Aus für Mahle in Neustadt – 350 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit

Von Jochen Dannenberg · 12. Mai 2026 um 17:55

Jahrelang kämpften Gewerkschaft und Betriebsrat um den Erhalt des Mahle-Werks in Neustadt a.d. Donau (Landkreis Kelheim). Dienstagmittag verkündeten Manager des Konzerns, dass der Standort geschlossen werden soll. 350 festangestellte Mitarbeiter verlieren damit ihren Arbeitsplatz. Die IG Metall rief die Belegschaft zu einem 24-stündigen Streik auf.

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Der Streik war geplant, aber so hatte sich die Gewerkschaft das nicht vorgestellt. Die IG Metall wollte lediglich den Druck auf die Konzernleitung erhöhen, um die Mahle-Manager zu Gesprächen über die Zukunft des Standorts Neustadt zu bewegen. Bei einer Informationsveranstaltung der Geschäftsführung am Dienstag im Neustädter Werk zeigte sich, dass es aus Sicht der Konzernleitung keine Zukunft mehr für die 350 Mitarbeiter gibt.

Produktion soll schrittweise reduziert werden

Mahle plant danach, die Produktionslinien in Neustadt, auf denen hauptsächlich Klimageräte für Premium-Pkw produziert werden, ab Ende 2026 schrittweise herunterzufahren und die Belegschaft entsprechend zu reduzieren. Die vollständige Schließung soll im ersten Halbjahr 2027 erfolgen, heißt es in einer Mahle-Pressemitteilung. Und weiter: „Das Unternehmen wird Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern zum Interessensausgleich und Sozialplan aufnehmen – mit dem Ziel, möglichst sozialverträgliche Lösungen zu finden.“

Viele Mitarbeiter hatten diesen Schritt befürchtet, doch die Nachricht traf die Beschäftigten am Ende unerwartet. „Es tut weh, es ist schlimm“, sagte ein Mitarbeiter kurz nach Ende der Info-Veranstaltung dem Reporter vorm Werkstor. Andere sagten einfach nur „Scheiße“. Viele kämpften mit den Tränen. Die Menschen waren fassungslos. Ein Mann, ein gestandenes Mannsbild, fand kaum Worte. „Das ist nicht nachvollziehbar“, sagte er nur.

Auch Wut ist bei den versammelten Beschäftigten dabei

Etliche Beschäftigte haben ein Leben lang bei Mahle gearbeitet und ihr Leben darauf aufgebaut. „Ich arbeite seit 39 Jahren in diesem Betrieb“, sagte eine Frau. Eine andere: „Ich bin jetzt 59 Jahre alt und mein ganzes Leben bei Mahle. Wer nimmt mich in dem Alter noch?“

Es ist auch Wut dabei, als sich die Beschäftigten vorm Werkstor versammeln. „Wir haben alles für die Firma gemacht, aber die Firma dankt uns nicht“, schimpft eine Frau. Ein Mann stimmt ihr zu und fragt: „Wie soll es jetzt nur weitergehen?“

Bisweilen sind ganze Familien von der Werksschließung betroffen. Ein Ehepaar, das bei Mahle arbeitet, hat sich bei der Protestkundgebung der Gewerkschaft im Anschluss an die Info-Veranstaltung umarmt. Sie hielten sich gegenseitig fest.

Die Nachricht von der Schließung traf die Mitarbeiter unerwartet. - Foto: Jochen Dannenberg

Das Ende des Betriebes in Neustadt ist aus Sicht der Konzernleitung das Ergebnis wirtschaftlicher Überlegungen: „Aufgrund auslaufender Kundenaufträge bei gleichzeitig rückläufigen Marktentwicklungen sowie des zuletzt stark gewachsenen Kostendrucks von asiatischen Wettbewerbern in Europa kann der Standort sein Umsatzniveau nicht mehr halten. Das macht einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb unmöglich“, teilt Mahle mit.

Widerstand gegen die Schließung angekündigt

Mit Blick auf die vier Jahre dauernden Verhandlungen über die Zukunft des Standorts Neustadt wirft der Betriebsratsvorsitzender Christian Neumeier der Konzernleitung dagegen „Geheimniskrämerei und Lügen“ vor.

Gewerkschaft und Betriebsrat kündigen ihren Widerstand gegen die Schließung an. „Dass der Arbeitgeber den Beschäftigten offen die Schließung ihres Werks ankündigt, ist ein Skandal“, erklärt Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg. „Gleichzeitig zeigt dieser massive Streikstart, dass die Rechnung des Managements nicht aufgeht. Das Werk steht komplett still – und die Beschäftigten werden sich mit aller Kraft gegen diese Schließungspläne wehren.“ Die Gewerkschaft plant in den nächsten Tagen eine Urabstimmung über einen Streik. Der Streik dürfte unbefristet sein.

Seit Dienstagnachmittag ist die Belegschaft von Mahle im Streik. - Foto: Jochen Dannenberg