Nach Urabstimmung: Erzwingungsstreik bei Mahle in Neustadt startet kommenden Dienstag

Mit großer Mehrheit haben die Beschäftigten von Mahle in Neustadt an der Donau im Landkreis Kelheim für einen unbefristeten Streik gestimmt. 98,4 Prozent der stimmberechtigten IG Metall-Mitglieder votierten in der Urabstimmung für den Erzwingungsstreik. Das geht aus einer Pressemitteilung der IG Metall hervor. Betroffen sind unter anderem die Kunden von BMW, Porsche, Volvo und Jaguar-Landrover.
Die IG Metall will damit den Druck auf die Konzernleitung erhöhen, um die von Mahle beabsichtigte Schließung des Standorts abzuwenden und Gespräche über belastbare Zukunftsplanungen für das Werk in Neustadt zu führen.
„Dieses grandiose Ergebnis unterstreicht den Zusammenhalt und die Entschlossenheit der Beschäftigten und gibt uns starken Rückenwind für den Arbeitskampf“, sagt Rico Irmischer, erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg über die Urabstimmung. Der Streik beginnt am kommenden Dienstag, 26. Mai, um 14:15 Uhr mit einer Streikkundgebung.
Die IG Metall fordert für den Standort und seine über 400 Beschäftigten einen Zukunftstarifvertrag oder einen Sozialtarifvertrag. In der vergangenen Woche kündigte das Unternehmen die Schließung des Standorts im ersten Halbjahr 2027 an. „Wir akzeptieren den Schließungsbeschluss nicht, sondern kämpfen für die Arbeitsplätze der Beschäftigten. Dafür werden wir den Betrieb ab Dienstag dauerhaft zum Stillstand bringen“, stellt Irmischer klar.
Kunden BMW, Porsche, Volvo und Jaguar-Landrover betroffen
Mahle produziert in Neustadt Klimaanlagen für Autos aller Antriebsarten für die Kunden BMW, Porsche, Volvo und Jaguar-Landrover. Das Unternehmen will das Neustädter Werk in die Slowakei verlagern, obwohl es profitabel ist. Die IG Metall hat nach eigenen Angaben detaillierte Konzepte vorgelegt, um das Werk in Neustadt auch langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen – auch im Vergleich zum Werk im slowakischen Senica. Doch das Unternehmen sei auf diese Ideen nicht eingegangen und habe auch keine eigenen Alternativen entwickelt.
Aiwanger besucht Werk am Donnerstag
Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott sagt: „Das Mahle-Management gibt ein erschreckendes Bild ab. Das Unternehmen stellt nur Forderungen an die Politik und die IG Metall, unternimmt selbst aber keine Anstrengungen, um heimische Arbeitsplätze und Standorte zu sichern. Mahle will einfach raus aus Deutschland. Dafür werden sie jetzt den Widerstand der Beschäftigten spüren. Mahle legt sich mit der gesamten IG Metall an.“
Am heutigen Donnerstag besuchte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger kurzfristig den Neustädter Standort für einen Austausch mit Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall. Irmischer berichtet: „Es war ein intensives Gespräch, in dem es auch darum ging, ob Alternativen zu einer Schließung denkbar sind. Das Unternehmen ist jetzt gefordert, endlich in diese Richtung aktiv zu werden. Mit unserem Streik werden wir ab Dienstag auch den wirtschaftlichen Druck auf Mahle erhöhen.“