Wenn die Relegation eine Wundertüte ist: Sportlicher Leiter Michael Plänitz erklärt Gemütszustand des ASV Cham

Der ASV Cham bereitet sich auf den Ausnahmezustand vor, denn zum ersten Relegationsspiel um den Aufstieg in die Regionalliga am Freitag, 29. Mai, um 18.30 Uhr rechnet man mit knapp 3000 Zuschauern. Diese Zahl sieht Chams Sportlicher Leiter Michael Plänitz im Gespräch mit unserer Zeitung nicht als Utopie an. Er erklärt, warum er sich gewünscht hätte, dass die Mannschaft nicht so lange warten muss auf das erste Spiel.
Aus Kapazitätsgründen hat man sich bei den Rot-Weißen dazu entschieden, das „Wohnzimmer“ Kappenberger-Sportzentrum im Quader, wo man in den vergangenen zwei Jahren nur zwei Heimniederlagen kassierte (Eltersdorf und Ingolstadt II), zu verlassen und ins Stadion in der Further Straße zu wechseln.
Noch wissen die Chamer nicht, auf wen sie treffen werden, was die Vorbereitung nicht gerade einfacher macht. Wenn die Partie am 29. Mai angepfiffen wird, liegt das letzte Pflichtspiel der Rot-Weißen schon knapp drei Wochen zurück. Denn am letzten regulären Spieltag der Bayernliga Nord hatten sie spielfrei.
Deswegen, so Michael Plänitz, habe man insgeheim schon darauf gehofft, dass man schon am 19. Mai, es wäre der vom Verband angesetzte Termin gewesen, hätte spielen dürfen. „Wir haben natürlich am Samstag ganz gebannt auf die Spiele in Vilzing und in Aschaffenburg geschaut und dann am Sonntag noch einmal nach Fürth“, so Chams Sportlicher Leiter.
Vilzing hat die U23 der SpVgg Greuther Fürth bezwungen. Hätte Aschaffenburg gleichzeitig die „kleinen Bayern“ geschlagen, wäre es egal gewesen, wie Fürth in der Zweiten Liga gespielt hätte. Die U23 der SpVgg wäre abgestiegen und der Gegner hätte Aschaffenburg geheißen.
Am Sonntag kam es anders: Die erste Mannschaft des Kleeblattes rettete sich auf den Relegationsrang. „Wir waren natürlich schon extrem niedergeschlagen am Sonntag“, sagt Plänitz. Denn damit war klar, dass man noch zwei Wochen auf das Spiel warten muss. „Das ist natürlich alles andere als einfach momentan“, so Plänitz.
Ab kommender Woche wird wieder trainiert
Er macht kein Hehl daraus, dass der ein oder andere Spieler urlaubsmäßig etwas geplant hat oder jetzt gerade im Urlaub ist. Verdenken könne man das den Spielern nicht. Aktuell ruht der Trainingsbetrieb bei den Chamern. Die Spieler seien angehalten, diese Woche individuell zu trainieren, ehe sie in der kommenden Woche wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen. „Die Jungs sollen etwas den Kopf vom Fußball frei bekommen“, erklärt Plänitz die Maßnahme. Die beiden möglichen Gegner Greuther Fürth II und Viktoria Aschaffenburg kennt man mittlerweile auch schon, da man die SpVgg schon unlängst beobachtet hatte. Von Aschaffenburg haben die Chamer mittlerweile gutes Videomaterial erhalten. Umgekehrt werde es genauso sein.
Als Nachteil will es Michael Plänitz indes nicht sehen, dass seit dem letzten ASV-Spiel drei Wochen vergangen sind: „Wir hätten uns gewünscht, dass es schneller losgeht. Es ist natürlich schade, wenn man drei Wochen nicht im Rhythmus ist. Es kann aber auch ein Vorteil sein, weil unsere Spieler dann wieder fit sind. Wir nehmen es jetzt einfach an, dass wir zu hundert Prozent wieder da sind, wenn es losgeht.“
Und noch einen Vorteil hat Plänitz ausgemacht, wie er sagt, denn die beiden möglichen Gegner wissen noch nicht einmal, ob sie spielen dürfen und müssen den Trainingsbetrieb aufrechterhalten. „Die haben auch ein Dilemma, mit dem sie kämpfen müssen.“
Bleibt die Frage offen: Lieber gegen die U23 der SpVgg Greuther Fürth oder die Viktoria aus Aschaffenburg? Denn beim ASV Cham dürfte man wohl wenig Interesse daran haben, ein zweites Donaustauf zu erleben. Zu jener Zeit wurde der Bayernligist am Fuße der Walhalla in der Saison 2021/2022 von der U23 der SpVgg Greuther Fürth, die massiv aufgerüstet wurde für die beiden Spiele, mit 0:6 und 0:4 regelrecht überrollt.
„Wir haben diese Thematik auf dem Schirm. Gefühlt ist Greuther Fürth einen Tick stärker einzuschätzen, weil man einfach nicht weiß, wie viele Spieler sie runterziehen können und werden.“ Heißt im Umkehrschluss – der ASV Cham wird am Freitag, 22. Mai, und Dienstag, 26. Mai, noch einmal ganz genau hinschauen, was die erste Mannschaft des Kleeblatts in der Relegation gegen Rot-Weiß Essen macht. Denn man braucht kein Fußballprophet zu sein, um vorherzusagen, dass, wenn sich das „große Kleeblatt“ in der Zweiten Bundesliga hält, man das „kleine Kleeblatt“ nicht sich selbst überlässt und Gefahr läuft, es an die Bayernliga zu verlieren.
Lieber Greuther Fürth II oder Viktoria Aschaffenburg?
Das sieht auch Plänitz so: „Man muss einfach schauen, wer aller spielberichtigt sein wird.“ So eine zweite Mannschaft sei sehr schwer zu bespielen. Neben den personellen Möglichkeiten sieht er noch einen Vorteil: „Denen ist es egal, wann und gegen wen sie spielen, denn sie trainieren sowieso jeden Tag.“ Sollte der Gegner Viktoria Aschaffenburg heißen, birgt dies auch große Gefahr: „Die sind eigentlich sportlich abgestiegen und bekommen in zwei Spielen doch noch einmal die Möglichkeit und werden so alles in die Waagschale werfen.“ So hält es Plänitz pragmatisch: „Wir können es sowieso nicht ändern, so wie es kommt, kommt es einfach.“ Um das größte Spiel der jüngsten Vereinsgeschichte vor einer großen Zuschauerkulisse austragen zu können, verlassen die Chamer das Kappenberger Sportzentrum und gehen ins Stadion in der Stadt. Ist der „Heimvorteil“ da nicht dahin? „Wir haben es nicht von jetzt auf gleich entschieden und alle mit einbezogen. Wir haben abgewägt – mit dem Platz, der nicht in gutem Zustand ist, und der begrenzten Zuschauerkapazität.“ Hinzu komme die Parkplatzsituation.
„Eigentlich hatte ich zu Beginn gesagt, wir müssen im Quader spielen, weil das unser Wohnzimmer ist“, so Plänitz. Zuletzt trainierte die Mannschaft an der Further Straße, und man kam zum Entschluss, ins Stadion zu wechseln. Ob man am Ende aufsteigt oder nicht, will Plänitz gar nicht an der Stadionfrage festmachen, sondern vielmehr daran, ob es die Chamer schaffen, ihre Leistung abzurufen. Mit dem großen Stadion sind ganz andere Zuschauerzahlen (Kapazität 3400) möglich. Deshalb appelliert Plänitz an alle Fußballfans im Landkreis: „Es wäre natürlich schon cool, wenn wir an die 3000 Zuschauer herankommen könnten und das Stadion voll ist.“
Kurz-Infos zum Regionalliga-Relegationsspiel
Termin: Der ASV Cham spielt am Freitag, 29. Mai, um 18.30 Uhr die erste Relegationspartie gegen den Tabellen-16. der Regionalliga. Als Bayernligist hat der ASV zunächst Heimrecht. Das Rückspiel ist Dienstag, 2. Juni, 18.30 Uhr.
Gegner: Der Tabellen-16. der Regionalliga Bayern steht erst nach Abschluss der Relegation zur 2. Bundesliga fest. Sollte die SpVgg Greuther Fürth in der Relegation zur 2. Bundesliga die Klasse halten, würde die SpVgg Greuther Fürth II Chams Gegner sein, steigt die SpVgg Greuther Fürth in die 3. Liga ab, würde die SV Viktoria Aschaffenburg den 16. Platz einnehmen und Greuther Fürth II in die Bayernliga absteigen.
Kartenvorverkauf: Bei der Fa. K+B Expert Fachmarkt in Cham in der Rodinger Straße (an der Kasse im Eingangsbereich).
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