Dreh für große TV-Serie in Regensburg: „Noch viel zu wenig“ Komparsen – Das erwartet Bewerber

Das letzte große Rätsel um Sherlock Holmes wird (auch) in Regensburg gelüftet. Mitte Juni reist eine internationale Filmcrew an, um Teile einer sechsteiligen TV-Serie über Arthur Conan Doyles Meisterdetektiven zu drehen. Dafür braucht es 600 Komparsen. Nach wie vor werden Bewerber gesucht. Was erwartet sie?
„Wir suchen Menschen jeden Alters, ganz egal ob mit oder ohne Kameraerfahrung.“ So rührte die Komparsen-Agentur Producers Friend Ende April die Werbetrommel für den Dreh von „The Death of Sherlock Holmes“ in Regensburg. Bewerbern winken 140 Euro Tagesgage und Verpflegung – dazu „spannende Momente vor und hinter der Kamera“. Wer mitmacht, könne hautnah miterleben, wie so eine aufwendige, historische Produktion entstehe.
Um die 800 Menschen haben sich daraufhin beworben. „Noch viel zu wenig“, sagt Marc Körber, Geschäftsführer von Producers Friend. Zwar seien „nur“ 600 Tageseinsätze zu besetzen, doch nicht jeder Bewerber habe auch wirklich Zeit, wenn er gebraucht werde. „Es ist ein einziges Jonglieren von Verfügbarkeiten.“
Location für Dreharbeiten in Regensburg geheim: „Wollen keinen Set-Tourismus“
Die Dreharbeiten finden Körber zufolge von 15. Juni bis 15. Juli statt – „an historischen Locations, die zur Handlung passen“. Wo genau in Regensburg gedreht wird, das dürfe er nicht sagen. Auch die Stadt gibt dazu keine Auskunft. „Wir wollen keinen Set-Tourismus“, sagt Körber. Nur so viel: Das, was in Regensburg eingefilmt wird, unter anderem Hotel- und Kneipenszenen, spielt in der Serie in der Schweiz.
Dort, an den Reichenbachfällen im Kanton Bern, ist Sherlock Holmes Ende des 19. Jahrhunderts in der Kurzgeschichte „Das letzte Problem“ vermeintlich zu Tode gekommen. Die historische Krimi-Serie beleuchtet, was in der Zeit geschehen ist, bevor der Detektiv in London wieder auftauchte. Um in die Zeit zu passen, werden die Komparsen verkleidet. Genau das mache den Charme aus, wirbt Körber. „Man schlüpft richtig in die Rolle. Das ist faszinierend. Alles muss perfekt sein.“ Teils würden den Komparsen sogar die Haare geschnitten. „Aber dafür gibt es Zuschläge.“
600 Komparsen, das seien schon „ordentlich viele“, sagt Körber, der mit seiner Agentur schon über 1300 Serien und Filme betreut hat, auch die Dreharbeiten für den Kinofilm „Ein fast perfekter Antrag“ 2024 in Regensburg. Bei einem Tatort genügten beispielsweise 150, wobei die Zahl von Drehbuch zu Drehbuch variiere.

Für den Serien-Dreh in Regensburg sucht Körber weiterhin Menschen von jung bis alt – besonders aber „Castingmuffel“: Männer zwischen 30 und 50 Jahren. „Die sind immer besonders Mangelware. Meistens bewerben sich mehr Frauen.“ Interessierte können sich auf der Website oder in der App der Agentur registrieren. „Man erstellt sich eine Online-Setcard“, erklärt Körber.
„Ich habe mich über die App beworben“, berichtet ein Regensburger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will – schließlich ist auch er unterrichtet worden, dass alle Infos top secret seien. Drei Fotos (Gesicht, Profil und Ganzkörperaufnahme) musste der Anfang-30-Jährige hochladen, dazu Informationen zu Alter, Körper und besonderen Merkmalen ausfüllen. „Man kann alles angeben, sogar ob man eine Katze hat“, sagt er.
Sky-Serie wird in Regensburg gedreht: Komparsen werden angeschrieben
Mitte vergangener Woche haben die ersten Bewerber Anfragen bekommen. Am Mittwoch ploppte auf dem Handy des Anfang-30-Jährigen eine Nachricht auf. Er erhielt rudimentäre Informationen zu seiner angedachten Rolle und zu dem Kostüm, das er während eines zehnstündigen Drehs an einem bestimmten Tag im Juli tragen soll. Wenn alles passt, könnte er als Double vor der Kamera stehen.
Es handle sich noch um keine verbindliche Buchung, wurde der Regensburger in der App unterrichtet. Sagt er zu, schlägt ihn die Komparsen-Agentur der Produktion vor. Die entscheidet dann final.