Droht beim Autozulieferer Mahle in Neustadt ein unbefristeter Streik?

Die Auseinandersetzungen zwischen der IG Metall und dem Autozulieferer Mahle gehen in die nächste Runde. An diesem Mittwoch und Donnerstag führt die Gewerkschaft bei Mahle eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik durch. Die IG Metall reagiert damit auf die Ankündigung des Unternehmens, den Standort Neustadt im Landkreis Kelheim im ersten Halbjahr 2027 zu schließen. Vorige Woche hatte es bereits einen 24-stündigen Streik im Neustädter Werk gegeben.
Für den Standort und seine über 400 Beschäftigten fordert die IG Metall einen Zukunftstarifvertrag oder einen Sozialtarifvertrag. Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, macht klar: „Wir akzeptieren den Schließungsbeschluss nicht. Die Beschäftigten werden für ihre Zukunft und ihre Arbeitsplätze kämpfen. Wenn es sein muss, legen sie den Betrieb dauerhaft lahm.“
Mahle will die Produktion von Klimaanlagen für Autos aller Antriebsarten von Neustadt a.d. Donau in die Slowakei verlagern, obwohl das Werk in Neustadt nach Gewerkschaftsangaben profitabel sei. Die IG Metall habe Konzepte vorgelegt, um das Werk in Neustadt auch langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen – auch im Vergleich zum Werk Senica.
Aus Sicht der Gewerkschaft „besonders pikant“: Um das Neustädter Werk möglichst schnell zu schließen, wolle Mahle die Produktion für den Kunden Volvo vorübergehend komplett von Neustadt nach China verlagern, von wo die Produkte dann zurück nach Deutschland und in die Volvo-Werke in Schweden und Belgien transportiert werden sollen. Langfristig soll die gesamte Produktion in die Slowakei gehen, muss dort aber erst noch aufgebaut werden. Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott kritisiert das scharf: „Das ist Irrsinn. Die IG Metall tut alles, um heimische Industriearbeitsplätze zu halten, und ein traditionsreiches deutsches Unternehmen denkt sich solche dreisten Konstrukte aus. Genau um so ein schamloses Gebaren zu stoppen, brauchen wir Local-Content-Regeln. Mahle hat damit die Sozialpartnerschaft aufgekündigt. Deshalb schaltet die IG Metall jetzt in den Kampfmodus.“
Im Februar hatte Mahle den gemeinsamen Zukunftsprozess für den Standort mit der IG Metall und dem Betriebsrat gebrochen, indem Mahle sich im Alleingang um einen Verkauf des Betriebsgeländes und der Werkshallen bemüht hatte. Daraufhin führte die IG Metall mehrere Warnstreiks durch und verhandelte dreimal ergebnislos mit dem Arbeitgeber über Zukunftsperspektiven. In der vergangenen Woche erhöhte die IG Metall den Druck mit einem 24-Stunden-Warnstreik, der die Produktion zum Stillstand brachte.
Christian Neumeier, Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der IG Metall-Verhandlungskommission, schildert die Stimmung der Belegschaft: „Die Beschäftigten sind empört über die anfängliche Hinhaltetaktik des Arbeitgebers und jetzt den eiskalten Schließungsbeschluss. Aus dieser Wut wächst Kraft, Solidarität und Entschlossenheit. Ich bin überzeugt: Wir werden ein glasklares Votum für einen Erzwingungsstreik bekommen und dann den Laden hier dichtmachen.“