Mit ein paar Kindern begann es - Bald hat die Ganztagsbetreuung 435 Plätze

Einst endete die Schule pünktlich jeden Mittag. Was die Schulkinder danach machten, war Aufgabe der Eltern. Das ist lange vorbei. Mit Beginn des nächsten Schuljahres haben nämlich alle Grundschulkinder einen Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung. Was das für die Stadt bedeutet, wurde jetzt im Hauptausschuss des Stadtrats deutlich.
Dabei wurde auch deutlich, wie sehr sich die Ganztagsbetreuung in Neustadt a.d. Donau im Laufe der Jahre verändert hat. Waren es im Schuljahr 2007/2008 nach viel Werbung gerade einmal 50 Kinder, die sowohl an der Grundschule als auch an der Mittelschule von der AWO betreut wurden, waren es im Schuljahr 2024/2025 bereits 200 Kinder.
Im vorigen Schuljahr wurde das Angebot weiter ausgebaut, Kai e.V. betreute damit 250 Kinder. Künftig werden es nochmals deutlich mehr Plätze in der Ganztagsbetreuung werden. Nach Berechnungen der Stadtverwaltung sind 435 Plätze zum neuen Schuljahr nach den Sommerferien erforderlich.
Aktuell erfolgt die Betreuung in Form der offenen Ganztagsbetreuung (OGTS) in Kurz- und Langgruppen sowie in gebundenen Ganztagsklassen. Hierfür werden sowohl Räumlichkeiten im Erdgeschoss des früheren Postamts, im Untergeschoss der Grundschule und in der Mittelschule genutzt.
Betreuung auch in den Ferien gesichert
Das neue Gesetz, das dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zugrunde liegt, wird nicht nur die Zahl der benötigten Plätze steigern. Das Angebot beschränkt sich nicht nur auf die Unterrichtszeiten, Betreuungsplätze müssen auch in Ferienzeiten vorgehalten werden. Maximal darf die Betreuung daher nur an 20 Tagen geschlossen sein.

Um alle Kinder unterzubringen, hat die Stadt das frühere Postamt erworben. Außerdem werden bei der Erweiterung der Grundschule Räume für die OGTS eingeplant.
Eine Alternative zur Ganztagsbetreuung könnte die Einrichtung eines Horts sein. Wesentlicher Nachteil des Horts sind aus Sicht der Stadtverwaltung die höheren laufenden Kosten. Zudem ist das Hortangebot mit Elternbeiträgen verbunden. Dies könne, so Kämmerer Markus Englert in der Sitzung des Hauptausschusses, zu „Einschränkungen in der sozialen Gerechtigkeit“ führen, da sich eher einkommensstärkere Familien einen Hort leisten können, während andere Familien voraussichtlich auf die kostenfreie OGTS ausweichen müssen.
Darüber hinaus handelt es beim Hort um eine Einrichtung, die räumlich nicht an die Schule angegliedert ist. Zudem besteht beim Hort keine Beförderungspflicht der Kinder, was jedoch bei der OGTS gegeben ist.
Postgebäude kann günstig umgebaut werden
Bürgermeister Thomas Memmel erklärte den Unterschied zwischen den beiden Betreuungsmodellen in der Sitzung denn auch so: „Einen Hort muss man sich vorstellen wie einen Kindergarten für Schulkinder. Es ist eine komplett eigenständige Einrichtung.“
Das hat weitere Auswirkungen. Die Schaffung zusätzlicher Plätze kann durch den Umbau des ehemaligen Postgebäudes kostengünstiger umgesetzt werden als der Neubau eines Horts.
Auch deshalb fiel die Entscheidung des Ausschusses erwartungsgemäß aus. Der Bedarf von 435 Ganztagsbetreuungsplätzen wurde anerkannt. Als vorrangige Betreuungsform soll die offene Ganztagsbetreuung fortgeführt werden. Der Ausbau von Hortplätzen wird nicht weiterverfolgt.
Mindestens sechs Wochen in den Ferien werden durch Angebote wie die Akrobatikwoche, Abenteuertage, Theaterwoche und die Spielwoche abgedeckt. Rückendeckung bekommt das Gremium insoweit auch von der Leitung der Grundschule. Sie hat sich für einen vorrangigen Ausbau der OGTS ausgesprochen, da diese Betreuungsform für alle zugänglich sei und somit aus soziale Sicht als ausgewogener erscheine.
