Mädchen wurde von Schwandorfer Mittelschule geschmissen – Eltern sprechen von „Skandal“

Eine Schülerin der Mittelschule Dachelhofen (Schwandorf) soll über Monate von ihren Mitschülern schikaniert worden sein. Zumindest sagen das ihre Eltern, die deswegen seit Wochen mit der Schulleitung im Clinch liegen. Die Auseinandersetzung soll nun in einem Schulausschluss gegen das mutmaßliche Opfer gegipfelt haben. Rektor Christian Ernstberger kontert: „Wir nehmen das Thema Mobbing sehr ernst.“
„Ein Skandal“, so betiteln die Eltern das ganze Szenario. Sie haben sich an die MZ-Redaktion gewandt, um auf „beispielloses Behördenversagen“ aufmerksam zu machen. Aus Eigenschutz will die Schwandorfer Familie allerdings anonym bleiben. Beim Gespräch ist die Tochter, um die es geht, nicht anwesend. Seit das Mädchen nicht mehr zur Schule geht, wird sie tagsüber von der Oma betreut, sagt die Mutter. Anders funktioniere es auch gar nicht, denn beide Elternteile seien berufstätig.
In der Stimme der Frau schwingt immer wieder hörbar Wut und auch Enttäuschung mit. „Unserer Tochter wird seit Wochen das grundlegende Recht auf Bildung entzogen“, sagt sie, während sie durch einen dicken Ordner blättert. Die Mutter hat die ganze Auseinandersetzung mit der Mittelschule Dachelhofen feinsäuberlich protokolliert.
Viele Tränen und fiese WhatsApp-Nachrichten
Alles soll im November vergangenen Jahres angefangen haben. „Unsere Tochter kam von der Schule und hat geweint“, sagt die Mutter. Viel erzählen wollte das Mädchen anfangs nicht. Erst als die Mutter eines Tages fiese Nachrichten von Mitschülern auf dem Handy ihrer Tochter entdeckt hatte, soll nach und nach alles ans Tageslicht gekommen sein. Beleidigungen, Erpressungen und teilweise körperliche Gewalt. All das soll dem Mädchen an der Schule widerfahren sein.
Die Eltern zögerten nicht lange und kontaktierten die Schulleitung. „Die Reaktion der Schule war erschütternd. Wir wurden schlichtweg nicht ernst genommen, die Kommunikation wurde verweigert. Unsere Tochter wurde von Anfang an als Problem abgestempelt“, erzählt die Mutter, der Vater nickt.
Völlig in Schutz nehmen möchten beide ihre Tochter aber auch nicht. „Wir haben nie behauptet, dass unser Kind komplett unschuldig ist oder keine Fehler gemacht hat. Aber das Gleichgewicht der Reaktionen ist völlig aus den Fugen geraten“, sagt die Frau und spielt damit auf die finale Eskalationsstufe an. Zunächst hätte es ein paar „lockere Gespräche“ mit der Schulleitung, einem Teil des Lehrerkollegiums und einer Fachkraft für Jugendsozialarbeit gegeben. Doch die Diskussionen seien allesamt ohne Ergebnis geblieben. Dann folgte der Schock: Vor wenigen Wochen sei das Mädchen plötzlich vom Unterricht ausgeschlossen worden. Bis heute hätte sie nicht mehr zurückkehren dürfen.
Mutter ging mit Video an die Öffentlichkeit
Für die Eltern ist das schlichtweg inakzeptabel. „Unser Kind wird zu Hause isoliert, während die Täter weiterhin gemeinsam die Schulbank drücken. Es ist offensichtlich, dass hier ein Kind entsorgt werden soll, um das eigene Versagen bei der Mobbing-Prävention zu vertuschen“, poltert die Mutter, die sich daraufhin mit einem Video an die Öffentlichkeit gewandt hat. Auf den Sechsminüter habe die Frau viel Zustimmung erhalten. Und sie ist sich deshalb sicher: Nicht nur an der Mittelschule Dachelhofen herrsche ein akutes Mobbingproblem.
Doch was ist wirklich dran an den massiven Vorwürfen? Christian Ernstberger, Rektor der Mittelschule Dachelhofen, hält sich auf Nachfrage der MZ weitgehend bedeckt. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und des Datenschutzes könne man sich zu Einzelfällen grundsätzlich nicht äußern, sagt er. Generell erfolge ein Ausschluss vom Unterricht aber „nur in absolut notwendigen Fällen“. Der Ausschluss werde „ausschließlich nach genauer Abwägung der individuellen, schulischen und pädagogischen Situation angeordnet“, so Ernstberger.
Der Ausschluss vom Unterricht als Ordnungsmaßnahme erfolgt nur in absolut notwendigen Fällen.Christian Ernstberger, Rektor der Mittelschule Dachelhofen
Grundsätzlich werde das Thema Mobbing an der Mittelschule Dachelhofen aber sehr wohl äußerst ernst genommen. Ernstberger zählt Präventions-Projekte wie „No Blame Approach“, „Pack ma’s“, oder „Webscouts“ auf. Bei letzterem würden Schülerinnen und Schüler der höheren Jahrgangsstufen extra für den Umgang mit dem Internet, Sozialen Medien und Cybermobbing geschult.
Zudem stehe den Schülern neben der jeweiligen Klassenlehrkraft auch eine Fachkraft für Jugendsozialarbeit zur Verfügung. An diese könnten sich alle wenden, die schulische oder private Probleme haben, soweit diese das schulische Umfeld betreffen. „Die zuständige Beratungslehrkraft und die Schulpsychologin werden bei Bedarf eingebunden“, so Ernstberger. Bei weitreichenderen Problemen würden auch externe Stellen hinzugezogen.
Unterrichtsmaterialien werden auch online bereitgestellt
Das Konfliktpotenzial in seiner Einrichtung schätzt der Schulleiter unterm Strich als gering ein. Natürlich komme es auch an der Mittelschule Dachelhofen gelegentlich zu Konflikten oder Streitigkeiten. „Insgesamt erleben wir die Situation an unserer Schule als geordnet und pädagogisch eng begleitet“, sagt der Rektor.
Ernstberger ließ auf Nachfrage dann auch nicht unerwähnt, dass ein Ausschluss vom Unterricht nicht gleichzeitig bedeute, dass man den Schulstoff nicht mehr lernen kann. „Grundsätzlich werden allen Schülerinnen und Schülern, die nicht am Unterricht teilnehmen können, Unterrichtsmaterialien (Tafelbild, Arbeitsblätter, Arbeitsaufträge, Hefteinträge) in digitaler Form über den Schulmanager zur Verfügung gestellt.“
Das räumt auch die betroffene Familie ein. Doch die Versorgung mit Lernmaterialien funktioniere nur dürftig, kritisiert die Mutter. Damit sei schon jetzt klar, dass das Mädchen die Klasse noch einmal wiederholen müsse – dann aber an einer anderen Schule. Denn das Thema Mittelschule Dachelhofen hätte sich sowohl für die Eltern als auch für das Kind erledigt. „Selbst wenn der Schulausschluss rückgängig gemacht wird, geht unsere Tochter nicht mehr dorthin“, steht für Vater und Mutter fest.