Sie war Nasa-Physikerin und Nonne in Regensburg: Schwester Lydia la Dous ist verstorben

Nach langer Krankheit ist am Donnerstag die Regensburger Dominikanerinnen-Schwester Lydia la Dous verstorben. In ihrem 70-jährigen Leben verband sie zwei große Leidenschaften: den Glauben und die Naturwissenschaft. Ein Widerspruch sei das für sie nie gewesen, erzählt eine Freundin – im Gegenteil.
Die als Constanze la Dous geborene Schwester Lydia sei nicht religiös aufgewachsen. Erst im Laufe ihrer wissenschaftlichen Karriere sei sie mit dem katholischen Glauben in Berührung gekommen. „Sie hat immer gesucht und gesucht“, erzählt eine langjährige Bekannte, die nicht namentlich genannt werden möchte. „Nur für die Wissenschaft zu arbeiten, das war ihr zu wenig.“
Schwester Lydia war habilitierte Astrophysikerin. Vor etwa zehn Jahren porträtierte sie die Süddeutsche Zeitung. Demnach verbrachte sie drei Jahre an der Universität Cambridge, arbeitete anschließend für die Nasa in Washington und später für die Esa in Madrid.
Im Laufe ihrer Karriere sei sie immer wieder Kollegen mit katholischem Glauben begegnet, sagt die Freundin. „Das war für sie der Weg Gottes.“
2003 entschloss sich la Dous schließlich, dem Dominikanerinnenkloster Heilig Kreuz in Regensburg beizutreten. Die Entscheidung sei gut überlegt gewesen: „Sie hat das gedreht und gewendet, bis es für sie das Richtige war“, erzählt die Freundin. „Das große Glück, das sie in Regensburg hatte, war, dass sie hier Theologie studieren konnte. Damit hat sich für sie der Kreis geschlossen.“
Trotzdem musste sie auch Rückschläge bewältigen. Bereits vor etwa 15 Jahren sei bei ihr Parkinson diagnostiziert worden. Ihr Umgang damit: Demut. „Sie hat es einfach akzeptiert.“
Vortrag im Alten Rathaus in Regensburg
Schwester Lydia sei eine ruhige, bescheidene und hochintelligente Frau gewesen. Bis zuletzt habe sie sich für neueste Entwicklungen in der Wissenschaft interessiert. Sie habe viel Besuch empfangen und – solange ihre Kraft reichte – gerne diskutiert.
In Regensburg sprach sie in Vorträgen immer wieder über religiöse und naturwissenschaftliche Themen, zuletzt 2016 im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses. Der Titel ihres Vortrags: „Gott und die Welt: Anmerkungen zur Bedeutung der Naturwissenschaft heute“. Als Klosterschwester setzte sich la Dous immer wieder für Hilfesuchende ein. „Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Lokführerin, der innerhalb eines Jahres zwei Menschen vor den Zug gesprungen sind“, erzählt die Freundin. Bei solchen Gelegenheiten habe Schwester Lydia gesagt: „Da muss ich meinen Turbo anschmeißen und beten.“ Außerdem habe sie für jeden Menschen ein Lächeln gehabt.
Beisetzung in der Dominikanerinnenkirche in Regensburg
Ihre letzten Jahre verbrachte die Ordensschwester aufgrund ihrer schweren Krankheit außerhalb ihres Klosters im Deutschordenshaus St. Ägid. Zuletzt wurde sie auf der Palliativstation der Uniklinik gepflegt.
„Unheimlich gern ist Lydia mit dem Dampfer über den See gefahren. Natur, Wasser, Wind und Ruhe – das war schön für sie“, erinnert sich die Freundin.
La Dous verstarb am 14. Mai. Das Requiem und die Beisetzung finden am Freitag, 22. Mai, um 10 Uhr in der Dominikanerinnenkirche in Regensburg statt.