Fast wie ein Sechser im Lotto - Beim Dorffest gibt es die legendären Schweinshaxn

Von Jochen Dannenberg · 10. Mai 2026 um 15:00

Wer es deftig mag, sollte sich den Feiertag Christi Himmelfahrt („Vatertag“, 14. Mai) im Kalender ankreuzen. Dann findet im kleinen Dorf Sittling nämlich wieder das Dorffest statt und ganz oben auf der Speisekarte stehen die legendären Schweinshaxn. Sicher ist dabei vor allem eines: Die Haxn werden vermutlich auch in diesem Jahr als erstes ausverkauft sein.

Die Schlangen der wartenden und hungrigen Besucher bei der Essensausgabe in Sittling gehören zum festen Zeremoniell des Dorffestes. Man muss Geduld haben, bis man eine Haxn auf den Teller bekommt. Das liegt nicht am fehlenden Einsatz der Sittlinger, es liegt schlicht an der Nachfrage nach der deftigen Kost.

Um die Mittagszeit ist die am höchsten. Dann wollen 500, 600 Personen gleichzeitig bewirtet werden. Das sind dreimal so viele Menschen, wie Sittling Einwohner hat. Dem Ansturm der hungrigen Besucher stehen aber „nur“ 50, 60 Einwohner gegenüber, sagt Anton Stadler, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr des kleinen Ortes. Die Feuerwehr organisiert seit über 50 Jahren das Dorffest und viele Einwohner helfen beim Fest mit.

Stadler weiß: „Verhungert ist bei uns noch keiner, aber ob jeder eine Haxn bekommt, ist, ehrlich gesagt, fraglich.“ Das Haxnessen gleicht einem Glücksspiel, einer Lotterie. Wer zu spät kommt, geht leer aus. „Zu spät“ bedeutet: „Wer um 12 Uhr kommt, ist zu spät dran“, erklärt Anton Stadler. Rechtzeitiges Kommen ist also besonders wichtig. Und für die, die eine der letzten Haxn ergattern, ist das fast wie ein Sechser im Lotto.

Wer es nicht rechtzeitig schafft, kann sich auch an anderen Schmankerln satt essen. Es gibt wie bei anderen Festen in Bayern auch Steaks und verschiedene Würstl. Dennoch gilt das Interesse der Gäste vor allen den Haxn. Was deren Geheimnis ausmacht, erklärt ein jeder, der sie probiert hat, anders. Man muss wohl einfach dabei gewesen sein.

Sicher ist jedoch, dass sie auch in diesem Jahr in einem großen Backofen gebacken werden. „Und seit 35, 40 Jahren sind sie bei uns angesagt“, sagt Anton Stadler. Anfangs habe man beim Dorffest vor allem Fisch gegrillt, danach habe man auf „normale Grillware“ und schließlich auf die Haxn gewechselt, erzählt er.

Sie haben für das Alleinstellungsmerkmal des Sittlinger Dorffestes gesorgt. Weit und breit stehen sie bei keinem anderen Fest derart im Mittelpunkt des kulinarischen Interesses. Der Feuerwehrvorsitzende freut sich: „Die Begeisterung ist ungebrochen.“