Tröstlicher Ausflug für Gewerkschafter zum Dämmstoffwerk Rygol in Painten

Von Martina Hutzler · 18. Mai 2026 um 19:00

Die geplante Schließung des Mahle-Werks in Neustadt war ein beherrschendes Thema beim diesjährigen Gewerkschaftsempfang des Landkreises Kelheim. Gewissermaßen als Gegenmodell erlebten die Teilnehmenden den Gastgeber des Empfangs, das Paintner Unternehmen Rygol Dämmstoffe.

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Bedrückt und mit Bedauern äußerten sich Landrat Christian Nerb und DGB-Kreisvorsitzender Willi Dürr über die Nachricht, dass Mahle sein Werk in Neustadt schließen will. Beide freuten sich demgegenüber aber, dass mit der Firma Rygol Dämmstoffe in Painten ein „krisensicheres Unternehmen“ als Gastgeber des Empfangs fungierte. Einfach sei die Lage aktuell zwar nicht, bekannte dessen Geschäftsführer Reinhard Pfaller; aber es gebe trotzdem Wachstumsperspektiven für das Familienunternehmen.

Familientradition – bei den Chefs und beim Personal

Gut 120 Menschen arbeiten am Paintner Stammsitz des Dämmstoff-Herstellers Rygol; weitere rund 110 im zweiten Werk im sächsischen Lauta. In Painten gibt es Beschäftigte, die teils seit Jahrzehnten im Werk tätig sind, und regelrechte „Familientraditionen“, für das Familienunternehmen zu arbeiten.

Diese Verwurzelung in der Region, das Denken in langfristigen Perspektiven bei dem Hersteller von Polystyrol-Dämmstoff und eine gute Zusammenarbeit mit Rathaus und Landratsamt sind nach Ansicht Dürrs Indizien dafür, „dass das Unternehmen auf lange Sicht gesichert ist“.

Für den Gewerkschafter und früheren Paintner Bürgermeister war es bereits die 32. Ausgabe dieses vom Landkreis ausgerichteten Empfangs, den Dürr einst selbst mit initiiert hatte. Eine Tradition, die der neugewählte Landrat Christian Nerb versprach fortzusetzen. Nerb nutzte die Gelegenheit zum Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern von DGB und Einzelgewerkschaften, Beamtenbund, Betriebs- und Personalräten, KAB und Betriebsseelsorge sowie mit Geschäftsführer Reinhard Pfaller.

Dieser erklärte bei einem Rundgang übers weitläufige Werksgelände und per Präsentation, wie aus viel Luft und zwei Prozent erdöl-basiertem Rohstoff die Dämmstoffe hergestellt werden (siehe Info am Textende). Dabei habe man mit vielerorts bekannten Herausforderungen zu kämpfen, schilderte Geschäftsführer Reinhard Pfaller.

Die Gäste verfolgten den Weg vom Granulat zum fertigen Produkt. - Foto: Hutzler
Beim Vorschäumen bläht sich das Granulat bereits auf. - Foto: Hutzler
Wie in einer Backform wird das vorgeschäumte Granulat unter Hitze- und Druckeinwirkung zu Styropor-Blöcken „gebacken“. - Foto: Hutzler
Standardmaße beim Endprodukt werden r ein maschinell zugeschnitten. - Foto: Hutzler
Nach dem Schneiden werden die Einzelblöcke verpackt. - Foto: Hutzler
Für Maßanfertigungen arbeiten Menschen wie Hannan Mohamad mit Produktionsrobotern zusammen. - Foto: Hutzler
Das fertige Produkt hat viel Volumen und wenig Gewicht. - Foto: Hutzler

So hinterließ der Einbruch der Baubranche auch bei Rygol deutliche Spuren: „2025 war das härteste Jahr unserer Firmengeschichte“, das in Painten mit einer „schwarzen Null“, in Lauta mit einem negativen Ergebnis geendet habe. Pfaller sieht aber auch Überregulierungen als Hemmschuh an.

Diese träfen die Firma direkt, die sich beispielsweise mit feinen, aber wirtschaftlich bedeutsamen rechtlichen Unterschieden zwischen „Recycling“ und „Wiederverwertung“ herumschlagen müsse. Sie wirke aber auch indirekt: Die immer strengeren Zielvorgaben beim Dämmen schreckten immer mehr Sanierungswillige ab. „Mehr Augenmaß wäre besser“ und würde mehr Hausbesitzer ermuntern, mit Dämmen mal anzufangen. „Und die ersten zehn Zentimeter sind die wichtigsten beim Dämmen“ – fürs eigene Wohlfühl- und fürs Weltklima, ist Pfaller überzeugt.

In der firmeneigenen Klimabilanz stehen die ausgedehnten PV-Anlagen auf der Haben-Seite, die neben dem eigenen Strombedarf auch fürs Einspeisen reichen. Prozesswärme wird derzeit indes noch mit Erdgas erzeugt – nicht zuletzt ein bedeutender Kostenfaktor.

Hallenneubau soll kommen – aber in Etappen

Das wirtschaftlich schwierige Umfeld, aber auch das langwierige Genehmigungsverfahren bremsen das Tempo, mit dem der Geschäftsführer gerne den Bau einer Produktionshalle umsetzen würde. Die 30-Millionen-Euro-Investition werde man nun etappenweise realisieren.

Mit ihr will das Familienunternehmen, bei dem derzeit schon die nächste Generation in Richtung Startblock unterwegs ist, auch neue Produktionsmaßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit setzen. Und Pfaller selbst seinen ganz persönlichen Kampf fortsetzen, gegen „Vorurteile, die sich hartnäckig gegen EPS-Dämmstoffe halten“: etwa dass das Material nicht recycelbar, nicht diffusionsoffen und brandgefährlich sei.

Mit einer „Luftnummer“ zum Erfolg

Gründung: Nächstes Jahr hat Rygol Dämmstoffe „Geburtstag“: 1957 gründete Werner Rygol das Unternehmen in Painten. Zunächst, um dort Leichtbauplatten zu produzieren. Zwölf Jahre später erweiterte er das Portfolio um Dämmstoffe aus Styropor. Sein Sohn Michael Rygol – mittlerweile als Gesellschafter fürs Unternehmen tätig – spezialisierte den Betrieb dann auf diese Produkte. Und die bestehen zu 98 Prozent aus: Luft.

Verfahren: Entscheidender Bestandteil sind folglich die übrigen zwei Prozent: expandiertes Polystyrol (EPS), landläufig eben als Styropor bezeichnet und aus Erdöl gewonnen. Eine Vorstufe davon, stecknadelkopf-großes Granulat, wird in Painten als Ausgangsprodukt eingesetzt. Wie Hefe beim Kuchen bringt der Kohlenwasserstoff Pentan, zusammen mit Wasserdampf, das Granulat zum Aufblähen. Je länger dieser erste Schritt des „Vorschäumens“ dauert, desto leichter, aber auch weicher wird später das Produkt. Für Schritt zwei kommt das aufgeblähte Granulat in eine hochschrank-artige „Backform“. Dort lassen Hitze und Druck die Kügelchen weiter aufschäumen und zugleich aneinander haften. Heraus kommen riesige Styropor-Blöcke, die im Anschluss zugeschnitten werden, oder – in einer anderen Produktionsstraße – gleich passgenaue Platten.

Verwendung: Neben Ware in Standard-Maßen hat sich Rygol insbesondere auf Maßanfertigungen von Dämm-Material spezialisiert, das genau für die jeweilige Baustelle gefertigt wird. Die unterschiedlichen Einsatzbereiche der EPS-Produkte – von der Keller- über die Fassaden- und die Schalldämmung bis zu den verschiedenen Dachdämmungen – werden über das eingesetzte Rohmaterial und die Produktionsbedingungen angesteuert.