Nach Blitzbesuch von Aiwanger: Keine schnelle Lösung für Neustädter Mahle-Werk in Sicht

Der Kampf um die Arbeitsplätze beim Autozulieferer Mahle ist bis nach München vorgedrungen. Kurzfristig hatte deshalb am Donnerstag Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger das Werk in Neustadt a.d. Donau im Landkreis Kelheim besucht, um mit dem Management und der Belegschaftsvertretung des Mahle-Werks über die Zukunft des Standorts und seiner Beschäftigten zu sprechen. Der große Durchbruch ist dabei nicht gelungen.
Zwar erklärte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) nach dem Gespräch: „Die geplante Schließung des Werks in Neustadt schmerzt. Dennoch prüfen wir, welche Perspektiven es für diesen Mahle-Standort und die Beschäftigten noch gibt.“
Eine direkte Fortsetzung der bisherigen Produktion über die geplante Schließung des Werks im nächsten Jahr hinaus scheint aus Sicht des Minister aktuell keine Option zu sein. Aiwanger erklärte: „Im Gespräch sind sowohl neue Produkte, bei Produkten in Richtung Erneuerbarer Energien hätten wir sogar bessere staatliche Förderungsmöglichkeiten. Auch mehr Automatisierung einer künftigen Produktion würde Vorteile bringen.“ Anschließend stellte der Minister klar: „Wir brauchen auf alle Fälle neue Geschäftsideen.“ Dabei wies er auch auf die Nähe zur Bayernoil-Raffinerie hin, wo Wärme für Produktionsprozesse bereit stünde, was eine „klare Standortchance“ sei. Aiwanger betonte: „Wir haben hier fleißige Mitarbeiter und es wäre ein Armutszeugnis, wenn wir für diese Menschen keine Perspektive in der Region fänden.“
Landrat und Bürgermeister äußern sich zu Mahle
Landrat Christian Nerb (FW) fasste sich nach dem Besuch, an dem er mit Neustadts Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) teilgenommen hatte, kurz. „Gemeinsam mit Bürgermeister Memmel bin ich bemüht, das Blatt noch zu wenden und habe den Standort Mahle in Neustadt a.d.Donau noch nicht ganz abgeschrieben“, teilte er auf Anfrage dieser Zeitung mit.
Neustadts Bürgermeister stellte klar, dass aktuell „ noch keine Lösung am Tisch“ liege. Memmel wies aber auch darauf hin, dass sich nach dem Gespräch am Donnerstag eine neue Konstellation ergeben habe. „Jetzt ist Mahle am Zug“, stellte er gegenüber der Mittelbayerischen fest.
IG Metall erhöht den Druck mit unbefristetem Streik
Ähnlich äußerte sich Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg. Er sagte: „Das Unternehmen ist jetzt gefordert.“ Mahle müsse Alternativen zu einer Schließung vorlegen. Ansonsten betonte Irmischer, das Gespräch zwischen der Geschäftsführung, dem Betriebsrat und den Vertretern der IG Metall sei „intensiv“ gewesen.
Greifbare Ergebnisse gibt es damit auch nach dem Besuch von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nicht, für die Beschäftigten bleibt die Unsicherheit der Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze bestehen. Die Gewerkschaft will deshalb jetzt den Druck auf das Mahle-Management mit einem unbefristeten Streik erhöhen. 98,4 Prozent der stimmberechtigten IG Metall-Mitglieder hatten in der Urabstimmung in dieser Woche für den Streik gestimmt. „Dieses grandiose Ergebnis unterstreicht den Zusammenhalt und die Entschlossenheit der Beschäftigten“, sagte Irmischer. Der Streik beginnt am Dienstag um 14.15 Uhr. Peter Meier, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der IG Metall-Verhandlungskommission, beschreibt die Stimmung unter den rund 400 Mitarbeitern: „Die Beschäftigten fühlen sich vom Unternehmen verschaukelt und im Stich gelassen. Doch wir wehren uns.“