Alt-katholischer Pfarrer für Regensburg und Passau: „Liebe ist Liebe – aus!“

Dass Johannes Poiger die römisch-katholische Kirche nach Theologiestudium, Priesterweihe und Klostereintritt einmal verlassen würde, hätte er selbst wohl nicht gedacht – bis er sich verliebte. Die Beziehung veränderte seinen Blick auf die eigene Religion und führte ihn zu einer neuen Kirche. Seit 14. Mai ist er ihr neuer Pfarrer für Regensburg und Passau.
Herr Poiger, als Alt-Katholik sind Sie Teil einer relativ kleinen Kirche. Was ist der Unterschied zur römisch-katholischen Kirche?
Poiger: Eine Theologieprofessorin hat einmal gesagt: „Die Alt-Katholiken sind die entspannten Katholiken.“ Das hat mir gefallen. Wir feiern die Sakramente wie die römisch-katholische Kirche, haben aber Strukturen aus anderen Kirchen übernommen – etwa die Synodalität. Entscheidungen werden gemeinschaftlich getroffen.
Müssen Sie das oft erklären?
Poiger: Ja (lacht). Sehr oft. Der Name ist auch nicht gerade marketingförderlich.
Das wäre meine nächste Frage gewesen: Gibt es viele Missverständnisse?
Poiger: Schon. Andererseits kommt man dadurch ins Gespräch. Der Name wurde 1870 bewusst gewählt – als Abgrenzung zur römischen Kirche und dem damals eingeführten Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit. Unsere Gründer wollten „beim Alten“ bleiben.
Wie sind Sie persönlich zur alt-katholischen Kirche gekommen?
Poiger: Ich war bis 2020 römisch-katholischer Priester und Pater im Kloster Windberg. Der Liebe wegen bin ich aus dem Dienst ausgeschieden und dann relativ schnell alt-katholisch geworden. Gleichzeitig wurde die Pfarrstelle hier frei – das hat sich sehr schön gefügt.

Sie sagen, Sie sind der Liebe wegen ausgeschieden. Wie ist die Geschichte dahinter?
Poiger: Wir kennen uns schon seit meiner Anfangszeit im Kloster. Meine Frau Maria hatte sich damals bereits in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert. Dann hatten wir uns lange aus den Augen verloren. Später haben wir uns wiedergetroffen, als sie als Lehrerin mit einer Schulklasse nach Windberg kam. Dann nahm das seinen Lauf.
Hat diese Liebe Ihr Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche verändert?
Poiger: Ja. Ich bin nie Priester geworden, weil ich unbedingt zölibatär leben wollte. Ich habe das akzeptiert, weil es zu meinem Wunsch gehörte, Geistlicher zu werden. Aber wenn man selbst betroffen ist, verändert das den Blick. Wer wegen einer Beziehung sein Amt aufgibt, bleibt zwar katholisch, darf aber vieles nicht mehr tun. Das fühlt sich ausgrenzend an – und das hat mich damals sehr getroffen.

Hat es auch Ihren Blick auf den Glauben verändert?
Poiger: Ja. In der Kirche sprechen wir ständig von Liebe. Aber wenn da plötzlich ein Mensch ist, der dich wirklich annimmt, wie du bist, verändert das auch den Blick auf die Liebe Gottes. Dafür bin ich meiner Frau sehr dankbar. Die vergangenen Jahre waren nicht immer leicht, wir mussten einige Hürden überwinden.
Sie haben auch den Nachnamen Ihrer Frau angenommen.
Poiger: Meine Frau hat einen Sohn mitgebracht, da war das die einfachste Lösung. Außerdem habe ich schon einmal einen Namen gewechselt – beim Eintritt ins Kloster wurde mir ein neuer Vorname gegeben als Zeichen für einen neuen Lebensabschnitt.
Haben Menschen, die neu zur alt-katholischen Kirche kommen, ähnliche Geschichten?
Poiger: Viele haben Brüche in ihrer Biografie, sind geschieden oder von der Kirche enttäuscht worden. Als Argumente für uns werden oft Themen wie das fehlende Zölibat, Frauenpriestertum oder die Ehe für alle genannt. Wir haben hier in Regensburg jedes Jahr etwa zehn bis 15 Eintritte und nur wenige Austritte. Das finde ich sehr schön.
Als Priester der römischen Kirche mussten Sie früher andere Werte vertreten. War das eine Umstellung?
Poiger: Da halte ich es mit einem Kollegen aus München. Der hat einmal gesagt: „Von dem, was ich glaube, war ich immer schon alt-katholisch.“ Ganz ohne Umstellung war es nicht – etwa wenn plötzlich eine Frau dem Gottesdienst vorsteht. Aber ich empfinde diese Vielfalt als Bereicherung. Und bei der Ehe für alle gilt für mich: Liebe ist Liebe – aus. Mehr muss man eigentlich nicht sagen.