias Graf nun verlässt. „Ich kannte alle nur aus einem Gespräch im Vorfeld. Man merkt so erst während des Jahres, wie es mit der Zusammenarbeit läuft. Aber diese Zusammenarbeit war überragend. Jeder hat sich eingebracht und jeder hat sich gehört gefühlt, auch weil jeder seine Meinung vertreten durfte.“ Und auch wenn man einmal nicht einer Meinung war, was auch vorkam, so Kirschbaum, konnte man sich super austauschen, denn keiner nahm sich zu wichtig, weil jeder für die Sache gearbeitet hat.

In den kommenden zwei Wochen während der Pfingstferien gönnt sich auch der Trainer Ruhe, um die Akkus wieder aufzuladen. Wobei in den letzten Wochen, seit der Klassenerhalt rechnerisch feststand, schon viele Vorbereitungen für das nächste Jahr, sei es Ausgestaltung des Trainingsplanes oder andere Dinge, erledigt wurden. Auch in Sachen A-Lizenz, die Kirschbaum derzeit nebenbei absolviert, herrscht derzeit etwas Ruhe.
Wenn es dann wieder losgeht, wird man viele Schwerpunkte aus der abgelaufenen Saison wieder mit einbauen, denn man habe nun über das Jahr gemerkt, was gut gelaufen ist und was weniger. „Wir sind kein Profiverein, wir haben nur eine begrenzte Anzahl an Trainingseinheiten zur Verfügung“, so der Trainer. Hier gebe es immer noch Luft nach oben. In der kommenden Saison soll versucht werden, weitere Details einzubauen.
Daumen drücken aus der Ferne für den Stadtrivalen
Und dann hat Thorsten Kirschbaum noch ein weinendes Auge, wie er zugibt, denn in seinen Familienurlaub in Italien fallen die beiden Relegationsspiele des ASV Cham zur Regionalliga. „Ich hätte es mir sehr gerne vor Ort angeschaut, aber das geht nun leider nicht.“ Allerdings sichert der Trainer dem Rivalen mentale Unterstützung zu. „Ich werde es definitiv am Handy mitverfolgen. So ein Derby im nächsten Jahr zu haben, hätte für den Landkreis und die Region einen besonderen Reiz.“
Und egal, welcher Gegner es am Ende werden wird für den ASV, sagt der DJK-Trainer einen heißen Tanz voraus, bei dem er den Rot-Weißen natürlich die Daumen drückt.
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