Nach Wolbergs-Urteil: Bittersüßer Start ins Bürgermeister-Amt für Thomas Thurow

Lakritz-Konfekt gab es zum Antritt von Thomas Thurow von der Brücke als Sozialbürgermeister im Regensburger Rathaus – emotional sind diese Tage für ihn aber „wahnsinnig schwer“.
Viel Süßes gab es am ersten Arbeitstag von Thomas Thurow von der Brücke als Sozialbürgermeister: eine Packung Duplo-Riegel auf dem Schreibtisch von den Mitarbeitern und ein Glas mit Lakritz-Konfekt aus der Hand von SPD-Oberbürgermeister Thomas Burger. Er hieß den dritten Bürgermeister Thurow und die zweite Bürgermeisterin Helene Sigloch (Grüne) am Freitag in der Ahnengalerie des Alten Rathauses mit Blumen, Marathon-Quietscheenten und Nervennahrung willkommen – zwei Tage nach dem Urteil gegen Brücke-Chef Joachim Wolbergs.
Unter den Porträts seiner Vorgänger Wolbergs und Hans Schaidinger (CSU) wollte sich Burger nicht fotografieren lassen, er ging lieber auf die Seite mit den Vorvorgängern. Thurow ging mit, machte aber ansonsten seine Solidarität zu Wolbergs, den das Landgericht München am Mittwoch zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Vorteilsnahme verurteilt hatte, deutlich. „Emotional wahnsinnig schwer“ sei das für ihn. „Ein Urteil dieser Härte haben wir nicht erwartet. Wir hoffen vielleicht auch, dass sich in der Revision da noch mal bisschen was ändert. Ich glaube, das verstehen alle in der Stadt, dass er das nicht verdient hat“; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wolbergs hatte 2008 seinen Weg an die Stadtspitze als Sozialbürgermeister begonnen. Thurow sagte, für seinen Amtsantritt sei die Vorgeschichte keine Hypothek, „im Gegenteil“. „Wer in Fußstapfen tritt, hinterlässt keine eigene Spur.“ Thurow (61) übergab für das neue Amt sein Optikgeschäft in Roding in andere Hände.
Thurow: „Stellen uns gegen die Spaltung der Stadtgesellschaft“
Bei der Vorstellung von Burgers Koalition aus SPD, Grünen, Brücke, FW, ÖDP und Volt hatte Thurow als designierter Sozialbürgermeister angekündigt: „Wir stellen uns gegen die Spaltung der Stadtgesellschaft, wir wollen einen sozialen Zusammenhalt erhalten und verbessern, auch vor dem Hintergrund, dass wir jetzt fünf Spalter im Stadtrat sitzen haben“; gemeint war die AfD, die Thurow wegen dieses Ausspruchs am Mittwoch „mangelnden Respekt vor demokratischen Entscheidungen“ vorwarf.
Dass er bisweilen auf Konfrontation geht mit der AfD, hat Thurow mit Wolbergs gemeinsam. Der ehemalige SPDler Thurow hatte sich einen Tag vor dem Urteil im ersten Wolbergs-Verfahren 2019 der Wählervereinigung Brücke angeschlossen. Da Wolbergs 2026 nicht als OB-Kandidat antreten durfte, ging Thurow ins Rennen, erhielt aber nur 6,4 Prozent der Stimmen. Die Stadtratswahl ließ die Brücke-Fraktion von sechs auf vier Sitze schrumpfen. Da die mit sechs Sitzen ebenfalls relativ kleine SPD des OB laut Burger auf ein Bürgermeisteramt verzichtete, wurde Thurow trotzdem Bürgermeister.
IT-Sicherheitsexpertin Helene Sigloch (43) war als grüne OB-Kandidatin ohnehin nahezu gesetzt als zweite Bürgermeisterin, nur eine Koalition mit der CSU hätte das gefährden können. Sie hatte bei der ersten Runde der OB-Wahl nur 0,2 Prozent weniger Stimmen erhalten als Burger und kümmert sich nun ums Klima und um die Jugendarbeit. „Ich freue mich auch richtig drauf“, sagte Sigloch. „Gerade im Bereich Jugend, Umwelt, Abfall gibt es sehr viel zu tun.“ Burger begrüßte sie mit Schokokeksen und Sonnenblume, während die botanische Bezeichnung für die flammenförmige Blüte in Orange für Thurow unbekannt war im Rathaus. Auf jeden Fall wirke sie „dynamisch“, so Burger.