Als der Konflikt am Bauzaun eskalierte: Veranstaltung erinnerte an Widerstand gegen WAA in Wackersdorf

An den Höhepunkt der Auseinandersetzungen um die geplante Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) im Taxöldener Forst erinnerte die Aktionsgemeinschaft „40 Jahre Zaunkämpfe“ bei einer Gedenkveranstaltung am Franziskusmarterl.
1986 ereignete sich der Reaktorunfall in Tschernobyl, und im Gefolge eskalierte auch der Widerstand gegen die WAA. Vor 15 Jahren ereignete sich zudem das Reaktorunglück im japanischen Fukushima. Diese drei Ereignisse sollten bei einer Andacht am Franziskusmarterl und einer anschließenden Veranstaltung in der Brauereiwirtschaft Fronberg in Erinnerung gebracht werden.
GAU von Tschernobyl gab Widerstand einen Schub
Das Marterl war der Ort des christlich geprägten Widerstands. Hier wurden Gottesdienste abgehalten. 1986 fanden die größten Demonstrationen am WAA-Gelände statt, das mit einem massiven Metallzaun umgeben war. Es jährt sich auch das Pfingstwochenende, an dem von der Polizei mit CS-Gas gegen die Demonstranten vorgegangen wurde. Der Reaktorunfall in Tschernobyl und die damit verbundene radioaktive Strahlung auch in der Oberpfalz verliehen der Protestbewegung einen zusätzlichen Schub.

Unter der überdimensionalen Christusfigur des Burglengenfelder Bildhauers Stefan Preisl hielt der 85-jährige Pfarrer Andreas Schlagenhaufer nun eine Andacht. Zusammen mit den Pfarrern Leo Feichtmeier und Richard Salzl gehörte er zu den Schlüsselfiguren des christlichen Widerstands, denen der damalige Bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß „groben Missbrauch des Christentums“ vorgeworfen hatte.
Schlagenhaufer erinnerte an seine erste Verhaftung im Rahmen eines Polizeieinsatzes auf dem Gelände. „Mich beeindruckt, was wir damals geleistet haben“, fasste er seine Erinnerungen zusammen. Im Hinblick auf die Zukunft mahnt er: „Aber es ist noch nicht zu Ende, die geben keine Ruhe“.
Der Pfarrer spannte den Bogen zum gerade zu Ende gegangenen Kirchentag, auf dem die Frage erörtert worden sei, wie politisch darf Kirche sein dürfe. Zugleich erinnerte Schlagenhaufer an die großen sozialen und ökologischen Krisen unserer Zeit. Er freue sich, wenn junge Leute die Zeichen der Zeit erkennen und sich für eine bessere Umwelt engagieren würden.
Hubert Weiger, langjähriger Vorsitzender des Bund Naturschutz, wies darauf hin, dass der BN das Grundstück, auf dem das Marterl errichtet worden sei, im Jahr 1984 erworben habe. „Es ist ein Ort, der erinnert an unsere Aufgabe als Menschen, aber gerade auch als Christen, uns einzusetzen für die Schöpfung“. Weiger verwies darauf, dass für die meisten der Kampf gegen die WAA ein friedlicher Einsatz auf allen Ebenen war, um ein Unglücksprojekt zu verhindern.
Sein besonderer Dank galt Altlandrat Hans Schuierer, der damals den Widerstand vehement unterstützt hatte. Trotz seiner 95 Jahre war der Altlandrat ebenfalls zu der Gedenkveranstaltung gekommen.
Schuierer war wegen seiner Haltung mit mehreren Disziplinarverfahren überzogen worden, ließ sich aber dadurch in seiner Ablehnung der WAA nicht beirren. Extra wegen seiner Haltung wurde laut Weiger die „Lex Schuierer“ geschaffen – ein Gesetz, das regle, dass eine Aufsichtsbehörde bei einer Weigerung der unteren Ebene ersatzweise nötige Genehmigungen erteilen könne.
„Lex Schuierer“ ist immer noch in Kraft
„Der Widerstand wurde systematisch eingeschüchtert und diskriminiert“, sagte Weiger und erinnerte daran, dass dieses Gesetz immer noch bestehe. Zugleich dankte er den österreichischen Bürgerinitiativen und Spitzenpolitikern, die seinerzeit zur Unterstützung nach Wackersdorf gekommen waren.
Im weiteren Verlauf berichtete Patricia Lorenz von der Umweltorganisation Global 2000, die per Videoschalte am Gespräch beteiligt war, von der Situation der Kernenergienutzung in Osteuropa.