Thomas Müller oder ein gecharterter Flieger: Viele Höhepunkte beim Bayern-Fanclub Nabburg

Er wächst und wächst – und ein Ende ist nicht in Sicht. Der FC Bayern Fanclub Nabburg/Oberpfalz ist mit mittlerweile mehr als 6700 Mitgliedern der größte weltweit und feiert im Juni sein 35-jähriges Bestehen.
Präsident Bernd Hofmann blickt auf Höhepunkte der Vereinsgeschichte zurück. Dabei erklärt er auch, warum der Fanclub 2010 einen eigenen Flieger charterte, um zum Champions-League-Finale nach Madrid zu kommen. Und warum ein Mitgliedsausweis in Aserbaidschan persönlich zugestellt werden musste.
Wer Fanclub-Präsident Bernd Hofmann (76) und seine Frau Veronika in Nabburg besucht, der findet sich in einer Mischung aus Büro und Bayern-Museum wieder. Unzählige Erinnerungsstücke schmücken den Raum: Unterschriebene Trikots von Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer und Joshua Kimmich hängen eingerahmt an der Wand neben Wimpeln und Fotos, etwa vom Champions League-Finale 2013 in Wembley oder vom Traumspiel in Amberg 2008. Dazu gibt es Replika von Meisterschale, DFB-Pokal und CL-Pokal. Dazwischen liegen aber auch Stapel von Papier.
Denn einen Fanclub mit 6700 Mitgliedern zu verwalten, das ist für Bernd Hofmann ein Fulltime-Job. Seine Frau Veronika ist Kassier und damit quasi halbtags beschäftigt. Unterstützung bekommen die beiden von den weiteren acht Mitgliedern der Vorstandschaft. Dabei sei es nie der Anspruch gewesen, dass der Fanclub so groß, sogar der aktuell mitgliederstärkste weltweit wird. „Das spielt für uns keine Rolle, mir ist wichtig, dass alles funktioniert“, sagt der 76-Jährige. Er habe nie Werbung für den Verein gemacht. Und dennoch ist der Zulauf ungebrochen.
Mitglieder kommen auch aus Amerika und Australien
Aber zurück auf Anfang: Mit seinen Söhnen Markus und Martin unternahm Fußballfan Hofmann privat die ersten Fahrten zu Bayern-Spielen ins Münchner Olympiastadion. Bald fuhren in Kleinbussen auch die Kumpels mit. Als Hofmann Fußball-Abteilungsleiter beim TV Nabburg wurde, liefen die Fahrten unter diesem Dach. 15 Jahre lang bestand der inoffizielle Fanclub, dann sei es plötzlich nicht mehr so einfach gewesen, an Karten zu kommen. Deshalb wurde 2001 mit 75 Mitgliedern der Bayern-Fanclub Nabburg/Oberpfalz gegründet, zehn Jahre aus der vorangegangenen Zeit wurden vom FC Bayern anerkannt, so dass der Verein also heuer sein 35-jähriges Bestehen feiert.
Der Name Nabburg/Oberpfalz wurde gewählt, weil die Mitglieder von Anfang an aus einem größeren Umkreis kamen. Heute stammen sie aus 700 Städten und Gemeinden in ganz Deutschland, in Europa und darüber hinaus. Auch Fans aus Amerika, Australien und ein Scheich aus Katar sind auf der Liste zu finden. Emil Gulijev aus Aserbaidschan wurde die besondere Ehre zuteil, dass Bernd Hofmann ihm den Mitgliedsausweis persönlich vorbei brachte. Dreimal ging der zuvor auf dem Postweg verloren. Da nahm ihn der Fanclub-Präsident kurzerhand mit, als er zu einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft in Aserbaidschan reiste.
2003 brachte der damalige Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zur Weihnachtsfeier des Fanclubs 500 Freikarten für das Champions-League-Spiel gegen RSC Anderlecht mit, so dass der Fanclub mit elf Bussen dorthin fuhr, was ihm weitere Bekanntheit verschaffte. Bis Sommer 2004 war die Zahl der Mitglieder auf 500 angestiegen, im April 2008 waren es schon 1500 – und der nächste große Höhepunkt in der Vereinsgeschichte brachte weiteren Schub: Als zweiter Fanclub überhaupt erhielten die Nabburger den Zuschlag für das sogenannte Traumspiel, bei dem am 20. Juli die erste Mannschaft des FC Bayern vor fast 14.000 Fans in Amberg gegen eine Fanclub-Auswahl antrat.
Wir haben mit unseren Bayern so viele Erfolge gefeiert. Es gab so viele Highlights, da kann man sich gar nicht an alle erinnern.Bernd Hofmann, Präsident des Bayern-Fanclubs Nabburg-Oberpfalz
11:1 (5:1) gewannen die Bayern unter dem damaligen Trainer Jürgen Klinsmann. In die Torschützenliste trugen sich unter anderem Mark van Bommel, Martin Demichelis, Hamit Altintop, Lukas Podolski und Toni Kroos ein. Bastian Schweinsteiger blieb ein Treffer verwehrt – auch, weil er mit einem Strafstoß scheiterte.
2010 folgte eine Aktion, mit der der Fanclub Nabburg-Oberpfalz deutschlandweit von sich reden machte. Ihm wurden kurzfristig 25 Karten für das Champion-League-Finale der Bayern gegen Inter Mailand in Madrid zugeteilt. Als sich die Anreise schwierig und als zu teuer herausstellte, wurde kurzerhand selbst ein Airbus der staatlichen tschechischen Airline gechartert, der am Ende mit 220 Leuten ausgebucht war. Für die notwendige Anzahlung von 90.000 Euro musste ein Kredit aufgenommen werden, für den Bernd Hofmann als Sicherheit sein Wohnhaus belieh. „Du host doch an Schlog“, sagte damals nicht nur der Bankberater, sondern auch Ehefrau Veronika. Heute kann Bernd Hofmann darüber lachen. Dabei hätte der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull die Aktion beinahe noch scheitern lassen.






Über Jahrzehnte war Bernd Hofmann bis zu 80 Mal pro Jahr für den Bayern-Fanclub unterwegs, in ganz Deutschland, ganz Europa, bis nach Russland oder Katar. Nicht nur zu allen Heim- und Auswärtsspielen, sondern auch bei Angeboten wie dem Kinderferienprogramm, den Fahrten zum Oktoberfest, zum Zirkus Krone und zum Biathlon in Antholz (Südtirol), die auch fest im Jahresprogramm stehen. „Wir versuchen, über das ganze Jahr gesehen, unsere Mitglieder kartentechnisch zu versorgen“, so Hofmann. Das ist in den vergangenen Jahren allerdings immer schwieriger geworden. Für das letzte Heimspiel der Saison gegen Köln gebe es 400 Personen auf der Warteliste.
Da der Fanclub von Anfang an am Dauerfahrer-Programm des FCB teilnimmt, erhält er für jedes Heimspiel 45 Karten, außerdem gibt es in den Reihen der Mitglieder 80 Dauerkarten-Besitzer, die ihre Eintrittskarten immer mal wieder zur Verfügung stellen. So schafft es der Fanclub Nabburg-Oberpfalz regelmäßig, mit drei Bussen zu Bundesliga-Heimspielen in die Allianz-Arena zu fahren, während es andere Fanclubs gibt, die seit zwei Jahren keine Karten zugeteilt bekommen haben, weiß Hofmann. Bei Auswärtsspielen klappt es mittlerweile allerdings auch beim den Nabburgern nicht mehr mit festen Kartenkontingenten und regelmäßigen Ausflügen, die in der Regel Fußball mit Kultur und Sightseeing verbinden.
Ordnung, Disziplin, Pünktlichkeit, Sauberkeit und ein vernünftiger Umgang mit Alkohol – das fordert der Fanclub Nabburg/Oberpfalz von allen Teilnehmern bei seinen Fahrten und Veranstaltungen. Wer sich nicht daran hält, war das letzte Mal dabei, macht Hofmann deutlich. Auf die Organisation legt der Fanclub großen Wert. „Die Leute müssen sagen, es war eine tolle Reise, egal ob es einen Bayern-Sieg oder eine Niederlage gab“, das ist der Anspruch der Hofmanns. Während Bernd als Reiseleiter fungiert, hat Veronika den Spitznamen „Catering-Paula“, denn sie ist für die Verpflegung zuständig.
Dass man auf den Fanclub Nabburg/Oberpfalz und seinen Präsidenten zählen kann, weiß man auch beim FC Bayern München. Dort ist Bernd Hofmann seit 20 Jahren im Fanrat engagiert, wurde vor einem halben Jahr zum Seniorenvertreter gewählt. 2021 wurde er für die Aktion „Das Gesicht des FC Bayern“ als Fan-Vertreter ausgewählt und stand in einer Reihe mit Karl-Heinz Rummennige, Manuel Neuer, Serge Gnabry und Robert Lewandoswki.

Wenn der FCB oder Sponsoren wie Paulaner oder Michelin Fans für Aktionen oder Videodrehs brauchen, wird immer wieder in Nabburg angefragt. Eine Ehre ist es für Hofmann auch, dass Präsident Herbert Hainer zugesagt hat, die Ehrenschirmherrschaft für das 35. Jubiläum zu übernehmen und zur Feier am 7. Juni auf Schloss Guteneck zu kommen.
„Wir haben mit unseren Bayern so viele Erfolge gefeiert. Es gab so viele Highlights, da kann man sich gar nicht an alle erinnern“, blickt Hofmann zurück. Und erzählt immer weiter. Vom Besuch von Kingsley Coman bei der Weihnachtsfeier 2015. Und natürlich vom Besuch von Thomas Müller im Januar 2024 vor 750 Fans in der Neunburger Schwarzachtalhalle.
Fanclub spielte Hauptrolle in Dokumentation über Thomas Müller
„Ein unvergessliches Erlebnis“ für den Fanclub-Präsidenten. Der Empfang – und somit der Fanclub – spielte später sogar eine Hauptrolle in der Dokumentation „Thomas Müller – Einer wie Keiner“ auf Amazon Prime. Es gäbe noch so viel zu erzählen aus 35 Jahren Bayern-Fanclub Nabburg-Oberpfalz. Beispielsweise über das soziale Engagement des Vereins, der jedes Jahr mehrere tausend Euro an soziale Einrichtungen und Initiativen spendet. Über die vielen Kontakte und Freundschaften in der ganzen Welt, die entstanden sind.
Bernd Hofmann denkt nicht ans Aufhören. „Das Feuer brennt noch“, sagt der Präsident, der im März für die nächsten vier Jahre im Amt betätigt wurde. Er wünscht sich, dass der Verein gut weiterläuft – auch wenn er einmal nicht mehr an der Spitze steht. Aber bis dahin wird die Liste der schönen Erinnerungen und Höhepunkte sicher noch ein ganzes Stück länger werden.