Cham: Eine Stadt, knapp 17.500 Einwohner – und bald zwei Regionalligisten?

Es steht bereits fest: Der ASV Cham wird die diesjährige Saison in der Bayernliga Nord mindestens als Tabellenzweiter abschließen. Damit hat sich die Mannschaft beste Chancen auf die Regionalliga gesichert – und könnte gemeinsam mit der DJK Vilzing für ein seltenes Fußball-Phänomen sorgen.
Zwischen dem Manfred-Zollner-Stadion im Chamer Stadtteil Vilzing und dem Kappenberger Sportzentrum in der Kreisstadt beträgt die Entfernung wenige Kilometer, das kann man getrost auch radeln. Beste Voraussetzungen also für hitzige Derbys zwischen dem ASV Cham und der DJK Vilzing. Diese fanden in der jüngeren Vergangenheit auch regelmäßig statt, zuletzt in der Bayernliga; dann glückte der DJK bekanntlich im Mai 2022 der Aufstieg.
Nun könnte es in der Regionalliga, der vierthöchsten Spielklasse Deutschlands, in der nächsten Saison erneut zu einem Aufeinandertreffen beider Klubs kommen. Mit einem 6:2 (4:1)-Sieg sicherte sich der ASV Cham am Samstag vorzeitig den zweiten Tabellenplatz in der Bayernliga Nord – und das, obwohl die Elf von Faruk Maloku am letzten Spieltag spielfrei ist.
Hier lesen Sie den Spielbericht zum 6:2-Sieg des ASV Cham
Die Besonderheit: Sollte sich der ASV Cham für die Regionalliga qualifizieren, würden zwei Mannschaften aus dem etwa 17 500 Einwohner zählenden Cham in der kommenden Saison in der vierten Liga spielen: durchaus ein Kuriosum und eine echte Seltenheit im deutschen Fußball. In Ballungsräumen wie München, Berlin oder Köln ist es gang und gäbe, dass mehrere Vereine einer Stadt gleichzeitig in höheren Ligen vertreten sind – aber dort verteilt sich die Fußballlandschaft eben auch auf Millionenstädte und ein dementsprechendes Umfeld. Andererseits gibt es extrem kleine Standorte wie den Regionalligisten Aubstadt (1400 Einwohner) – allerdings nur mit einem Verein. Aber Cham wäre aktuell die kleinste Stadt, die zwei Regionalligisten beherbergen würde – sofern der ASV den Aufstieg schafft.
Jahrzehntelang höherklassig
Für die Chamer wäre es beileibe nicht die erste Zugehörigkeit zur vierten Liga. Ab den 1950ern kickte der Traditionsverein knapp 13 Jahre in der zweithöchsten deutschen Liga (II. Division Süd) sowie im Anschluss daran jahrzehntelang in den damaligen vierten und fünften Ligen (Bayernliga, Landesliga), bevor es 2008 nach unten in die Bezirksoberliga ging. Unfreiwillige Schützenhilfe bekam die Bayerwald-Truppe übrigens vom ASV Neumarkt. Die Mannschaft von Coach Sven Zurawka, die selbst Aufstiegsambitionen gehegt hatte, unterlag am Samstag dem Spitzenreiter Eltersdorf mit 0:3. Somit lautet die Tabellenkonstellation vor den letzten zwei Spieltagen: Eltersdorf (30 Spiele, 51:28 Tore, 61 Punkte) gefolgt vom ASV Cham (31/58:34/59) und dem Drittplatzierten ASV Neumarkt (30/60:48/53).
Da Cham allerdings im direkten Vergleich mit Neumarkt die Oberhand hat (0:0, 2:0), kann die Maloku-Truppe nicht mehr vom Relegationsrang verdrängt werden - im Gegenteil: Patzt Eltersdorf zweimal und Cham in seinem letzten Spiel nicht, wäre sogar noch die ASV-Meisterschaft drin.