Zwei Monate nach der Kommunalwahl ist die Wahl vor allem ein heiteres Thema

Von Jochen Dannenberg · 12. Mai 2026 um 11:00

Der Wahlkampf ist vorbei. Wer gewonnen und verloren hat, steht fest. Doch für eine Nachlese ist es nie zu spät – zum Beispiel beim CSU-Maibockfest. Und weil das nichts anderes als ein Starkbierfest ist, war der Bürgersaal ausverkauft und das Maibockfest war ausverkauft.

Es war das vierte Maibockfest der CSU und die Leute kommen gerne. Die Eintrittskarten waren im Nu vergriffen und beim Fest selbst, am Samstagabend, waren die Plätze schon lange vor Beginn besetzt. So ein Starkbierfest ist nämlich mehr als Bier und gutes Essen. Es ist auch ein Fest, bei dem es wichtig ist, dabei zu sein und gesehen zu werden. Wohl auch deshalb war die CSU-Prominenz des Landkreises – Altlandrat Martin Neumeyer, MdL Petra Högl und Bezirksrätin Hannelore Langwieser – vertreten. Ansonsten aber galt: Nur wer vom Festredner oder im Singspiel erwähnt, besser: derbleckt, wird, gehört wirklich dazu. Alles andere ist beinahe eine Strafe.

Günter Schweiger, einst als Starkbierredner bei der Dorfbühne Schwaig zu Ehren gekommen, zögert nicht lange, begrüßt die Gäste und sorgt gleich für die ersten Lacher, als er auch die wenigen von der SPD mit einem Bibelzitat begrüßt: „Liebet eure Feinde, tut wohl denen, die euch nicht so mögen.“ Benzinpreise, Donald Trump und den Bundeskanzler streift er und läuft sich warm für das, worauf die 260 Besucher des Maibockfestes warten – das lokale Geschehen, die Kommunalwahl.

„Niemand wird gezwungen, eine Minderheit zu sein“

Das Publikum hört gebannt zu, versteht auch die Doppeldeutigkeiten und applaudiert, als es zum Beispiel um Stadtrat Gerhard Karrer, die Taubenplage in der Innenstadt und die „harten Eier“ geht, die man braucht, um die Taubenplage zu bekämpfen. Nicht anders, als Schweiger erklärt, dass die Sexpuppe in der Abens womöglich „der Dannenberg von der MZ reingeschmissen hat, ja der muss auch schauen, wie er täglich sein Blatt vollbringt“.

Zum schlechten Wahlergebnis der SPD bei der Kommunalwahl in Neustadt hat Schweiger tröstliches für die Genossen parat: „Ganz ehrlich, das habt ihr nicht verdient. Vor allen Dingen wenn man berücksichtigt, wer profitiert hat. Aber a bisserl seid ihr schon selber schuld. Letztes Jahr habe ich euch die Zusammenarbeit mit der CSU bereits einmal angeboten. Aber ihr seid euren eigenen Weg gegangen.“ Und weiter: „Liebe SPD-Freunde, der Freistaat Bayern ist eine Demokratie. Kein Mensch wird gezwungen, eine Minderheit zu sein. Ein jedweder hat das Recht, sich zur Mehrheit zu bekennen. Darum: Ihr seid alle herzlich bei uns in der CSU willkommen.“

Schweiger spitzt die Dinge zu, übertreibt und blödelt auch gerne. So auch beim Dauerthema Hallenbad, bei dem die SPD im Wahlkampf vehement für den bisherigen Standort an der Schule gekämpft hat, aber eine andere Entscheidung bereits getroffen wurde. Dazu gibt es nun eine weitere Initiative – einen Tunnel von der Grundschule zum Hallenbad.

Prompt erscheint eine Gruppe Bauarbeiter mit Hacke und Laterne auf der Bühne, die bereits mit den Arbeiten für den Tunnel beschäftigt ist. Sie stellen sich als Bergbauspezialisten aus dem Erzgebirge vor, die schon an bekannten Großprojekten wie Stuttgart 21 beteiligt war, in Neustadt aber falsch abgebogen sei. „Da sind wir in einer Ortschaft rausgekommen, es sah aus wie bei uns vor der Wende. Sittling.“ Das Publikum lacht.

Im Friseursalon kommen die Wichtigen zusammen

Und so werden unter anderem auch Bürgermeister Thomas Memmel, der den Abend moderiert, die neue Stadträtin Rita Schultes, Bernhard Rieger und der frühere Stadtpfarrer Monsignore Johannes Hofmann bedacht. Besonders gewürdigt werden die Stadträtin Ursula Brandlmeier (CSU), Bürgermeisterkandidat Roland Artinger (SPD) und Stadtrat Anton Stadler (CSU).

Im Singspiel kommen sie alle in Artingers Friseursalon zusammen: Artinger schneidet nach der gescheiterten Kandidatur wieder Haare, Ursula Brandlmeier macht zwecks Suche nach einer neuen Aufgabe ein Praktikum bei ihm, der Bürgermeister braucht eine neue Frisur und sein Stellvertreter hüpft ständig um ihn herum, um ihn zu beschützen und sich einzumischen. Schließlich wird die Lage verzwickt. Der Bürgermeister der Partnerstadt Recoaro Terme trifft ein, Partnerschaftsreferent Anton Stadler muss übersetzen, doch dessen Sprachkenntnisse sind (in dem Stück) nicht die besten, es kommt zu allerlei Verwicklungen.

Hier lässt Günter Schweiger die Geschichte einfach laufen, das Publikum lacht. Nicht einmal, sondern oft an diesem Abend. Und am Ende denken viele Zuschauer: Das Singspiel war noch besser als die Rede.

Das vierte Maibockfest ist ein Erfolg. Und es hat sich weiter entwickelt. Es wurde behutsam modernisiert. Für die Musik sorgte neben den Grenzstoarucka auch die Combo De Dry, die eher bei Schlagern und Jazz zuhause ist, was auch beim Fest zu erleben war. Auf der Bühne bewiesen mit Anna-Lena Ostler, Philipp Amesreiter und Philipp Deiner drei neue Mandatsträger ihr schauspielerisches Talent.

Das waren die Mitwirkenden: Veranstalter: CSU-Ortsverband Neustadt a.d. Donau; Begrüßung und Moderation: Bürgermeister Thomas Memmel; Festrede, Texte und Regie: Günter Schweiger. Sketch: Darsteller waren Anna-Lena Ostler, Philipp Amesreiter und Philipp Deiner.

Singspiel: Die Darsteller waren Manuel Thoma, Christian Liedl, Sebastian Mayer, Esther Beringer, Michael Hartl, Stefan Guttenberger, Rebecca Liedl, Wolfgang Maier. Weitere Mitwirkende: Die Musik kam von den Grenzstoarucka, De Dry sowie Antonia Mayer und Elena Forster; Liedtexte: Antonia Mayer; Ausstattung, Frisuren und Make up: Maria Schweiger.