Der Kultroller feiert 80. Jubiläum: Auch in Schwandorf grassiert das Vespa-Fieber

Sie steht für italienisches Lebensgefühl, Freiheit und verbindet dabei alle Generationen: die Vespa. Am 23. April 1969 meldete Piaggio das Patent für den Kultroller an. An dieses Datum erinnert jährlich der „Tag der Vespa“. Heuer gewinnt er mit dem 80. Jubiläum nochmals besonders an Bedeutung. Auch in Schwandorf ist die Leidenschaft für das Gefährt mit dem ikonischen Design ungebrochen.
Als Enrico Piaggio, der Sohn des Firmengründers, die geschwungenen Linien des ersten Vespa Prototyps betrachtete und dem Sound des Motors lauschte, soll er spontan ausgerufen haben: „Wie eine Wespe!“ Ob sich die Namensfindung wirklich so abgespielt hat, lässt sich zwar nicht überprüfen – Fakt ist, dass der Name tatsächlich so ins Deutsche übersetzt wird.
Seit 80 Jahren summen die Vespas schon durch die Landschaft und haben viele Menschen in ihren Bann gezogen. Rund 18 Millionen Vespa-Roller sollen nach Angaben des Herstellers auf sechs Kontinenten unterwegs sein. Ein paar davon schnurren dabei auch durch Schwandorf und von hier aus in die Welt.
In Griechenland die Liebe zum Rollerfahren entdeckt
Michael Edenharter, den viele Schwandorfer als Wirt der „Stube“ kennen, ist seit einigen Jahren mit dem Vespa-Fieber infiziert. 2017, während eines Urlaubs in Griechenland, entdeckten er und seine Frau, wie viel Spaß das Rollerfahren macht. Zum 50. Geburtstag schenkte er seiner Gattin dann eine Vespa, rund ein Jahr später zog er nach und legte sich auch ein Modell zu – in knallorange.
Mit dem Vespa-Fieber steckte er bald auch seinen Bruder und Freunde an. „Heute sind wir eine Gruppe von rund sechs Leuten, die regelmäßig Ausfahrten unternehmen“, berichtet Edenharter. Wenn mehrere bunte Vespas gemeinsam durch die Landschaft kurven, ziehe das schon die Blicke auf sich, erzählt er schmunzelnd.

Die Gruppe unternimmt dabei aber nicht nur Sonntagsausflüge in der Umgebung. Von Schwandorf aus ging es auch schon an den Gardasee. „Das ist schon Dolce Vita“, schwärmt Edenharter. Auch im Cinque Terre und in der Toskana war das Grüppchen bereits unterwegs. Bei solchen weiter entfernten Zielen organisiert Edenharter dann aber einen Anhänger, auf den die Vespas verladen und zum Urlaubsort transportiert werden.
Natürlich machen sich die Vespa-Fans auch heuer wieder auf den Weg. „Dieses Mal wird es zum Tegernsee gehen“, verrät Edenharter. Die Roller der Edenharters werden dabei aber nicht nur zu besonderen Gelegenheiten genutzt. „In der warmen Jahreszeit erledigen wir fast alles mit der Vespa, auch den Einkauf“, sagt der 56-Jährige.
Bei Zweirad Schißlbauer in Schwandorf kaufen vor allem Frauen Vespas
Mit ihrer Leidenschaft sind Edenharter und seine Freunde in Schwandorf, der Stadt des Oberpfalzmopedmarathons, nicht allein. „Das Vespa-Fieber ist sicherlich in den Großstädten noch ausgeprägter, doch auch in der Region gibt es viele Fans“, berichtet Franz Schißlbauer. In seinem Zweiradgeschäft in Schwandorf empfängt er regelmäßig Kunden, die sich bewusst für das zeitlose Design entscheiden, das sich über die Jahre kaum verändert habe.
In der warmen Jahreszeit erledigen wir fast alles mit der Vespa, auch den EinkaufMichael Edenharter
Überwiegend weibliche Kundschaft sei es, die sich für das italienische Kultmodell interessieren würde, sagt der Unternehmer. Die Leidenschaft packt laut Schißlbauer alle Altersgruppen gleichermaßen: „Die Spanne reicht dabei von 16-Jährigen bis ins hohe Alter“, schmunzelt er. Regelmäßig hat er die Vespas seiner Kundschaft auch zur Wartung in der Werkstatt, dann stellt er fest, dass diese oft und gern genutzt werden. „Da sind dann durchaus viele Kilometer drauf“, sagt er.

Bei seinen Kunden spürt Schißlbauer immer wieder die Leidenschaft für das kultige Gefährt mit italienischem Flair und auch seine Augen leuchten, als er ein besonderes Stück präsentiert, das derzeit bei ihm zum Verkauf steht: eine Vespa GTS 300 mit Beiwagen.
Auch im Zweiradhof Hartl wird an Vespas geschraubt
Dass es in Schwandorf eingefleischte Vespa-Fans gibt, weiß auch Peter Hartl zu berichten: „Die Vespa ist Kult, das ist auch in der Region spürbar.“ Hartl verkauft in seinem Geschäft in der Großen Kreisstadt zwar keine Vespas, sondern andere Marken – zur Reparatur finden die Kultroller aber öfter den Weg zu ihm. Und dann kann es auch schon mal knifflig werden, wie der gelernte Zweiradmechaniker berichtet. Es kommt schon mal vor, dass der Fachmann Vespas aus den Jahren 1970 bis 1975 flott machen soll. „Da ist die Teilebeschaffung entsprechend schwierig“, sagt er.

„Die Leute hängen dann oft sehr an ihrer Vespa“, beobachtet der 55-Jährige. Es komme auch vor, dass die Fahrzeuge eine persönliche Geschichte haben. „Manchmal hat schon der Vater die Vespa gefahren und die Nachkommen halten sie in Ehren“, sagt Hartl.
Er selbst steigt zwar in seiner Freizeit lieber auf eine Harley, die Leidenschaft für die Vespas kann er aber gut nachvollziehen. „Mich freut es immer, wenn solche alten Fahrzeuge erhalten bleiben“, sagt er.